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28.11.2007
Projekt-Cluster – Jüdisches Heiliges Römisches Reich

Festumzug der Frankfurter Juden

3. Arbeitsgespräch

9./10. Dezember 2007

im

Haus-, Hof- und Staatsarchiv
Minoritenplatz 1
1010 Wien

und im

Jüdischen Museum Wien
Dorotheergasse 11
1010 Wien

Unter der Überschrift „Imperiales Angebot und jüdische Nachfrage“ behandelt das dritte Arbeitsgespräch des Projekt-Clusters „Jüdisches Heiliges Römisches Reich“ (JHRR) schwerpunktmäßig die Beziehungen zwischen dem Kaiser sowie dem Reichshofrat auf der einen Seite, letzterer in seiner Doppelfunktion als eines der beiden obersten Reichsgerichte und als kaiserliche Beratungs-, Regierungs- und Verwaltungsinstitution, und auf der anderen Seite der jüdischen Bevölkerung des Römisch-Deutschen Reichs. Vorgestellt werden die laufenden Projekte zur Erschließung der archivalischen Überlieferung des Reichshofrats sowie exemplarische Fallstudien zu Schnittstellen imperialer Herrschaftspraxis und jüdischer Lebenswelt. Neben dem Schwerpunktthema greift der Workshop das Thema „Kaiser und Reich in der jüdischen Lokalgeschichte“ erneut auf und stellt zwei neue Themenkomplexe zur Diskussion: „Jüdische Geschichte als Sakralgeschichte. Austausch und Konfrontation“ sowie „Die jüdische Geschichte des Heiligen Römischen Reichs, Polen-Litauens und der Habsburgermonarchie im Vergleich“.

Das Projekt-Cluster JHRR geht aus der mehrjährigen Kooperation zwischen dem Lehrstuhl für Judaistik/Religionswissenschaften an der Universität Erfurt, dem Max-Planck-Institut für europäische Rechtsgeschichte in Frankfurt am Main und dem Simon-Dubnow-Institut für jüdische Geschichte und Kultur an der Universität Leipzig zur Erforschung der jüdischen Geschichte des Römisch-Deutschen Reichs hervor und versteht sich als lockerer Verbund von Einzelprojekten. Der Diskussion dienen die dreimal jährlich, vornehmlich in Frankfurt und Wien veranstalteten Arbeitstreffen. Die jüdische Geschichte des Alten Reichs stellt die Forschung vor mindestens ebenso große Rätsel wie die Geschichte des Reichs selbst. Ziel des Projekt-Clusters JHRR ist eine integrierte Neuinterpretation. Die Herausforderung liegt in der Beantwortung der Frage, ob die Geschichte der Juden im Römisch-Deutschen Reich mehr darstellt als die bloße Summe letztlich nicht miteinander verbundener Teilgeschichten. Dabei geht das Projekt-Cluster JHRR von der Annahme aus, dass die jüdischen Lebenswelten im Römisch-Deutschen Reich nur als Teil dieser politisch, sprachlich, sozial und religiös hochgradig heterogenen, imperial überwölbten Herrschafts-, Rechts- und Gesellschaftsordnung verstanden werden kann.

Bei dem Versuch, die Juden als Individuen und als Gruppe in diesem strukturell vielschichtigen Gemeinwesen zu verorten, werden jüdische Handlungsspielräume als Zwischenräume zwischen den verschiedenen Ebenen der Herrschaft und des Rechts begriffen. Der Fokus der Forschung liegt auf zwei ineinander greifenden Konstellationen: Schwerpunkt sind zum einen die Beziehungen zwischen jüdischem Binnenraum und nicht-jüdischer Umwelt, zum anderen das Spannungsverhältnis zwischen Landesherrschaft und den imperialen, durch Kaiser und Reich bestimmten Rahmenbedingungen jüdischer Existenz.

Ansatzpunkt für das Ausloten jüdischer Handlungsräume sind die Rechtsverhältnisse der Juden. Wenn danach gefragt wird, vor welchen Foren Juden welche Prozesse führten, auf welcher Rechtsgrundlage diese Foren ihre Entscheidungen fällten und welche Rechtsquellen die für Juden maßgeblichen Normen hervorbrachten, wird deutlich, dass die Parameter jüdischer Handlungsspielräume nicht unilateral durch den Kaiser, die Landesherrschaften oder das jüdische Religionsrecht bestimmt wurden, sondern sich relationell aus den zwischen diesen Ebenen der Herrschaft und des Rechts bestehenden Spannungsverhältnissen ergaben.

