Das k.(u.)k. KriegsüberwachungsamtSchnittstelle für Ausnahmsverfügungen während des Ersten Weltkriegs
Vortrag von Tamara Scheer am 15. April 2008 um 16:00 Uhr im Haus-, Hof- und Staatsarchiv
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts ergaben sich einige entscheidende technische Änderungen in der Kriegsführung. Diese Errungenschaften machten auch eine Neuregelung von Mobilisierung und Sicherung der „Inneren Front“ unumgänglich. Ein nicht unwichtiger Teil waren die Ausnahmsverfügungen, welche u.a. die Überwachung von Druckschriften und die Handhabung des Pass- und Meldewesens umfassten. Besonderes Augenmerk wurde auf die Einschränkung und Überwachung des Telefon- und Telegrafenverkehrs gelegt. Für die Verwertung jener Informationen, die aufgrund dieser Verfügungen gemeldet wurden, wurde eine zentrale Behörde geschaffen. 1906 bekam diese Einrichtung den Namen Kriegsüberwachungsamt. Sämtliche Funktionäre wurden bereits im Frieden über ihre Aufgabe unterrichtet.
Das Kriegsüberwachungsamt bestand ab 27. Juli 1914 aus Vertretern mehrerer Ministerien sowie einiger Offiziere aus dem Generalstabsbüro. Von Beginn an umstritten war der Wirkungskreis. Da keine Übereinkunft mit Ungarn erzielt wurde, blieb die Zuständigkeit auf die österreichische Reichshälfte und Bosnien-Herzegowina beschränkt.
In Ungarn entstand parallel die Kriegsüberwachungskommission beim k.u. Landesverteidigungsministerium. Sie war allerdings mit wesentlich weniger Machtbefugnis ausgestattet als ihr österreichisches Pendant. Angesichts der verfassungsrechtlich problematischen Grundlage mehrte sich im Laufe der Kriegsjahre die Kritik aus der Öffentlichkeit. Federführend dabei war einer der Hauptleidtragenden der Zensur: die Presse. Mit Thronbesteigung Kaiser Karls, der Wiedereinberufung des Parlaments und mehreren Personalrochaden an höchsten Stellen beugten sich die Verantwortlichen dem Druck von außen. Am 9. September 1917 wurde das Kriegsüberwachungsamt in eine Ministerialkommission im Kriegsministerium umgewandelt. Zwar mit geringeren Kompetenzen ausgestattet als zuvor, blieb die Zensur weiter aufrecht. Mit der neuen Aufgabe, die 1917 hinzugekommen war, der Parlamentszensur, fand sich allerdings ein neuer Konfliktherd. Erst mit dem sich abzeichnenden Kriegsende wurde die Ministerialkommission mit 31. Oktober 1918 aufgelöst.
Der Vortrag findet im Rahmen der Vortragsreihe „Aus der Werkstatt der Forschung“ am Dienstag, dem 15. April 2008 um 16:00 Uhr im Dachfoyer des Haus-, Hof- und Staatsarchivs, Minoritenplatz 1, 1010 Wien statt.
Der Eintritt ist wie immer frei.
Anmeldungen erbeten unter43-01-79540-115 oderMail:stabpost@oesta.gv.at
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