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Inhalt
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Kriegsarchiv - Geschichte

  1. Das Hofkriegskanzleiarchiv
  2. Beginn der amtlichen Kriegsgeschichtsschreibung
  3. Gründung des k. k. Kriegsarchivs
  4. Organisation und Forschungstätigkeit
  5. Erster Weltkrieg und Zwischenkriegszeit
  6. Unter dem Hakenkreuz
  7. Das Kriegsarchiv als Abteilung des Österreichischen Staatsarchivs
  8. Literatur

Das Hofkriegskanzleiarchiv

Die Geschichte eines geordneten Militärarchivwesens setzt in der Habsburgermonarchie mit dem Jahre 1711 ein, als Kaiser Joseph I. die Schaffung einer Archivarsstelle beim Hofkriegsrat, der obersten Zentralbehörde für das habsburgische Kriegswesen, anordnete, um „die durch ein und anders saeculum her wegen Länge der Zeit ausser Ordnung und in Vergessenheit kombene, sonsten aber an sich selbsten sehr importirlich und denkhwürdtige Schrifften wiederumb hervorzusuechen und in guete Ordnung bringen zu lassen“. Im Grunde handelte es sich bei diesem „Archivariat“ innerhalb der Hofkriegskanzlei um eine „Alte Registratur“ für den Dienstgebrauch.

Die „Stiftskaserne“ Anfang des 19. Jahrhunderts

Bereits in der 1. Hälfte des 18. Jahrhunderts entwickelte sich dieses hofkriegsrätliche Kanzleiarchiv aber durch Übernahme von nicht beim Hofkriegsrat erwachsenem Schriftgut, darunter auch eingezogene Schriftennachlässe verstorbener Militärpersonen, allmählich zu einer Art militärischem Zentralarchiv. 1776 machte die Verschmelzung der hofkriegsrätlichen Plansammlung mit dem Geniearchiv das Kanzleiarchiv auch in Bezug auf kartographisches Material zu einer zentralen Anlaufstelle.

Beginn der amtlichen Kriegsgeschichtsschreibung

Zusätzlich galt es aber auch, aus Feldzügen der (jüngeren) Vergangenheit Lehren für die Gegenwart und Zukunft zu ziehen. Vor diesem Hintergrund ordnete Kaiser Joseph II. 1779 – nur für interne Zwecke – die aktenmäßige Bearbeitung der Feldzüge seit 1740 an.

Diesen applikatorischen Zugang zur Kriegsgeschichte vertrat auch Erzherzog Karl (1771–1847), als er 1801 die Schaffung einer militärischen Institution beantragte, die einerseits durch den historischen Rückblick, andererseits aber auch durch Sammlung von aktuellen Daten und Fakten zu Ländern und möglichen Kriegsschauplätzen sowie durch kriegswissenschaftliche bzw. kriegstheoretische Studien das intellektuelle Niveau des Offizierskorps und damit auch die Schlagkraft der k. k. Armee heben sollte.

Gründung des k. k. Kriegsarchivs

Erzherzog Karl (1771–1847), Gründer des Kriegsarchivs

Mit allerhöchster Entschließung vom 23. März 1801 trat das k. k. Kriegsarchiv ins Leben, das in dienstlicher Unterstellung unter den General(quartiermeister)stab seinem Gründungsauftrag entsprechend Akten- und Kartenmaterial zu sammeln, aber auch wissenschaftlich-publizistisch auszuwerten hatte. Seit 1808 gab das Kriegsarchiv die „Österreichische Militärische Zeitschrift“ heraus. Im selben Jahr wurde die umfangreiche Büchersammlung des Kriegsarchivs als selbständige Abteilung konstituiert, die ab 1811 den Titel „Kriegsbibliothek“ führte.

Das alte Kanzleiarchiv beim Hofkriegsrat verlor den Großteil seines auf die eigentlichen Kriegsoperationen bezüglichen Schriftgutes an das neue Kriegsarchiv und ging 1846 in der Registratur des Hofkriegsrates auf.

