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01.01.2007
Archivale des Monats (Februar 2007)

Vor dem Hintergrund der aktuellen Diskussionen um Daniel Levys Film „Mein Führer“ präsentiert das Österreichische Staatsarchiv eine zeichnerische Auseinandersetzung mit Adolf Hitler. Diese ist insofern von besonderer Bedeutung, als deren Urheber Otto Pohl (1872-1941) in der Außenpolitik der Ersten Republik keine unwesentliche Rolle gespielt hat.

Das Österreichische Staatsarchiv-Abteilung Haus-, Hof- und Staatsarchiv erwarb im Jahr 1980 den kleinen Nachlass Otto Pohls aus privater Hand. Der Nachlass enthält neben einer Fotografie von Pohl noch vier Originalstiche von Pohls Schwiegersohn Johannes Wüsten. Diese Stiche stellen Illustrationen Wüstens zu einem Roman von Theodor Storm dar. Johannes Wüsten war Pohls Schwiegersohn. Wüsten war expressionistischer Künstler und Schriftsteller, der sich, von der Malerei kommend, immer mehr der alten Technik des Stahlstiches widmete. Wie sein Schwiegervater war Wüsten Gegner des Nazi-Regimes. Er emigrierte bereits 1934 aus Deutschland. 1940 wird er in Frankreich von der Gestapo verhaftet und in einem Prozess vor dem „Volksgerichtshof“ 1942 zu 15 Jahren Zuchthaus verurteilt. Er stirbt 1943 im Zuchthaus Brandenburg-Gölsen.

Der dritte Teil des Nachlasses umfasst den Comic.

Otto Pohl wurde am 28. März 1872 in Prag geboren. Nach der Absolvierung des Gymnasiums in Prag studierte er Rechtswissenschaften an der Prager Universität. Von 1898 bis 1918 war er Redakteur der „Arbeiter-Zeitung“ in Wien. 1917 nahm Pohl an der Seite von Viktor Adler, Karl Renner, Ludo Moritz Hartmann, Wilhelm Ellenbogen und Anton Hueber an der vom Internationalen Sozialistischen Bureau organisierten Stockholmer Friedenskonferenz von 1917 teil.

Portrait Otto Pohl

1919 war Pohl Mitglied der österreichischen Friedensdelegation in St. Germain, von 1920-1922 wirkte er als Chef der österreichischen Kriegsgefangenenmission für Russland. Im Dezember 1921 wurde Pohl zum bevollmächtigten Vertreter Österreichs in Moskau ernannt. Diesen Posten hat er bis zu seiner Versetzung in den Ruhestand im Jahr 1927 inne.

Danach widmete sich Pohl wieder seiner journalistischen Laufbahn, ab 1929 fungierte er als Leiter der „Moskauer Rundschau“. Diese Tätigkeit brachte ihm 1934 ein Disziplinarverfahren wegen kritischer Artikel ein. 1937 emigrierte er nach Paris. Nach dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht flüchtete Pohl 1940 nach Südfrankreich und beging hier zusammen mit seiner zweiten Frau Grete Schwarz 1941 Selbstmord.

Neben seiner politischen und journalistischen Tätigkeit besaß Pohl auch ein hohes zeichnerisches Talent. So illustrierte er mehrere Kinderbücher und machte sich auch einen Namen als Zeichner von Comics.

Der hier vorgestellte Bilderzyklus umfasst 20 Blätter. Er beginnt mit einem Blatt aus Hitlers Kindheit und nimmt Bezug auf den Beruf seines Vaters als Zöllner. Bereits bei Blatt 2 nimmt Pohl Bezug auf die gescheiterte Aufnahme Hitlers an der Wiener Akademie. Weitere Blätter gehen auf Hitlers Tätigkeit als Postkartenmaler und beginnenden Judenhass ein. Blatt 7 zeigt Hitler als Soldat im 1. Weltkrieg, der seine Kameraden verrät. Die Blätter 8 und 9 nehmen Bezug auf den gescheiterten Hitler-Ludendorff-Putsch im Jahr 1923.

Ab Blatt 11 ist der Leser bereits mitten in der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft, wobei Blatt 13 Hitler mit einem Stift vor einer Landkarte seiner Eroberungen zeigt, umgeben von Bildern, die Napoleon Bonaparte, Julius Caesar und Dschingis Khan zeigen. Am Sofa erkennt man das Buch „Mythos des 20. Jahrhunderts“ von Alfred Rosenberg.

Blatt 14 berichtet vom „Anschluss“ Österreichs an das Deutsche Reich und zeigt Hitler den Stephansdom in der Hand haltend. Blatt 15 zeigt Hitler bei der Einverleibung der Tschechoslowakei, wobei das Land die Form eines Prager Schinkens hat. Auf dem nächsten Blatt ist dann bereits der polnische Adler an der Reihe. Blatt 17 nimmt sodann die berühmte Szene aus Charlie Chaplins „Der große Diktator“ vorweg, in der Chaplin als Diktator Adenoid Hynkel mit der Weltkugel spielt. Otto Pohls gezeichneter Hitler versetzt einen Globus mit den Füssen in Schwingungen und textet dazu: „Nun tobt er, vor dem Munde Schaum, die ganze Welt wird Nazi-Raum“.

Pohl lässt seinen Bilderreigen schließlich mit folgenden Worten auf Blatt 19 enden: „Schluss mit der Frechheit, der totalen. Jetzt ruft die Menschheit: Adolf! Zahlen!“.

Thomas Just

Titelblatt
Nr. 1

Der Vater schon, vom k.k. Zoll sprach: Adolf tut nicht wie er soll

Nr. 2

Die Lehrer der Akademie bezweifeln stark sein Malgenie

Nr. 3

"Die Bonzen taten mich in Bann" spricht Adolf "Doch ich streich euch an."

Nr. 4

Die Werkkollegen - er segts selber - erklären: Adolf ist ein Gelber

Nr. 5

In Ansichtskarten treibt Kommerz er mit dem Partner Moses Herz.

Nr. 6

Die Juden hat er nie gemocht - derweil die Schwester koscher kocht

Nr. 7

Des Weltkriegs schlichter Frontsoldat verpfeift so manchen Kamerad

Nr. 8

Im Bräuhaus schiesst der kühne Recke mit der Pistol - hier auf die Decke

Nr. 9

Doch ist beim Zug zur Feldherrnhalle sein Löwenmut so ziemlich alle.

Nr. 10

Indes erweist sich gnädigen Sinnes die Sippe Schröder, Krupp und Stinnes.

Nr. 11

Der Reichstag brennt - die langen Messer - doch Adolf sagt: Es kommt noch besser.

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Nr. 12

Man streitet, man köpft - selbst den Frigiden - vom B.d.M. ist Lust beschieden.

Nr. 13

Doch Deutschland wird für ihn zu klein. Sein Schlachthaus muss noch größer sein.

Nr. 14

Die Reichsmark muss man vorerst drucken - die Ostmark kann man einfach schlucken.

Nr. 15

Und mit vergnügtwm Augenzwinken verspeist er dann den Prager Schinken.

Nr. 16

Gerne spricht er keck und unverhohlen: Jetzt fehlt mir noch ein bisschen Polen.

Nr. 17

Nun tobt er, vor dem Munde Schaum. Die ganze Welt wird Nazi-Raum.

Nr. 18

Die Mörderhand ist schon gezückt - Oh weh! - Die wird ihm eingezwickt.

Ende des Comic

Schluss mit der Frechheit. Der totalen. Jetzt ruft die Menschheit: Adolf! Zahlen!

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