Frauen im Spiegel der Ministerratsprotokolle
Vortrag in der Reihe "Aus der Werkstatt der Forschung"
am Dienstag, den 11. November 2008 um 16.00 Uhrim Dachfoyer des Haus-, Hof- und StaatsarchivsMinoritenplatz 1, 1010 Wien
Referentin:Mag. Alexandra Neubauer-CzettlÖsterreichische Gesellschaft für historische Quellenstudien
In diesem Vortrag wird der Frage nachgegangen, ob und in welchem Zusammenhang Frauen in den politischen Gremien Staats- und Kabinettsrat bzw. Ministerrat der Monarchie, der Ersten und Zweiten Republik Österreich Gegenstand der Besprechungen waren. Ziel ist ein Überblick von 1848 bis in die Gegenwart, wobei der zeitliche Schwerpunkt in der Zwischenkriegszeit liegen wird.
Zuerst wird die Beschaffenheit der Quelle dargestellt und die Methodik in der Arbeitsweise charakterisiert. Auch noch in der heutigen Zeit, in der Ministerratsprotokolle fast ausschließlich reine Beschlussprotokolle ohne Diskussionen sind, stellen diese eine reiche Quelle an Informationen dar.
Probleme der Innen- und Außenpolitik werden in zum Teil sehr offener Form von den Regierungsmitgliedern bzw. von den zugezogenen Fachreferenten behandelt. Die Ministerratsprotokolle verdeutlichen die Haltung, Einstellungen und Zielvorstellungen der verschiedenen österreichischen Regierungen bei politischen Entscheidungsprozessen, die auf anderen Ebenen nur schwer bzw. gar nicht nachzuvollziehen sind.
Die Beschlüsse in den Ministerratsprotokollen sind oft Ausgangspunkt für die Behandlung von Anträgen im Parlament, den Debatten im Nationalrat und in weiterer Folge für die Entstehung von Gesetzen.
Weiters wird kurz auf die Unterschiede in der Forschungsweise zwischen edierten und (noch) nicht wissenschaftlich veröffentlichten Ministerratsprotokollen eingegangen. Vor allem die Zeit der Ersten Republik ist sehr gut erschlossen, da einerseits ein Großteil der Protokolle von der Österreichischen Gesellschaft für historische Quellenstudien herausgegeben wurde und andererseits umfangreiche Indexbände vorhanden sind.
Im zweiten Teil des Vortrags werden konkrete Beispiele für das Vorkommen der Frauen in den Ministerratsprotokollen gegeben. Neben dem Hauptaugenmerk auf den schulischen Bereich und das Arbeitsleben werden auch sozialpolitische oder rechtliche Themen angesprochen. Als Schlagwort sei hier das sog. Doppelverdienergesetz von 1933 genannt.
Besonders interessant ist auch die Debatte betreffend die geplante Verstaatlichung von Mädchenmittelschulen 1919/20 unter Otto Glöckel in der Funktion des Unterstaatssekretärs für Unterricht.
Ein aussagekräftiges Beispiel ist folgende Äußerung zur Ausbildung des weiblichen Geschlechts im Zusammenhang mit Sparmaßnahmen auf dem Gebiet des Schulwesens in der 894. Ministerratssitzung vom 16. August 1933: „Überdies wäre zu erwägen, ob man nicht hinsichtlich des Frauenstudiums besonders rigoros vorgehen sollte; es sei wohl nichts dagegen einzuwenden, daß Mädchen die Untermittelschule absolvierten; ein weiteres Aufsteigen wäre jedoch in der Regel zu verhindern, weil Maturantinnen gewöhnlich für einen praktischen Beruf, der der Frau im allgemeinen eigne, nicht mehr brauchbar seien.“
In der heutigen Zeit steht Gender Mainstreaming als Schlagwort für Frauenförderung im Mittelpunkt. In diesem Zusammenhang wird zum Schluss auf drei diesbezügliche Ministerratsbeschlüsse aus den Jahren 2000, 2002 und 2004 eingegangen, die die Durchsetzung von Gender Mainstreaming auf Bundesebene zum Inhalt haben.
Eintritt frei
Einlass nur nach vorheriger Anmeldungunter e-mail: stabpost@oesta.gv.at oder(01) 79540-115 bis 7.11.2008
Zurück zur Übersicht