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Archivale des Monats (August 2009)

Unbekannte Briefe des Komponisten Ralph Benatzky

Ralph Benatzky (1884-1957) war unbestritten einer der Meister der Operette in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Unvergessen ist „Das weiße Rössl“, ein Stück, das bis in die heutige Zeit immer wieder gerne aufgeführt wird.

Brief Benatzky 3.9.1908

Benatzky wurde 1884 in Mährisch Budwitz (Moravské Budějovice) geboren. 1899 trat er in die k.k. Kadettenanstalt in Wien ein, wurde 1904 als Fähnrich ausgemustert und war danach in Prag und Kolomea stationiert. 1907 erkrankte Benatzky, wurde beurlaubt und 1909 in den Ruhestand versetzt. In Prag und Wien studierte er Musik, Germanistik und Philosophie und promovierte zum Doktor der Philosophie.

Die hier erstmals präsentierten Briefe stammen aus dem Archiv der Grafen Taaffe, das im Haus-, Hof- und Staatsarchiv verwahrt wird. Das Österreichische Staatsarchiv erhielt dieses bedeutende Archiv in den 1990er Jahren als Geschenk, 2007 kam noch eine weitere Schenkung der Familie Taaffe in das Archiv. Zu diesem Zeitpunkt wurden die Briefe Benatzkys bei den Ordnungsarbeiten am Bestand entdeckt. Das Konvolut umfasst 12 Schreiben und eine Fotografie Benatzkys.

Brief Benatzky2

Der Inhalt der Briefe führt uns zurück zum Beginn der Laufbahn von Benatzky. Die Familie Taaffe hatte über ein Inserat in der „Neuen Freien Presse“ einen Erzieher für ihren Sohn gesucht. Bei diesem Kind handelte es sich um Eduard Karl Richard Taaffe (1898-1967), den Sohn von Heinrich Taaffe (1872-1928) und Maria Magda Fuchs. Heinrich Taaffe war der Sohn des ehemaligen Ministerpräsidenten der österreichischen Reichshälfte Eduard Taaffe (1822-1895). Er lebte als Gutsbesitzer in Ellischau in Böhmen.

Zwischen Benatzky und Gräfin Taaffe entspann sich nun ein kurzer, aber reger Briefwechsel, in denen Benatzky seine Ideen von der Erziehung des jungen Grafen entwickelte und mitteilte. Im ersten Brief vom 3. September 1908 stellt er sich folgendermaßen vor: „Ich bin 24 Jahre alt, röm. Kath., k.k. Leutnant in Ruhe und aus sehr guter Familie. Ich habe an der Karl Ferd. Univ. in Prag Philosophie (nach vorzügl. Mittelschulerfolg) studiert, spreche vollkommen: D., Französ., Englisch, Italienisch, Böhmisch, Polnisch“. Sein Grund für die Bewerbung sei „ ein rein idealer, der, ein liebes, unberührtes Kind über die Liebe zum Studium, zur Natur und zur Kunst in das große Strömen des Seins einzuführen“.

Zwischen dem 11. und 21. September 1908 scheint Benatzky sich mit Gräfin Taaffe getroffen zu haben, dies geht aus einem Schreiben Benatzkys vom 21. September 1908 hervor. Dazwischen erreichte die Familie Taaffe ein Empfehlungsschreiben für Benatzky, verfasst von August Sauer, dem damaligen Rektor der Deutschen Universität in Prag. Offenbar hatte Benatzky dann auch für kurze Zeit die Stelle als Erzieher von Eduard Taaffe inne, in einem von einem Prager Rechtsanwalt verfassten Schreiben an die Familie Taaffe bedauert Benatzky, dass er seine Stellung „bei Herrn Grafen Taaffe ohne Kündigung verlassen hat“. Andeutungsweise geht aus diesem Schreiben auch hervor, dass sich Benatzky möglicherweise in die Gräfin verliebt hatte, denn er hatte ihr ein Lied gewidmet hat, das nun mit dieser Widmung in Druck erscheinen sollte und hatte nun Angst, dass die Gräfin sich dadurch kompromittiert fühlen könnte.

Signatur: AT-OeStA/HHStA SB FA Taaffe

Thomas Just

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