Mit seinen etwa 180.000 Aktenkartons und 60.000 Geschäftsbüchern auf circa 50 Regalfachkilometern darf das Wiener Kriegsarchiv den Anspruch erheben, das mit Abstand bedeutendste Militärarchiv Mitteleuropas zu sein.
Seine Kartensammlung mit über 600.000 Karten und Plänen ist die größte Österreichs. Hinzu kommt eine Sammlung von etwa 400.000 Bildern.
Die ehemalige Bibliothek des Kriegsarchivs zählt zu den umfangreichsten Sammlungen älterer militärhistorischer Fachliteratur.
Die Abteilung Kriegsarchiv des Österreichischen Staatsarchivs hat zwei institutionelle Wurzeln: das „Hofkriegskanzleiarchiv“ (gegründet 1711) als Behördenarchiv und das 1801 von Erzherzog Karl geschaffene „Kriegsarchiv“ als Forschungsinstitut der Armee.
Die in 22 Bestandsgruppen zusammengefassten Bestände des Kriegsarchivs, in deren Struktur sich diese beiden grundverschiedenen Archivtraditionen bis heute widerspiegeln, lassen sich grob in fünf große Blöcke gliedern:
1. Personalunterlagen zu Offizieren, Unteroffizieren, Mannschaften und Beamten der bewaffneten Macht von etwa 1740 bis 1918; Belohnungsakten (1789–1958), also Unterlagen zu militärischen Auszeichnungen, denen das Archiv des Militär-Maria-Theresienordens angeschlossen ist.
2. Feldakten mit Material zu den Operationen der kaiserlichen bzw. k. k. Feldarmeen vom 16. Jahrhundert bis 1882 (Alte Feldakten und Armeeakten) sowie zum Weltkrieg 1914–1918 (Armeeoberkommando, Neue Feldakten).
3. Allerhöchster Oberbefehl, Zentral-, Mittel- und Territorialbehörden. Diese Gruppe bündelt das Schriftgut von wichtigen Institutionen in der Umgebung des Kaisers (besonders der Militärkanzlei, der Generaladjutantur und des Generalstabes), der militärischen Zentralstellen (Hofkriegsrat 1557–1848, Kriegsministerium 1848–1918, Ministerium für Landesverteidigung 1868–1918) und einer Reihe anderer Behörden, Anstalten und Territorialkommanden wie zum Beispiel des Invalidenamtes, des Apostolischen Feldvikariats, der obersten Genie- und Artilleriebehörden, der Militärerziehungs- und Bildungsanstalten, der Militärinvalidenhäuser und einzelner General- und Militärkommanden in den Ländern.
4. Kriegsmarine und Luftfahrtruppe (19.-20. Jahrhundert)
5. Sammlungen, worunter insbesondere die Karten- und Plansammlung, die Bildersammlung, die Manuskripte und eine sehr bedeutende Kollektion militärischer Schriftennachlässe zu nennen sind.
Das Kriegsarchiv ist heute ein „historisches Archiv“. Das hier verwahrte Behördenschriftgut endet im Wesentlichen mit dem Zerfall der österreichisch-ungarischen Monarchie am Ende des Ersten Weltkrieges (1918). Die Sammlungen des Kriegsarchivs erhalten dagegen laufend Zuwachs.