Organisation und Forschungstätigkeit

Das k. k. (seit 1889 k. u. k.) Kriegsarchiv bestand zunächst aus einer Schriftenabteilung (dem eigentlichen Archiv), einem Karten-Archiv (längere Zeit das Zentrum der österreichischen Kartographie überhaupt), der Bibliothek und einer Abteilung für kriegsgeschichtliche Arbeiten, die von 1818–1876 ein institutionelles Eigenleben (Generalstabsbüro für Kriegsgeschichte) führte und seit Mitte des 19. Jahrhunderts wissenschaftlich erfolgreiche „Generalstabswerke“ zur jüngeren österreichischen Kriegsgeschichte publizierte.

1876–1919 war die kriegsgeschichtliche Forschung wieder Aufgabe einer eigenen Abteilung innerhalb des Kriegsarchivs. Ab 1876 erschienen neben „Generalstabswerken“ zur älteren Kriegsgeschichte der Habsburgermonarchie eigene „Mitteilungen des k. (u.) k. Kriegsarchivs“.

Nicht zuletzt im Sinne der dem Kriegsarchiv übertragenen Kriegsgeschichtsschreibung wurde auch die Sammel- und Einziehungstätigkeit weiter intensiviert. Bis Ende des 19. Jahrhunderts hatte das Kriegsarchiv den Großteil des bis dahin noch andernorts verwahrten militärischen Schriftguts an sich gezogen, darunter auch das ältere Material aus der Registratur des Kriegsministeriums.

Erster Weltkrieg und Zwischenkriegszeit

K. u. k. Generalität (II. Armeekommando) am Kartentisch während des 1. Weltkrieges

Im Ersten Weltkrieg wuchsen dem Kriegsarchiv mit der Übernahme von Massenschriftgut von der Front, aber auch in Gestalt groß angelegter Presse- und Propagandaarbeit neue Aufgaben zu, wofür der Personalstand des Archivs wesentlich erhöht werden musste.

Das Jahr 1918 markiert nicht nur das Ende der Habsburgermonarchie und der alten Armee. Auch das Kriegsarchiv wurde nach dem Zusammenbruch von einer Heeresanstalt zu einer zivilen Institution, der nach dem Zerfall der Monarchie massenhaft neues Aktenmaterial aufgelöster Dienststellen und bisher eigenständiger Archive zufiel (unter anderem das Militärgerichtsarchiv und das Marinearchiv). 1930–1938 konnte das Kriegsarchiv noch das letzte „Generalstabswerk“ alten Zuschnitts herausbringen: „Österreich-Ungarns letzter Krieg“ (1914–1918).

Unter dem Hakenkreuz

1938–1945 war das Kriegsarchiv als Heeresarchiv Wien Teil der deutschen Heeresarchivorganisation unter dem Oberkommando des Heeres. Die Tendenz zur Zentralisierung möglichst des gesamten militärisch relevanten Schriftgutes setzte sich in der NS-Zeit fort, ja wurde noch verstärkt. Unter anderem kam so auch das mit dem „Anschluß“ archivwürdig gewordene Material zur Geschichte des 1. Österreichischen Bundesheeres in das Wiener Heeresarchiv. 1945 wurde das Kriegsarchiv zu einer Abteilung des neu geschaffenen Österreichischen Staatsarchivs.

Das Kriegsarchiv als Abteilung des Österreichischen Staatsarchivs

Karte von Budapest (Josephinische Landesaufnahme 1782–1784)

Auch das Kriegsarchiv hatte, vor allem bei den Auslagerungen seiner Bestände im Zeichen des Bombenkrieges, beträchtliche Verluste hinnehmen müssen. Dem standen reiche Zuwächse vor allem an Personalunterlagen gegenüber, darunter die erst 1984 in das Archiv gelangten Militärmatrikeln.

Speziell die Übernahme der österreichische Staatsbürger betreffenden Personalunterlagen der Deutschen Wehrmacht brachte ab den späten fünfziger Jahren die Verpflichtung zur Ausstellung von Dienstzeitbestätigungen für die Sozialverwaltung.

