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07.05.2007
Archivale des Monats (Juli 2007)

Das Fragment des vorliegenden Aktes der Polizeihofstelle (Zl. 6074/1847) betrifft Herkules Viscotini, welcher für die Verleihung einer Auszeichnung vorgesehen war. Der Akt beinhaltet einige Stellungnahmen und den gesamten Aktenvorgang.

Justizpalast-Brandakten

Dieser sowie sämtliche weitere Akten der Polizeihofstelle, der Hofkanzlei, des Ministerium des Innern (bis 1900), des Justizministerium (bis 1900), der Gendarmerie, des Ministerratspräsidiums (bis 1900) sowie andere Kleinbestände waren 1927 als Teil des Staatsarchiv des Innern und der Justiz im Justipalast deponiert und erlitten dort erhebliche Verluste am 15. Juli 1927:

Die Ereignisse dieses Tages begannen als Proteste gegen das so genannte Schattendorfer Urteil und endeten mit Schüssen in die Menge, welche 89 Todesopfer unter den Demonstranten forderten.
Der Tag begann mit der Abschaltung des Stroms der Wiener Straßenbahn, sodass der öffentliche Verkehr in Wien lahm gelegt war. Damit wurde ein Proteststreik ausgelöst. Die erste Marschkolonne, die den Ring erreichte, war die der E-Werke, versuchte vergebens, das Universitätsgebäude zu stürmen. Nach und nach füllte sich der Ring. Angriffe galten dem Polizeiwachzimmer in der Lichtenfelsgasse nahe dem Rathaus, ein weiterer verwüstete die Redaktion der „Wiener Neuesten Nachrichten“, welche nicht im Sinne der Demonstranten über das Urteil berichtet hatte. Als die Menge den Kordon von Sicherheitskräften vor dem Parlamentsgebäude mit Steinwürfen attackierte, drängte berittene Polizei die Menge in die Parkanlage gegen den Justizpalast ab. Der Platz vor dem Haupteingang des Justizpalasts lag frei. Bald stand er als Symbol der als parteiisch empfundenen Justiz im Zentrum der Aufmerksamkeit der heranrückenden Kolonnen - obwohl dort neben den Archivalien in erster Linie die Zivilgerichtsbarkeit angesiedelt war.
Einige Schutzbündler versuchten sich als Ordner zu betätigen und auf die Menge mäßigend einzuwirken, hatten jedoch wenig Erfolg. Ab 12 Uhr hatten die ersten Protestierenden die Fensterscheiben im Erdgeschoß eingeschlagen und waren in das Gebäude eingestiegen, wo sie begannen, das Mobiliar und die vorhandenen Akten zu zerstören. Theodor Körner, später Bundespräsident, versuchte, die Menge durch eine Ansprache zu beruhigen, scheiterte. Währenddessen legte ein unerkannt gebliebener Eindringling im Gebäude Feuer.
Polizeipräsident war der ehemalige (und spätere) Bundeskanzler Johann Schober. Schober stellte an den Wiener Bürgermeister Karl Seitz das Ansuchen, das Bundesheer gegen die Unruhen einzusetzen, da die damalige Polizei für derartige Aufgaben nicht gut gerüstet war. Seitz verweigerte diesen Einsatz. Daher forderte Schober Gewehre aus Heeresbeständen an, mit welchen er die Polizei ausrüstete. Hierbei kündigte er an, bei weiterer Behinderung der Feuerwehr - welcher der Zugang vor das Gebäude verwehrt und deren Schläuche durchschnitten wurden - den Platz mit Waffengewalt räumen zu lassen. Versuche Seitz' und Julius Deutschs, durch ihren persönlichen Einsatz die Menge zum Abzug zu bewegen, hatten ebenso wenig Erfolg wie der Einsatz Körners.
Dann fielen die ersten Schüsse, zunächst in die Luft, sodann in die Menge, welche gegen die Vorstädte zurückzuweichen begann. Der Tag endete mit 89 toten Demonstranten, vier toten Sicherheitswachbeamten und einem toten Kriminalbeamten. 120 Polizisten erlitten schwere, 480 leichte Verletzungen, während 548 Zivilisten verwundet wurden. Das völlig vergiftete politische Klima war nach allgemeiner Ansicht ein erster Schritt in den Bürgerkrieg Mitte der 30er Jahre.
Auf dem Wiener Zentralfriedhof befindet sich eine Gedenkstätte für die Opfer des 15. und 16. Juli 1927.
Heimito von Doderer verarbeitete die Ereignisse der Julirevolte in seinem Roman „Die Dämonen“.

Roman-Hans Gröger

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