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26.11.2007
Aus der Werkstatt der Forschung

Emil Steinbach - Glanz und Elend der altösterreichischen Bürokratie

So lautet der Vortrag von Mag. Wolfgang Fritz, der am Dienstag, den 19. Februar 2008, um 16:00 Uhr im Dachfoyer des Haus-, Hof- und Staatsarchivs, Minoritenplatz 1, 1010 Wien, stattfindet.

Emil Steinbach (1846-1907), ein promovierter Jurist, trat 1874 als Konzipient in die Dienste des k. k. Justizministeriums, diente sich dort bis 1890 zum Sektionschef hoch und war von 1891-1893 Finanzminister.

Sein Wirken hängt eng mit den Absichten des Kaisers und seines Vertrauten seit Kindertagen Graf Eduard Taaffe zusammen, es ist das verwunderliche Glanzstück jener eher respektlos betrachteten vierzehn Jahre des Fortwurstelns, als welche das Regime Taaffe in das kollektive Gedächtnis eingegangen ist. Dieses Regime beteiligte die Sozialaristokraten unter dem Prinzen Alois Liechtenstein an der Macht und öffnete dem Kleinbürgertum den Weg in den Reichsrat. Gegenüber der Arbeiterschaft ging Taaffe es, dem Beispiel Bismarcks folgend, mit Zuckerbrot und Peitsche vor. Die organisierte Arbeiterbewegung wurde grausam unterdrückt, es geschah aber auch einiges für die Arbeiter.

Steinbach war der Spezialist fürs Zuckerbrot. Er hat, als mächtiger Drahtzieher im Hintergrund, die Arbeiterunfall- und Krankenversicherung eingeführt und die grundlegenden Arbeiten für progressive Einkommensteuer geleistet, diesem seit so langer Zeit von links geforderten Versuch steuerlicher Gerechtigkeit. Ihn ehren aber auch die durch den Untergang der Monarchie bedeutungslos gewordenen Werke, wie der Übergang von der Gulden- auf die Kronenwährung, und gerade auch die gescheiterten, wie der Versuch, schon im Jahre 1893 das Allgemeine Wahlrecht einzuführen.
Nach Beendigung seiner politischen Karriere betrat Steinbach die Laufbahn eines Höchstrichters, die ihn an die Spitze des Obersten Gerichtshofes führte.

1907 ist er, erst 61-jährig, wohl an den Folgen seiner rücksichtslosen Selbstausbeutung, gestorben. Der Kaiser selbst ist hinter seinem Sarg hergegangen, was für einen Bürgerlichen eine ganz seltene Ehre war.

Der große Mann stammte aus ganz kleinen Verhältnissen. Sein Vater war ein aus Ungarn zugezogener Goldschmied jüdischer Abstammung, der in Wien nicht zu reüssieren vermochte. Das hat im Sohn eine prinzipiell kapitalismuskritische Einstellung verursacht, welcher er in einem umfangreichen Schrifttum Ausdruck verlieh.

Der Eintritt ist wie immer frei.

Anmeldungen bitte unter
Tel.: 43-01-79540-115 oder
Mail:stabpost@oesta.gv.at

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