Umstrukturierungen innerhalb des Österreichischen Staatsarchivs hatten auch für das Kriegsarchiv einschneidende Folgen: 1984–1987 wurde das militärische Schriftgut der 1. und 2. Republik sowie der NS-Zeit an das neu entstandene Archiv der Republik abgetreten. 1984 ging die quantitativ wie qualitativ überaus bedeutende Bibliothek des Kriegsarchivs in der neugeschaffenen Bibliothek des Österreichischen Staatsarchivs auf.

1991–1993 schließlich übersiedelte das seit 1905 in der Stiftkaserne im 7. Wiener Gemeindebezirk untergebrachte Kriegsarchiv in das Zentralarchivgebäude in Wien III.

Literatur

  • Inventar des Kriegsarchivs Wien 2 Bde. in 1. Wien 1953 (Inventare österreichischer Archive 8)
  • Allmayer-Beck, Johann Christoph: Die Militärgeschichtsschreibung in Österreich von ihren Anfängen bis zum Jahre 1918. In: Militärgeschichte in Deutschland und Österreich vom 18. Jahrhundert bis in die Gegenwart. Herford/Bonn 1985 (Vorträge zur Militärgeschichte 6), S. 70-86
  • Bancalari, Gustav: Quellen der oesterreichischen Kriegs- und Organisations-Geschichte. Wien 1872 (Beiträge zur Geschichte des österreichischen Heerwesens 2)
  • Benard, Anne-Gaëlle: Guide des Archives Nationales Autrichiennes à l’usage du lecteur francophone. Wien 1995 (Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs/Inventare 1), S. 87-115
  • Broucek, Peter: Militärgeschichte in Österreich von 1918 bis 1938/45. In: Militärgeschichte in Deutschland und Österreich vom 18. Jahrhundert bis in die Gegenwart. Herford/Bonn 1985 (Vorträge zur Militärgeschichte 6), S. 87-107
  • Broucek, Peter: A bécsi Hadilevéltár és a magyar történelemmel kapcsolatos forrásai. In: Hadtörténelmi Közlemények 1990/1, S. 145-171
  • Broucek, Peter/Peball, Kurt: Geschichte der österreichischen Militärhistoriographie. Köln/Weimar/Wien 2000
  • Das k. k. Kriegsarchiv. Geschichte und Monographie. Wien 1878 (2. Auflage Wien 1900)
  • Egger, Rainer: Das Kriegsarchiv und seine genealogischen Quellen. In: Scrinium 5 (1971), S. 1-56
  • Egger, Rainer: Das Kriegsarchiv Wien. In: Militärgeschichtliche Mitteilungen 1970/1, S. 113-120, 1970/2, S. 167-175, 1971/1, S. 173-181, 1972/1, S. 127-135
  • Egger, Rainer: Das Kriegsarchiv. In: Schatzhäuser Österreichs. Das Österreichische Staatsarchiv. Wien 1996, S. 51-57
  • Egger, Rainer: The Kriegsarchiv. In: Austrian History Yearbook 6/7 (1970/71), S. 39-66
  • Hochedlinger, Michael: „Bella gerant alii ...?“ On the State of Early Modern Military History in Austria. In: Austrian History Yearbook 30 (1999), S. 237-277
  • Hochedlinger, Michael: Kriegsgeschichte-Heereskunde-Militärgeschichte? Zur Krise militärhistorischer Forschung in Österreich. In: Zeitschrift für Heereskunde 63 (1999), S. 41-45
  • Hochedlinger, Michael: "Der schlafende Riese". Das Österreichische Staatsarchiv, Abteilung Kriegsarchiv. In: Militär und Gesellschaft in der Frühen Neuzeit 9 (2005), S. 165-186
  • Hochedlinger, Michael: Quellen zum kaiserlichen bzw. k. k. Kriegswesen. In: Quellenkunde der Habsburgermonarchie (16.-18. Jahrhundert). Ein exemplarisches Handbuch, hrsg. von Josef Pauser, Martin Scheutz und Thomas Winkelbauer. Wien-München 2004 (Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung 44), S. 162-181
