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07.10.2009
Hofrat Dr. Rainer EGGER (1935-2009)

Am Samstag, dem 3. Oktober 2009 ist der langjährige Direktor des Kriegsarchivs, Hofrat Dr. Rainer EGGER, völlig unerwartet in Berlin im 75. Lebensjahr verstorben.

Rainer Egger, geboren am 15. Jänner 1935 zu Baden bei Wien, entstammte einer alteingesessenen Wiener Bürgerfamilie. Einer seiner Vorfahren, Franz Egger, war 1848/49 Delegierter in der Frankfurter Paulskirche. Sein Vater, Rechtsanwalt Dr. Ernst Egger, war während des Ersten Weltkrieges als junger Jurist im k. und k. Kriegsministerium tätig.

Hofrat Dr. Rainer Egger

Rainer Egger legte am 22. Juni 1954 in Mödling die Reifeprüfung ab und begann im Wintersemester 1954/55 in Wien das Studium der Geschichte und Kunstgeschichte. Von 1956 bis 1959 absolvierte er den 48. Ausbildungskurs am Institut für Österreichische Geschichtsforschung und beendete am 21. Dezember 1961 sein Studium mit der Promotion zum Doktor der Philosophie an der Universität Wien. Egger war ursprünglich Mediävist. Als solcher arbeitete er von 1959 bis 1961 unter Prof. Dr. Heinrich Appelt an der Universität Graz als Stipendiat am Unternehmen der Monumenta Germaniae Historica. Seine Dissertation über die Kanzlei Kaiser Friedrich Barbarossas gilt bis heute als richtungsweisende Arbeit.

Mit 5. Februar 1962 trat Egger als Vertragsbediensteter in das Österreichische Staatsarchiv ein und wurde dem Kriegsarchiv zur Dienstleistung zugewiesen. Mit Wirksamkeit vom 1. Juni 1962 wurde er zum provisorischen Staatsarchivar 2. Klasse ernannt, mit 1. Juli 1967 erfolgte seine definitive Ernennung zum Staatsarchivar 2. Klasse, mit 1. Juli 1969 schließlich seine Ernennung zum Staatsarchivar 1. Klasse. Seit 26. August 1970 führte er den Amtstitel „Archivoberkommissär“. Mit 1. Juli 1972 wurde er zum „Archivrat“ befördert und mit 1. Juli 1978 zum „Oberrat“ im Planstellenbereich des Österreichischen Staatsarchivs ernannt.

Im Kriegsarchiv war Rainer Egger zunächst mit der Ausstellung von Dienstzeitbestätigungen für Angehörige der ehemaligen Deutschen Wehrmacht befasst. 1966 wurde er zum Leiter der Abteilung (Referat) für Personalevidenzen der k. k / k.u.k. Armee bestellt und übernahm 1983 das bedeutende Referat der militärischen Zentralstellen, Mittelbehörden und Territorialkommanden. Ende 1988 übernahm er auch die von Archivdirektor Hofrat Dr. Walter Wagner begonnenen Übersiedlungsvorbereitungen und bewerkstelligte in den Jahren 1991 bis 1993 die Übersiedlung des Kriegsarchivs aus dem Akademietrakt der Stiftkaserne in Wien VII in das neue Zentralgebäude des Österreichischen Staatsarchivs in Wien – Erdberg.

Mit 1. Jänner 1992 wurde er als Nachfolger von Hofrat Dr. Erich Hillbrand zum Direktor des Kriegsarchivs und zum Hofrat des Österreichischen Staatsarchivs ernannt. Am 6. Oktober 1998 erfolgte seine Ernennung zum Generaldirektor-Stellvertreter des Österreichischen Staatsarchivs. Am 31. Dezember 2000 schließlich trat er im Alter von fast 66 Jahren in den wohlverdienten Ruhestand.

Rainer Egger war ein namhafter Militärhistoriker und als solcher begeistertes Mitglied der Commission Autrichienne d’Histoire Militaire. Vor allem aber war er mit Leib und Seele Archivar. Durch seine Aktivitäten als 1. Sekretär des Verbandes Österreichischer Archivare (1970-1987), als langjähriger Redakteur der Verbandszeitschrift “Scrinium”, danach als Vizepräsident (1987-2001) und seit 28. September 2001 als Ehrenmitglied hat er diesen Fachverband ganz entscheidend geprägt. Seit 1991 vertiefte er zudem als Lektor an der Universität Wien die Beziehungen zwischen dem österreichischen Archivwesen und der Ausbildung des akademischen Nachwuchses.

