Geschöpft - beschrieben - abgeriebenPapier als Gegenstand historischer Forschung
Mag. Martin Haltrich und Dr. Maria Stieglecker, wissenschaftliche Mitarbeiter der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, geben am Dienstag, dem 13. Mai 2008, um 16:00 Uhr im Dachfoyer des Haus-, Hof- und Staatsarchivs interessante Einblicke in die Wasserzeichenforschung.
Seit dem späten Mittelalter ist Papier in Europa der maßgebliche Träger von Informationen. Neben den augenscheinlichen Informationen wie Text und Bild enthält es aber auch weniger offensichtliche: die Wasserzeichen, das heißt figurative Abdrucke im Papier, die bei seiner Herstellung entstehen.
Anhand des Gebrauchs bestimmter Wasserzeichen sind heute nicht nur Erkenntnisse zur Papierproduktion an einem bestimmten Ort zu erzielen, ihre Verbreitung lässt etwa auch auf die Wege des Papierhandels schließen. Als Motive für Wasserzeichen werden Symbole und Ausschnitte der mittelalterlichen Welt, also Wappen, Einhörner, Ochsenköpfe, Meerjungfrauen und vieles andere mehr verwendet. Aber nicht nur als Zeugen einer vergangenen Bilderwelt oder Quellen für wirtschaftshistorische Fragestellungen sind die Papiermarken geeignet, sie sind auch verlässliche Mittel für die Datierung schriftlicher und graphischer Überlieferung auf Papier.
Die wissenschaftliche Beschäftigung mit den Wasserzeichen, ihre systematische Sammlung, Ordnung und Auswertung begann bereits im frühen 19. Jahrhundert und hat in den großen Werken von Briquet und Piccard Meilensteine in ihrer Geschichte gesetzt. Die technischen Möglichkeiten zur Abnahme bzw. Übertragung der Wasserzeichen aus den Papieren haben sich über Durchzeichnungen bzw. Handpausen und Abreibungen bis hin zu den modernen kostspieligen Möglichkeiten der Betaradiographie entwickelt und damit weiter an Exaktheit gewonnen. Inzwischen gehört die Wasserzeichenanalyse zum einschlägigen Repertoire der wissenschaftlichen Handschriftenbeschreibung und profitiert von den ständig wachsenden Sammlungen und ihrer Vernetzung in der digitalen Welt des Internet.
Der Wasserzeichenvergleich und die damit einhergehende Feststellung identischer Wasserzeichen bietet demnach die Möglichkeit, diese in der Regel auf wenige Jahre genau zu datieren, was gerade für die frühen Stücke des 14. – 16. Jh. von einschlägiger wissenschaftlicher Bedeutung ist. Hier ist besonders die Bedeutung des Haus-, Hof- und Staatsarchivs für die österreichische Wasserzeichenforschung hervorzuheben. Neben zahlreichen datierten Handschriften aus fürstlichen und klösterlichen Kanzleien, sind auch die ältesten derzeit bekannten Wasserzeichen in Österreich zu finden.
Der Vortrag bietet allgemeine Informationen über Entstehung, Herstellung und Verbreitung von Papier, die Entwicklung der wissenschaftlichen Erforschung der Wasserzeichen und vermittelt die Praxis der Filigranologien anhand von mittelalterlichen Originalen und Web-Datenbanken des 21. Jahrhunderts.
Mag. Martin Haltrich und Dr. Maria Stieglecker sind Mitarbeiter der Kommission für Schrift- und Buchwesen des Mittelalters der Österreichischen Akademie der Wissenschaften und arbeiten an den Projekten „WZMA – Wasserzeichen des Mittelalters“ und „Bernstein – The Memory of Papers“.
Der Eintritt ist wie immer frei.
Anmeldungen erbeten unter43-01-79540-115 oderMail:stabpost@oesta.gv.at
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