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26.11.2008
Leopold Auer im Ruhestand

Mit 1. Dezember 2008 tritt Hofrat Honorarprofessor Dr. Leopold Auer in den dauernden Ruhestand.

HR Leopold Auer

Seit 1999 Direktor des Haus-, Hof- und Staatsarchivs, hat er diese ehrwürdige Institution durch eine bewegte Zeit geführt, wurde doch unter seiner Direktion das rund hundert Jahre alte Archivgebäude am Minoritenplatz einer gründlichen Generalsanierung unterzogen. Rund zwanzig Laufkilometer Akten, Urkunden, Protokollbände und Handschriften sowie die Archivbibliothek mussten ausgelagert und nach erfolgter Renovierung wieder zurückgeführt werden. In der Zwischenzeit wurde der Dienstbetrieb in einem provisorischen Lesesaal aufrecht erhalten.

Die erfolgreiche Durchführung dieses – alles in allem – sieben Jahre währenden Unternehmens ist nicht zuletzt dem Direktor und seinem ruhigen, besonnenen Führungsstil zuzuschreiben. Auers fundamentale Verdienste liegen freilich in erster Linie auf wissenschaftlichem Gebiet.

Leopold Auer wurde am 8. Jänner 1944 in Wien geboren. Vor genau vierzig Jahren ist er in das Haus-, Hof- und Staatsarchiv eingetreten. Im selben Jahr (1968) hatte Auer sowohl das Studium der Geschichte und der klassischen Philologie mit der Promotion zum Dr. phil. (Dissertation bei Fichtenau/Zöllner mit dem Titel „Der Reichskriegsdienst des Klerus unter den sächsischen Kaisern“) als auch den Ausbildungslehrgang am Institut für österreichische Geschichtsforschung mit der Staatsprüfung erfolgreich abgeschlossen (Institutsarbeit zum Thema „Eine österreichische Briefsammlung aus der Zeit Friedrichs des Streitbaren“).

1978 begann Auers Lehrtätigkeit an der Universität Wien als Mitglied des Lehrkörpers sowie der Prüfungskommission des Instituts für österreichische Geschichtsforschung. 1988 wurde Leopold Auer zum Honorarprofessor für Historische Hilfswissenschaften ernannt.

Seine Forschungsschwerpunkte liegen auf den Gebieten der mittelalterlichen Kriegsgeschichte, der internationalen Beziehungen der Frühen Neuzeit, der Geschichte des Heiligen Römischen Reichs sowie der historischen Hilfswissenschaften einschließlich der Archivwissenschaft. Zahlreiche wissenschaftliche Publikationen und eine reiche internationale Vortragstätigkeit, unter anderem in Oxford, London, Paris und Madrid, zeugen von seinem breiten Interessensspektrum.

Leopold Auer ist Mitglied der „Commission Autrichienne d’Histoire Militaire“ und der Kommission für Rechtsgeschichte der Österreichischen Akademie der Wissenschaften; in dieser Eigenschaft hat er unter anderem maßgeblich das Forschungsprojekt zur Erschließung der Prozessakten des Reichshofrats organisiert.

Verzeichnungs- und Erschließungsprojekte lagen dem Archivar Leopold Auer stets am Herzen, beispielhaft sei nur die Edition der „Undatierten Fridericiana“ in den „Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs“ erwähnt oder etwa die mühevolle Gesamtredaktion des österreichischen Beitrags zum „Guide" (Quellen zur Geschichte Afrikas, Asiens und Ozeaniens im Österreichischen Staatsarchiv bis 1918, München u. a. 1986).

Die arbeitsintensive Organisation und Gestaltung von Ausstellungen als ein wesentlicher Bereich einer Öffentlichkeitsarbeit – beispielsweise die Ausstellung „Österreich und das Heilige Römische Reich“ 2006 im Haus-, Hof- und Staatsarchiv – waren für Leopold Auer ebenso wichtig wie sein Anliegen, Forschungsergebnisse einer breiteren interessierten Öffentlichkeit zu präsentieren: Gerne griff er daher die Initiative der Stabsabteilung des Österreichischen Staatsarchivs auf, im Dachfoyer des neu adaptierten Archivgebäudes am Minoritenplatz monatlich Vorträge „Aus der Werkstatt der Forschung“ abzuhalten. Diese „Werkstattgespräche“ so wie auch etliche wissenschaftliche Symposien im Dachfoyer des neu adaptierten Archivgebäudes am Minoritenplatz waren und sind Beispiele gelungener „Öffentlichkeitsarbeit“ im Österreichischen Staatsarchiv.

Seit Beginn seiner Tätigkeit als Archivar war Leopold Auer auf dem Gebiet des Archivwesens in nationalen, bald auch in internationalen Gremien tätig: Im „Verband österreichischer Archivare“ arbeitete er aktiv mit, in dessen Vorstand von 1998 bis 2005. 1970 nahm er am „Stage technique International d'Archives“ in Paris teil, seit 1976 arbeitete er in verschiedenen Gremien des „Internationalen Archivrats“, von 1984 bis 1996 im Sekretariat und in der Programmkommission. Von 1976 bis 1987 nahm er an den österreichisch-jugoslawischen Archivverhandlungen teil, danach an jenen mit dem Nachfolgestaat Kroatien. 1983 war er Mitglied der österreichischen Delegation bei der in Wien abgehaltenen UN-Konferenz über „Staatennachfolge bei Staatseigentum, Staatsschulden und Archiven“. 1993 hat er zusammen mit Lorenz Mikoletzky die Dritte Europäische Archivkonferenz in Wien organisiert. Von der UNESCO wurde seine Expertentätigkeit zu Fragen des Archivwesens in Anspruch genommen, im Beirat des Internationalen Instituts für Archivwissenschaften in Maribor führte er den Vorsitz. 2004 wurde Leopold Auer zum Ehrenmitglied des Internationalen Archivrats ernannt.

Auch im Bereich des Österreichischen Staatsarchivs hat man gerne auf Auers reiche Erfahrungen zurückgegriffen: 1985/86 führte er den Vorsitz einer Arbeitsgruppe zum Einsatz der EDV im Österreichischen Staatsarchiv, zuletzt (2008) präsidierte er einer Arbeitsgruppe zur Entwicklung von Verzeichnungsrichtlinien.

Dem Direktor des Haus-, Hof- und Staatsarchivs ist abschließend für seine langjährige Tätigkeit herzlich zu danken. Es ist Leopold Auer zu wünschen, dass mit dem Ruhestand auch tatsächlich etwas Ruhe in sein Leben einkehrt und er Zeit für seine Interessen und Neigungen findet. Seine bisherigen Mitarbeiter aber hoffen, dass er sie auch im Ruhestand weiterhin an seinem reichen Erfahrungsschatz teilhaben lässt.

Ernst Petritsch

Schriftenverzeichnis HR Dr. Leopold Auer (PDF 65 kB)

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