  • Hochedlinger, Michael: Doppeladler oder Hakenkreuz? Das "Heeresarchiv Wien" 1938-1945. In: Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 54 (2010) = Archive unter dem Hakenkreuz, S. 221-284
  • Hochedlinger, Michael: Kleine Quellenkunde zur österreichischen Militärgeschichte 1800-1914. In: Laurence Cole et al. (Hrsg.), Glanz - Gewalt - Gehorsam. Militär und Gesellschaft in der Habsburgermonarchie 1800-1918. Essen 2011, S. 387-410
  • Peball, Kurt: Literarische Publikationen des Kriegsarchivs im Weltkrieg 1914–1918. In: Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 14 (1961), S. 240-260
  • Prieschl, Martin: Das schriftliche Erbe von Habsburgs Armeen. Das Kriegsarchiv in Wien. In: ÖMZ 2/2008, S. 198-201
  • Prieschl, Martin: Das Kriegsarchiv und seine Geschichte. Das Andenken an die Alte Armee. Teil I: 1556-1801. In: Zeitschrift für Heereskunde Nr. 426 (Oktober/Dezember 2007), S. 205-213
  • Quellen zur Militärgeschichte. 200 Jahre Kriegsarchiv. Innsbruck etc. 2001 (Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 49)
  • Rauchensteiner, Manfried: Die Militärgeschichtsschreibung in Österreich nach 1945. In: Militärgeschichte in Deutschland und Österreich vom 18. Jahrhundert bis in die Gegenwart. Herford/Bonn 1985 (Vorträge zur Militärgeschichte 6), S. 134-161
  • Regele, Oskar: Die Geschichtsschreibung im Wiener Kriegsarchiv von 1779 bis zum Ende des ersten Weltkrieges. In: Festschrift zur Feier des zweihundertjährigen Bestandes des Haus-, Hof- und Staatsarchivs. Wien 1949, Bd. 1, S. 732-743
  • Rill, Robert: La documentazione del Kriegsarchiv. In: Annali dell'Istituto storico italo-germanico in Trento 32 (2006), S. 495-509
  • Stahl, Friedrich Christian: Die Organisation des Heeresarchivwesens in Deutschland 1936–1945. In: Aus der Arbeit des Bundesarchivs. Beiträge zum Archivwesen, zur Quellenkunde und Zeitgeschichte, hrsg. von Heinz Boberach/Hans Booms. Boppard/Rhein 1977 (Schriften des Bundesarchivs 25), S. 69-101
  • Tepperberg, Christoph: The Austrian War Archives in Vienna (Kriegsarchiv Wien) and its Records Pertaining to Personnel. In: East European Genealogical Society 8 (2000), S. 9-24
  • Unter Österreichs Fahnen. Militärhistorische Kostbarkeiten aus sechs Jahrhunderten. Katalog zur Ausstellung „200 Jahre Kriegsarchiv“ vom 18. Oktober 2001 bis 28. Februar 2002. Wien 2001
  • Wagner, Walter: Quellen zur Geschichte der Militärgrenze im Kriegsarchiv Wien. In: Die Militärgrenze. Wien 1973 (Schriften des Heeresgeschichtlichen Museums 6), S. 261-290 [trotz des einschränkenden Titels ein wichtiger Wegweiser für die praktische Benützung vieler Bestände des Kriegsarchivs]
  • Wolf, G.: Geschichte der k. k. Archive in Wien. Wien 1871, S. 160-178
  • Zitterhofer, Karl: Die literarische Tätigkeit des Kriegsarchivs 1784–1909. In: Österreichische Militärische Zeitschrift 1909/2, S. 1717-1726

Eine Kurzvorstellung des Kriegsarchivs und seiner Bestände in englischer Sprache findet sich auch unter www.military-archives.org.

Ansicht von Wien, Daniel Suttinger 1683

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