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27.04.2009
Aus der Werkstatt der Forschung

Die Erzeugung von Arbeit - Wohlfahrt, Arbeitsmarkt und die umstrittenen Grenzen von Lohnarbeit (1880-1938)

Vortrag in der Reihe "Aus der Werkstatt der Forschung"

am Dienstag, den 12. Mai 2009 um 16:00 Uhr
im Dachfoyer des Haus-, Hof- und Staatsarchivs
Minoritenplatz 1, 1010 Wien

Referent:
Mag. Dr. Alexander Mejstrik
Mag. Dr. Sigrid Wadauer

Moderne staatliche Sozialpolitik etablierte seit dem späten 19. Jh. Versicherungsschutz in bestimmten formalisierten Fällen von Nicht-Arbeit: im Alter, bei Krankheit, Invalidität und Arbeitslosigkeit. Damit gewann auch die Kontrolle von Anspruchsberechtigungen, von nationalstaatlicher Zugehörigkeit, Arbeitswilligkeit oder Arbeits(un)fähigkeit an Bedeutung. Die neuen Regulierungen von Arbeit und Nicht-Arbeit manifestierten neue Vorstellungen von Arbeit und Beruf.

Mit Bezug auf die veränderte gesellschaftliche Bedeutung von Arbeit und auf neue soziale Rechte erlebten zugleich die Debatten über Landstreicherei, Bettelei und Arbeitsscheu einen neuen Aufschwung. Wem sollte geholfen werden? Wer schädigte hingegen durch Verweigerung von Arbeit das Gemeinwohl? Nicht jede Art, ein Einkommen zu finden, wurde gleichermaßen als Arbeit anerkannt. Viele Aktivitäten changierten zwischen Arbeit, Arbeitssuche, Nicht-Arbeit, Bettelei und Vagabundage. Sie wurden verdächtigt, Deckmantel für Arbeitsscheu oder „negative Arbeit“ zu sein und gehörten damit zum umstrittenen Grenzbereich zwischen Wohlfahrt, Arbeitsmarkt und Kriminalität. Formen ungelernter und temporärer Lohnarbeit wurden in diesem Kontext (weiter) marginalisiert.

Bislang wurden die Veränderungen von Arbeit und die Entstehung staatlicher Wohlfahrtspolitik meist aus der Perspektive von Staat und Politik beschrieben.

Das im Vortrag präsentierte Projekt nimmt eine andere Perspektive ein: Es betrachtet dominierte, „marginale“ Perspektiven und Praktiken als weitgehend vernachlässigtes, aber konstitutives Moment dieser historischen Veränderung. Sie müssen daher wesentlich in die Analyse mit eingeschlossen werden. Wie haben jene, die arbeiten oder nicht arbeiten zu den neuen Konzepten von Arbeit in Konsensus und Konflikt beigetragen? Das Projekt wird somit die praktische Wirksamkeit von Sozial- und Arbeitsmarktpolitik untersuchen und ein besseres Verständnis von Kontrollen der Binnenmigration erlauben. Damit wird das Projekt in vielerlei Hinsicht wissenschaftliches Neuland erschließen und neue Perspektiven auf die Geschichte der Arbeit und des Sozialstaates eröffnen.

Eintritt frei

Anmeldung erbeten unter
E-mail: stabpost@oesta.gv.at oder
Tel.:(01) 79540-115 bis 8. Mai 2009

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