Egger besaß außergewöhnliche pädagogische und didaktische Fähigkeiten. Diese Qualitäten kamen den zahlreichen Kolleginnen und Kollegen des Österreichischen Staatsarchivs zugute, die von ihm im Laufe der Jahre erfolgreich auf ihre Dienstprüfungen vorbereitet wurden.

Rainer Egger hat als Archivar, auch noch als Archivdirektor, umfangreiche Ordnungsarbeiten an den Beständen des Kriegsarchivs durchgeführt. Seine vornehmlichste Aufgabe aber sah er in der Betreuung der Archivbenutzerinnen und Archivbenutzer, eine Aufgabe, der er sich immer wieder mit großer Hingabe widmete. Selbst im Ruhestand verbrachte er viele Stunden im Kriegsarchiv, stand dort allen mit Rat und Tat zur Seite. Wir profitierten bis zuletzt von seiner Hilfsbereitschaft und seinem profunden Wissen. Umso schmerzlicher ist der Verlust, den wir nun durch sein Ableben erfahren müssen.

Dr. Christoph Tepperberg
Direktor des Kriegsarchivs

Verzeichnis der Publikationen (Auswahl)

Die Schreiber der Urkunden Kaiser Friedrich Babarossas. Vorstudien zu einer Kanzleigeschichte (phil. Diss. Wien 1961)
Das Gefecht bei Dürnstein-Loiben 1805 (= Militärhistorische Schriftenreihe 3; Wien 1965, 2. Aufl. 1978)
Das Kriegsarchiv und seine genealogischen Quellen. In: Scrinium 5 (1971)
The Kriegsarchiv. In: Austrian History Yearbook 6/7 (Houston/Texas 1971), S. 40-66
Das Gefecht bei Hollabrunn und Schöngrabern 1805 (= Militärhistorische Schriftenreihe 27; Wien 1974, 2. Aufl. 1982)
Die Militärkanzlei des Erzherzog-Thronfolgers Franz Ferdinand und ihr Archiv im Kriegsarchiv Wien. In: MÖSTA 28 (1975), S. 141-163
Archivalien des Kriegsarchivs Wien über die Familie Papst Johannes Pauls II. In: MÖSTA 32 (1979), S. 263-266
Graz als Festung und Garnison. In: Graz als Garnison (Graz-Wien 1982), S. 9-47
Rüstungsindustrie in Niederösterreich während des Ersten Weltkrieges. In: Bericht über den 16. Österr. Historikertag in Krems 1984 (Wien 1985), S. 406-421
Heeresverwaltung und Rüstungsindustrie während des 1. Weltkrieges. In: Rechtshistorische Reihe 74 (Frankfurt am Main, Bern, New York, Paris 1991), S. 81-104
Archivübersiedlungen, am Beispiel des Wiener Kriegsarchivs erläutert. In: Scrinium 46 (1992), S. 285-293
Hofkriegsrat und Kriegsministerium als zentrale Verwaltungsbehörden der Militärgrenze. Überarbeitete Fassung eines am 11. Okt. 1990 in Plitvice / Kroatien gehaltenen Referates. In: MÖSTA 43 (1993), S. 74-93
Die ungarische Kriegsarchivdelegation in Wien vom Ersten bis zum Zweiten Weltkrieg. In: MÖSTA, Sonderband 4 (1998), S. 65-73
Unter Österreichs Fahnen. Militärhistorische Kostbarkeiten aus sechs Jahrhunderten. Katalog zur Ausstellung „200 Jahre Österreichisches Kriegsarchiv“, hrsg. Rainer Egger, Peter Jung und Robert Rill (Wien 2001)
Das Kriegsarchiv vom Ersten zum Zweiten Weltkrieg. In: Quellen zur Militärgeschichte. 200 Jahre Kriegsarchiv. MÖSTA 49 (2001), S. 13-39

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