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29.10.2008
Archivale des Monats (Oktober 2008)

La gara musicale
Ein seltenes Wiener Opernlibretto in einem Sonderbestand des Haus-, Hof- und Staatsarchivs

La gara musicale

Am 9. Juli 1634 wurde am Wiener Hof anlässlich des Geburtstages von Kaiser Ferdinand II. eine italienische Oper mit dem Titel La gara musicale aufgeführt. Das Libretto dazu hat sich nur in ganz wenigen Exemplaren erhalten. Bekannt sind bisher nur zwei: das eine in der Schlossbibliothek von Český Krumlov (Böhmisch Krumau), das andere im Sonderbestand Dissertationen des Wiener Haus-, Hof- und Staatsarchivs. Dieses Exemplar stammt aus der kaiserlichen Hofbibliothek, ist in weißes Pergament gebunden und trägt auf der Vorder- und Rückseite das goldene Wappen des Kaisers.

Der Titel La gara musicale bezieht sich auf die historisch überlieferten musiktheatralischen Wettkämpfe am Hofe des römischen Kaisers Nero, an denen Sänger aus aller Herren Länder teilnahmen.

La gara musicale

Initiatorin der Aufführung war Kaiserin Eleonora di Gonzaga, die das Musik- und Theaterleben des Wiener Kaiserhofes in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts entscheidend bestimmte. Wahrscheinlich geht die Auswahl des Librettisten, Komponisten und der Sänger für die Produktion von La gara musicale auch auf sie zurück.

Der Autor des Librettos ist zumindest namentlich bekannt: Mons. Urbano Giorgi, der in den Jahren 1633 und 1634 mehrere Libretti für den Wiener Hof verfasste.

La gara musicale

Der Name des Komponisten geht aus dem Text zwar nicht hervor, doch kann man mit einiger Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass es sich um Lodovico Bartolaia (auch Bertolaia) handelte, der in diesen Jahren als Komponist und Sänger am Kaiserhof tätig war und in La gara musicale die Hauptrolle des Nero verkörperte. Dies erfährt man aus dem im Wiener Haus-, Hof- und Staatsarchiv erhaltenen Libretto, in dem sich neben den Rollenangaben – handschriftlich mit Tinte eingetragen – auch die Namen der Sänger finden – eine ausgesprochene Rarität in dieser Zeit.

Zitat: AT-OeStA/HHStA SB Dissertationen 1

Andrea Sommer-Mathis
Österreichische Akademie der Wissenschaften

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