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Archivale des Monats (Juli 2008)

Fotografien vom Begräbnis des Kaisers Guangxu von China

Das Österreichische Staatsarchiv besitzt 18 Fotografien vom Begräbnis des vorletzten chinesischen Kaisers Guangxu (Kuang Hsu) aus dem Jahr 1909. Die Fotografien sind Teil des Berichtes des österreichischen Gesandten, Eugen Ritter von Kuczynski, den dieser über das Begräbnis des Kaisers verfasste und an den Wiener Hof sandte. Guangxu war als Kaiser eine unglückliche Figur. Die Regierung wurde von der Kaiserinwitwe Cixi geführt, die die Regentschaft an Stelle der minderjährigen Kaiser Tongzhi und Guangxu übernommen hatte. Er bestieg 1875 im Alter von drei Jahren den Thron, bis zu seiner Volljährigkeit im Jahre 1889 führte seine Tante Cixi die Regierungsgeschäfte. 1898 versuchte Guangxu die sogenannte „Hundert Tage Reform“, die von Cixi unterdrückt wurde und zur Entmachtung Guangxus führte. Sie ließ Guangxu internieren und den Großteil seiner Berater hinrichten oder verbannen. Guangxu starb am 14. November 1908, einen Tag vor seiner Tante. Nachfolger wurde Pu Yi, der damals knapp mehr als zwei Jahre alt war.

Beschreibung der Fotografien (nach der Beschreibung im Akt):

Nr. 1

1.) Zeigt den Eingang zum KWAN TE TIEN, dem Glänzenden Verehrungs-Tempel. Von hier aus wurde der Sarg herausgetragen, nachdem der Leichnam dort seit Dezember 1908 aufgebahrt gewesen war. Zur linken des Tempeleingangs ist die Estrade zu sehen, wo die Minister des Wai Wu die verschiedenen Botschaften empfingen.

Nr. 2

2.) Die Aufstellung der Truppen entlang des Kohlenhügels, im Hintergund ist einer der auf dem Kohlenhügel stehenden Kiosks sichtbar. Ebenfalls sichtbar ist die Estrade wie in Bild 1, wo „die fremden Botschaften Rendez Vous hatten, bevor der Leichzug seinen Anfang nahm“. Gut zu sehen sind am Bild die am Boden liegenden Schirme, die in langen Kolonnen als Ehrenschirme dem Leichnam voraus getragen wurden. Auch die rituellen Plaq ues, die dem Leichenzug von hunderten Kulis voraus getragen wurden, sind hier auf der Erde liegend zu sehen. Die auf dem Bild zu sehenden Zelte waren Zelte der Militärposten, die den Leichnam während der Zeit der Aufbahrung bewachten.

Nr. 3

3.) Ansicht der Aufstellung der Bannerträger im Nordteil der Kohlenhügel Außenmauer. Sichtbar sind Mitglieder der „Pauken und Holztrompeten Bande, die dem Zuge vorauszog, und stetig Ohrenzerreissende Toene wie Jammergeschrei hoeren liessen“.

Nr. 4

4.) Nun befindet man sich außerhalb der Nordwestmauer des Kohlenhügels, sichtbar sind die Flaschenpagode und Tempel beim „San Hai“. Hier die beiden Ehrensessel: im ersterem der beiden mit Kaisergelb drapierten Sessel befindet sich der Lorbeerkranz aus Silber des Königs von England und die silberne Ähre des Präsidenten von Frankreich. Dahinter der große grüne Seidengewebe Kranz mit weißem Peony von Mikado. Im zweiten Sessel ist der silberne Lorbeerkranz mit Ähre des Kaisers von Russland und dahinter ein zweiter Kranz des Mikado. Der Zug zieht hier gegen Norden, zu sehen sind noch zwei wassertragende Kulis.

Nr. 5

5.) Zeigt den Katafalk und seine Träger. Vorne an der Spitze der Prinz Regent und Suite. Der Zug nähert sich der Diplomaten Tribüne.

Nr. 6

6.) Der Katafalk ist beim Homen angekommen.

Nr. 7

7.) Die Kadetten der Nobelschule. Im Hintergrund der Karrengeleitzug in dem die Mandarine auf dem Land mit dem Leichenzug weiterzogen.

Nr. 8

8.) Die rituellen Schilde und ihre Träger. Der Berichterstatter erwähnt hier im Bericht extra, dass das chinesische Volk den Trauerzug ansehen durfte, etwas, das vorher noch nie da gewesen war.

Nr. 9

9.) Die beiden Ehrensessel mit den silbernen Ehrenkränzen. Ein amerikanischer Matrose will gerade fotografieren, ein Matrose des Österreichisch-Ungarischen Detachements ist am Bild zu sehen, wie er sich die Szene ansieht.

Nr. 10

10.) Der Katafalk, seine Kuliträger und die vorausmarschierenden Mandarin Leidtragenden, darunter Seine Kaiserliche Hoheit Prinz Pulun, der dem Zug bis Hsi Ling vorausging.

Nr. 11

11.) Veranschaulichung wie der Katafalk getragen wurde.

Nr. 12

12.) Gesamtansicht Leichenzug mit Katáfalk.

Literatur:

Georg Lehner – Monika Lehner, Österreich-Ungarn und der „Boxeraufstand“ in China (MÖStA Sonderband 6, Wien 2002).

Gerd Kaminski – Else Unterrieder, Von Österreichern und Chinesen (Wien 1980)

Signatur: AT-OeStA/HHStA MdÄ AR F2-42-2

Thomas Just

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