Die Gründung des Haus-, Hof- und Staatsarchivs 1749
Im Jahr 1749 gründete Maria Theresia das Haus-, Hof- und Staatsarchiv in Wien. In einem am 13. September 1749 an den Oberstburggrafen von Prag gerichteten Schreiben gibt sie selbst Einblick in ihre Beweggründe:
Sie beklagt die Schwierigkeiten, in die sie nach dem Tod ihres Vaters, Kaiser Karls VI., und im daraufhin ausgebrochenen „schweren Krieg“ (Österreichischer Erbfolgekrieg 1740-1748) geraten sei, weil es an den zur Behauptung ihrer Herrschaftsrechte notwendigen Originaldokumenten gefehlt hätte, die unerreichbar, verteilt auf mehrere Residenzstädte ihrer Vorfahren, verwahrt würden.
Das neue Archiv – zunächst „Geheimes Hausarchiv“ genannt – sollte derartige Verlegenheiten in Zukunft ausschließen. Maria Theresia ernannte den ehemaligen Archivar der Böhmischen Hofkanzlei, Theodor Anton Taulow von Rosenthal (1702-1779) zum Ersten Hausarchivar und beauftragte ihn damit, alle wichtigen Haus- und Staatsurkunden der Familie Habsburg nach Wien zu bringen. Der (ebenfalls) am 13. September 1749 erteilte Befehl der Kaiserin an Rosenthal, das Archiv nach dessen detailliertem Plan einzurichten („decretum instructivum“) wird heute als Gründungsakt des Haus-, Hof- und Staatsarchivs angesehen.
Nach drei Jahren mühevoller Auswahl- und Sammelarbeiten in den bisherigen, nahezu unbenützbaren Hausarchiven in Wien und auf Archivreisen nach Prag, Innsbruck und Graz gelang es Rosenthal, alle erreichbaren Dokumente – damals bereits 13.000 vor allem mittelalterliche Urkunden – in Wien zusammenzutragen, wo sie zunächst im Reichskanzleitrakt der Hofburg untergebracht wurden.
Maria Theresia an den Oberst-Burggrafen von Prag, Grafen Philipp von Kolowrat-Krakowsky; Wien, 13. September 1749, KopieSignatur: HHStA Kurrentakten 1, Nr. 6a/1749
Gerhard Gonsa
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