Leo Schidrowitz – Verleger und Sexualforscher, Fußballfunktionär und Sportpublizist
Vortrag in der Reihe „Aus der Werkstatt der Forschung“
am Dienstag, dem 10. Juni, um 16:00 Uhrim Dachfoyer des Haus-, Hof- und Staatsarchivs,Minoritenplatz 1, 1010 Wien
Referenten:Dr. Matthias Marschik, KulturwissenschafterDr. Georg Spitaler, Institut für Politkwissenschaft
Zum Vortrag:Das publizistische Multitalent Leo Schidrowitz (1894-1956) war Autor, Verleger, Redakteur, Vereins- und Verbandsfunktionär und Fußballanhänger in einer Person.
Schon während des Ersten Weltkrieges publizierte er Erbauungsliteratur für die Soldaten an der Front. Nach 1918 schrieb er Theaterkritiken und begann gleich zwei Karrieren als Buchautor und Verleger. Schidrowitz gab unter anderem eine zehnbändige „Sittengeschichte der Kulturwelt“ heraus und gründete ein Wiener Institut für Sexualforschung.
Zugleich war Schidrowitz im Fußball aktiv. 1923 wurde er in den Vorstand von Rapid gewählt und war als Verbandsfunktionär aktiv. 1936 wurde er Vorsitzender des Klassenausschusses der Liga. Im Februar 1938 sollte er Österreichs Teilnahme an der Fußball-WM 1938 organisieren.
Mit dem „Anschluss“ drohte Schidrowitz als Juden wie als Verleger von ‚pornografischen’ Werken Lebensgefahr. Er flüchtete mit seiner Familie nach Brasilien und überstand die Jahre des Nationalsozialismus in Porto Alegre und Rio de Janeiro. Auch dort blieb er publizistisch tätig und gab 1940 ein Buch zum 200. Jahrestag der Stadtgründung Porto Alegres mit heraus.
Nach seiner Heimkehr im Jahr 1949 bekam Schidrowitz von Verbandspräsident Josef Gerö den Posten des ÖFB-Propagandareferenten übertragen. Neben der ÖFB-Zeitung verfasste er eine Vielzahl von Büchern, mit seiner „Geschichte des Fußballsportes in Österreich“ lieferte er ein bis heute wichtiges Standardwerk. Die enorme Textproduktion wurde durch seinen frühen Tod 1956 beendet.
Anmeldung erbeten untere-mail: stabpost@oesta.gv.at oderTel.: 01-79540-115
Eintritt frei
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