Nach seinem kriegsentscheidenden Sieg über die Türken in der Schlacht bei Zenta an der Theiß (11. September 1697) beschloß der Oberbefehlshaber der kaiserlichen Ungarn-Armee, Prinz Eugen von Savoyen, anstatt Winterquartiere zu beziehen, das erfolgreiche Feldzugsjahr noch mit einem Einfall nach Bosnien zu „krönen“.
An eine dauerhafte Besetzung der türkischen Provinz war dabei nicht gedacht; es ging einzig darum, in den Reihen des Feindes Panik zu verbreiten und zu demonstrieren, wie verwundbar das Osmanische Reich mittlerweile durch die wiederholten Siege der kaiserlichen Waffen geworden war.
Noch vor Mitte Oktober 1697 brach Eugen mit 4.000 Mann Kavallerie, 2.500 Mann Infanterie, zahlreicher Grenzmiliz und 14 Geschützen von Brod an der Save auf und zog – weitgehend unbehelligt – das Bosna-Tal entlang nach Süden. Am 23. Oktober 1697 erreichte das kaiserliche Expeditionskorps das von den Türken bereits geräumte Sarajevo.
Bei der Plünderung der Stadt brach Feuer aus, das schließlich ganz Sarajevo mit seinen 120 Moscheen einäscherte. Am 25. Oktober 1697 traten die Kaiserlichen den Rückmarsch an. Zahlreiche Christen der Region folgten den habsburgischen Truppen nach Norden. In den ersten Novembertagen erreichte Eugen ohne größere Feindberührung und bei nur minimalen Verlusten wieder seine Ausgangsstellung an der Save.
Über seinen Vorstoß nach Bosnien führte Prinz Eugen eigenhändig ein detailliertes Feldzugsjournal in französischer Sprache.
Kriegsarchiv, Alte Feldakten 1697-XIII-1 (16 Blatt): „Journal de la marche en Bosnie“Transkription in: K.k. Kriegsarchiv (Hrsg.), Feldzüge des Prinzen Eugen von Savoyen I/2, Wien 1876, S. 85-97, deutsche Übersetzung Österreichisch-militärische Zeitschrift 1 (1808), S. 325-345.
Michael Hochedlinger
Zurück zur Übersicht