Aus Anlass der 2004 erfolgten Erweiterung der Europäischen Union durch zehn Beitrittskandidaten (Estland, Lettland, Litauen, Malta, Polen, Slowakei, Slowenien, Tschechische Republik, Ungarn, Zypern) wurde im Österreichischen Staatsarchiv die Idee geboren, die Beziehungen Österreichs zu den neuen Mitgliedsländern durch eine Serie von Ausstellungen zu dokumentieren und auf diese Weise das zwischen den Menschen Europas bestehende Netz vielfältiger Beziehungen aufzuzeigen. In Verwirklichung dieser Konzeption konnten auf der Basis bilateraler Zusammenarbeit Ausstellungen über Aspekte der Beziehungen Österreichs zu Polen, Slowenien, zur Tschechischen Republik, zu Ungarn, aber auch zu den baltischen Staaten im Österreichischen Staatsarchiv und teilweise auch in den Partnerländern gezeigt werden. Der Inselstaat Malta ist den Österreichern wohl in erster Linie als Ferienziel ein Begriff. Wer Malta besucht, wird aber auf Schritt und Tritt Spuren einer reichen gemeinsamen Vergangenheit entdecken, die sich aus der zweieinhalb Jahrhunderte währenden Präsenz des Johanniterordens erklären, der eben auf Grund dieser Präsenz heute als Malteserorden bekannt ist.
Die sich über das ganze Gebiet der lateinischen Christenheit und damit einen Großteil Europas erstreckenden Niederlassungen des Ordens haben zu permanenten Kontakten mit der Ordenszentrale geführt. Der Ordensstaat auf Malta hat das Bild der Insel bis zum heutigen Tag vielfach geprägt, seine Kontakte zumübrigen Europa haben bis heute ihre Spuren hinterlassen. Auch als der Orden infolge der französischen Besetzung im Zuge der Revolutionskriege die Insel verlassen musste, blieb Malta ein Umschlagplatz und Beobachtungsposten von internationalem Interesse für den gesamten Mittelmeerraum. Sein Hafen und die damit verbundene Infrastruktur bilden bis heute neben dem Fremdenverkehr das Rückgrat der maltesischen Wirtschaft.
Die Ausstellung will den Beziehungen Österreichs zu Malta und zum Malteserorden nachgehen. Den Ideen seiner Gründung nach war der Johanniterorden ein Hospitalorden, der sich der Betreuung der Kranken verschrieben hatte. Im Heiligen Land entwickelte er sich zum Ritterorden, und diese beiden Aktivitäten, die militärische und die humanitäre bildeten bis zum Ende des 18. Jahrhunderts die Grundlage seiner Daseinsberechtigung. Auf den ersten Blick und vordergründig betrachtet ist die Zeit des Ordensstaates auf Malta vor allem durch die Konfrontation mit dem Islam gekennzeichnet. Malta war ein Außenposten Europas im Kampf gegen das Osmanische Reich und hinsichtlich der Qualität seiner Marine ein Zentrum europäischer Seekriegsführung. Aber auch in dieser Zeit blieb der Orden stets seinen Traditionen in der Krankenpflege verpflichtet. Das Große Hospital auf Malta behandelte gleichermaßen Moslems wie Christen und stellte auf Grund seiner medizinischen Qualifikation ein Vorbild für das Spitalswesen Europas dar.
Nach dem Verlust der Insel wurde der Orden wieder ausschließlich ein Hospitalorden, dem aber nicht zuletzt durch die Unterstützung Österreichs der Charakter der Souveränität als Völkerrechtssubjekt und in Österreich wie auch anderswo der Ordensbesitz verblieben ist. Von dieser Basis aus hat der Orden seit dem 19. Jahrhundert ein eindrucksvolles Netzwerk humanitärer Aktionen aufgebaut, das bis heute seinen Teil zur Linderung globaler Not beiträgt. Für das Großpriorat Österreich des Ordens sei hier etwa auf die Einsätze im Ersten Weltkrieg oder bei der Ungarn- und Tschechenkrise hingewiesen.
Für die Beziehungen zu Malta fand Österreich auch nach dem Abzug der Malteser Anknüpfungspunkte zu deren Fortsetzung, die die britische Kolonialzeit überdauerten und schließlich in die Beziehungen zum neuen Mitglied der Europäischen Union mündeten. Einer dieser Anknüpfungspunkte war die durch die Insellage und seine Häfen begünstigte Position Maltas als Flottenstützpunkt, der zu wiederholten Flottenbesuchen der österreichischen bzw. österreichisch-ungarischen Kriegsmarine führte. Malta war aber auch ein wichtiger politischer und militärischer Beobachtungsposten, von dem aus Entwicklungen wie die Einigung Italiens, die Probleme der islamischen Staaten Nordafrikas oder die Flottenbewegungen europäischer Mächte im Mittelmeer aus nächster Nähe verfolgt werden konnten.
In den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg haben diese Kontakte für Österreich vorübergehend an Bedeutung verloren, um dann nach dem Zweiten Weltkrieg wieder allmählich an Intensität zuzunehmen. Die teilweise übereinstimmende Beurteilung der politischen Lage im Nahen Osten hat dabei - etwa in den Beziehungen zwischen Bruno Kreisky und Dom Mintoff – sicher auch eine Rolle gespielt. Heute ist Malta ein beliebtes Urlaubsziel der Österreicher, das landschaftliche Schönheit mit kultureller Attraktivität verbindet. Auch der Malteserorden ist auf die Insel zurückgekehrt, nachdem die Republik Malta das Fort Sant’Angelo dem Orden als Sitz einer internationalen Akademie für Veranstaltungen zur Verfügung gestellt hat. So schließt sich nach mehr als viereinhalb Jahrhunderten der Kreislauf des historischen Wandels.
OrtHaus-, Hof- und StaatsarchivMinoritenplatz 11010 Wien
Zeit18. Juni – 12. Oktober 2007Montag - Donnerstag 9:00-16:00 UhrFreitag 9:00-15:00 UhrFeiertags geschlossen
Führungen nach Vereinbarung unterTel.: +43-1-53115-2516
Katalog
Malta - Vom Ordensstaat zur Europäischen UnionWien 2007126 Seiten (mit zahlreichen Abbildungen)€ 10.-erhältlich unter:Tel.: +43-1-79540-115E-Mail: stabpost@oesta.gv.at
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