Programm

Sonntag, den 9. Dezember
10.00 – 18. 30 Uhr
Jüdisches Museum Wien

Begrüßung

Dr. Felicitas Heimann-Jelinek, Jüdisches Museum Wien
Prof. Dr. DDr. h. c. Werner Ogris, Kommission für Rechtsgeschichte Österreichs der Österreichischen Akademie der Wissenschaften
Hofrat Prof. Dr. Leopold Auer, Haus-, Hof- und Staatsarchiv

Einführung:
Andreas Gotzmann, Erfurt

Sektion I: Imperiales Angebot und jüdische Nachfrage – Projektvorstellungen

10.30- 12.00 Uhr

Die Erschließung der Akten des kaiserlichen Reichshofrats –
Eva Ortlieb, Göttingen/Wien

Die Formierung des Reichshofrats (Karl V., Ferdinand I.) –
Daniela Beyer, Wien

Die Erschließung der jüdischen Betreffe des Reichshofrats –
Stefan Ehrenpreis, Berlin, und Stephan Wendehorst, Wien

Die Überlieferung des fränkischen Kreises als Quelle zur jüdischen
Geschichte Frankens. Möglichkeiten und Grenzen
Gerhard Rechter, Nürnberg

Führung durch das Jüdische Museum Wien

13.00 – 16.00 Uhr

Sektion II: Jüdische Geschichte als Sakralgeschichte. Austausch und Konfrontation

Die Vertreibung der Kitzinger Juden 1763. Ein Konflikt um Konversion und Zwangstaufen im Hochstift Würzburg
Jesko Graf zu Dohna, Castell

Der Eintrag für Karl VI. in das Memorbuch der Wiener Gemeinde
Felicitas Jellinek, Chicago/Wien

Das christliche Gebet für den Kaiser – das jüdische Gebet für den Kaiser
Matthias Kloft, Frankfurt

Kaffee

16.30- 18.00 Uhr

Sektion III: Die jüdische Geschichte des Heiligen Römischen Reichs, Polen-Litauens und der Habsburgermonarchie im Vergleich

Die Toleranzpatente Josephs II. für die jüdische Bevölkerung der Habsburgermonarchie – eine kritische Edition
Louise Hecht, Jerusalem/Olmütz

Roundtable-Diskussion zum Vergleich der jüdischen Geschichte im Römisch-Deutschen Reich und in Polen Litauen
mit
Hans-Jürgen Bömelburg (Giessen), Jürgen Heyde (Halle), Yvonne Kleinmann (Leipzig), Mathias Niendorf (Kiel)

18.00 Uhr

Buchvorstellung
durch Prof. Dr. Thomas Simon, Rechtswissenschaftliche Fakultät der Universität Wien

Juden im Recht.
Neue Zugänge zur Rechtsgeschichte der Juden im Alten Reich
(Beihefte der Zeitschrift für Historische Forschung, 39),
Berlin: Duncker & Humblot, 2007

Montag, den 10. Dezember

Haus-Hof- und Staatsarchiv

9.00 - 13.00 Uhr

Sektion IV: Kaiser und Reich in der jüdischen Lokalgeschichte

Die Universitätsimmunitäten in der Frühen Neuzeit als jüdische Räume –
das Beispiel Leipzig
Stephan Wendehorst

Jüdische Migration, ständische Asyl- und Herrschaftsrechte und das Reichsrecht
Karl Härter, Frankfurt

Kaffee

Sektion V: Imperiales Angebot und jüdische Nachfrage – der Kaiser und der Reichshofrat

Die Juden und das Silber – ein Musterprozess der Regierenden Herrn zu Löwenstein-Wertheim vor dem Reichshofrat 1766-1768
Rainer Elkar, München

Kronsteuer und Opferpfennig: Die Verhandlungen um kaiserliche Judensteuern am Reichshofrat
Barbara Staudinger, Wien

Der Reichshofratsprozeß Nürnberg gegen Brandenburg-Bayreuth um den Synagogenbau in Bruck Anfang des 18. Jahrhunderts
Stefan Ehrenpreis, Berlin

Anmeldung:

E-Mail: hhstapost@oesta.gv.at
Tel.: +43-1-53115-2511

Veranstalter:

Haus-, Hof- und Staatsarchiv
Minoritenplatz 1
1010 Wien

Kommission für Rechtsgeschichte Österreichs (KRGÖ)
der Österreichischen Akademie der Wissenschaften
Strohgasse 45/2
1030 Wien

Universität Erfurt
Lehrstuhl für Judaistik – Religionswissenschaft
Nordhäuserstraße 63
99089 Erfurt

Kooperationspartner:

Alexander von Humboldt Stiftung, Bonn

Jüdisches Museum Wien

Max-Planck-Institut für europäische Rechtsgeschichte, Frankfurt am Main

Wissenschaftsfonds

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