Am Samstag, dem 7. November 2009, ist unser langjähriger Kollege, Direktor und Generaldirektor, Hofrat Dr. Kurt Peball, im 82. Lebensjahr verstorben.
Kurt Peball wurde am 24. Juli 1928 in Bleiberg bei Villach geboren. Er ging in Wolfsberg auf die Oberschule, maturierte 1949 am Bundesrealgymnasium für Knaben und Mädchen in Villach und studierte von 1949 bis 1953 Geschichte, Germanistik und Philosophie an der Universität in Graz. Nach Fertigstellung seiner Dissertation (Untersuchung zur Quellenlage der Annales Ferdinandei 1597-1936 des Grafen Franz Christoph Khevenhüller-Frankenburg 1588-1655) promovierte er 1953 an der Universität Graz zum Dr. phil. Den Ausbildungskurs am Institut für Österreichische Geschichtsforschung an der Universität Wien schloss er mit der Staatsprüfung im Jahr 1956 erfolgreich ab.
Von 1956 bis 1957 war Kurt Peball als wissenschaftliche Hilfskraft am Institut für österreichische Geschichtsforschung tätig. Von 1957 bis 1959 forschte er als Stipendiat am österreichischen Kulturinstitut in Rom zur Edition der Register Papst Innocenz III. (1198-1216) im Vatikanischen Archiv.
Im Jahr 1959 trat Kurt Peball in das Österreichische Staatsarchiv ein. Als Leiter der Archivabteilung 2 des Kriegsarchivs betreute er die damaligen Referate „Alte Feldakten“ (16. Jahrhundert bis 1914, mit Memoires und Kriegswissenschaftliche Manuskriptensammlung), „Schriftennachlässe“, „Archive des k.u.k Generalstabs und des k.u.k Armeeoberkommandos 1914-1918“ sowie „Neue Feldakten“ (Akten der k.u.k und k.k. Verbände und Einheiten sowie deren Versorgung 1914-1918), „Auszeichnungen und Orden“, „Archiv des Militär-Maria-Theresien-Ordens“, und „Archiv des Bundesheeres der ersten Republik Österreich 1919-1938/1940“ (Zentralstellen, Verbände und Einheiten).
Von 1980 bis 1987 war Kurt Peball Direktor der Abteilung Archiv für Verkehrswesen des Österreichischen Staatsarchivs und zugleich mit der Führung der Agenden des Leiters der Präsidialabteilung 5 Verkehrswissenschaftlicher Fachdienst des Bundesministeriums für Verkehr betraut. Gleichzeitig war er auch ab 1983 der erste Direktor des damals neu gegründeten Archiv der Republik/Zwischenarchiv.
Den beruflichen Höhepunkt erreichte Kurt Peball mit seiner Bestellung zum Generaldirektor des Österreichischen Staatsarchivs und Leiter des Archivamts am 2. Jänner 1987. Es folgten sieben sehr ereignisreiche Jahre, in denen Kurt Peball die Geschicke dieser Institution mit höchster Fachkenntnis, Diplomatie und vor allem Menschlichkeit lenkte. So tragen tief greifende organisatorische Veränderungen, die im Zuge der Übersiedlung der Archivabteilungen in das neue zentrale Archivgebäude in Wien Erdberg notwendig geworden waren, noch heute seine „Handschrift“. Viele Veränderungen und Reformen über seine Amtszeit hinaus wären ohne seine weitsichtigen Vorleistungen nicht oder nur sehr schwer möglich gewesen. Vor allem sein unermüdlicher Einsatz für die Öffnung des Staatsarchivs in Richtung eines zeitgemäßen Dienstleistungsunternehmen, seine leidenschaftliche Begeisterung für Archivmanagement sowie seine weitsichtigen Vorstellungen über den Einsatz und Nutzen der EDV in Archiven waren allen MitarbeiterInnen des Österreichischen Staatsarchivs stets Vorbild und Motivation.
Am 31. Dezember 1993 trat Kurt Peball in den wohlverdienten Ruhestand. Dies bedeutete aber keinesfalls das Ende seiner wissenschaftlichen Aktivitäten. So präsentierte er erst 2000 im Österreichischen Staatsarchiv eine gemeinsam mit Peter Broucek verfasste umfangreiche „Geschichte der österreichischen Militärhistoriographie“.
Kurt Peball war Mitglied der Commission Autrichienne d’Histoire Militaire und der Geisteswissenschaftlichen Sektion der österreichischen UNESCO-Kommission (1974-1994). Er war Mitglied und Vorstandsmitglied (1987-1994) des Verbandes österreichischer Archivare und Präsident der Österreichischen Gesellschaft für historische Quellenstudien und Ehrenpräsident derselben Gesellschaft seit 1994, Vorstandsmitglied der Historischen Kommission der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (1987-1994) sowie Mitglied des Exekutivkomitees des Internationalen Archivrats (1988-1992).
Die MitarbeiterInnen des Österreichischen Staatsarchivs trauern um Kurt Peball. Unsere tiefe Anteilnahme gilt der Familie des Verstorbenen. Es möge ihr aber in diesen schweren Stunden Trost sein, dass die Erinnerung an das berufliche und menschliche Wirken Kurt Peballs in uns stets lebendig bleiben wird.
Dr. Manfred FinkStv. Generaldirektor des Österreichischen StaatsarchivsDirektor des Archivs der Republik
Verzeichnis der Publikationen (Auswahl)
Zur Quellenlage der "Annales Ferdinandei" des Grafen Franz Christoph Khevenhüller Frankenburg, in: Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 9, 1956, S. 1-22Zu den kanonistischen Randzeichen im Register Papst Innocenz' III. (Reg.Vat.4-7a), in: Römische Historische Mitteilungen, 1, 1956/57, S. 77-105Das Lawinenunglück in Bleiberg am 25. Februar 1879, in: Carinthia I 149, 1959,S. 176-196Literarische Publikationen des Kriegsarchivs im Weltkrieg 1914-1918, in: Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs (= MÖStA) Bd. 14, 1961, S. 240-260Die Schlacht bei St.Gotthard-Mogersdorf am 1. August 1664 (= Militärhistorische Schriftenreihe, Band 1, Wien 1964, 38 Seiten, mit einer Abbildung und SkizzenSendung und Erbe. Die österreichische Armee und das Schicksalsjahr der Donaumonarchie 1866, in: ÖMZ, Sonderheft: Entscheidung 1866, Wien 1966, S. 55-65 Zum Kriegsbild der österreichischen Armee und seiner geschichtlichen Bedeutung in den Kriegen gegen die Französische Revolution und Napoleon I. in den Jahren 1792 bis 1815, in: Napoleon I. und das Militärwesen seiner Zeit, Bd. 1, Herausgegeben von Wolfgang von Groote und Klaus-Jürgen Müller, Freiburg i.Br., 1967, S. 129-181Das Generalsreglement der kaiserlich-königlichen österreichischen Armee vom 1. September 1769. Versuch einer Quellenanalyse, in: Schriften des Heeresgeschichtlichen Museums 3,1967, S. 81-128Die Schlacht bei Dürnkrut am 26. August 1278 (= Militärhistorische Schriftenreihe Band 10, 1968), 28 Seiten, mit einer Abbildung und SkizzenDer Fall "U". Die geplante Besetzung Ungarns durch die k.u.k. Armee im Herbst 1905 (mit Günther Rothenberg), in: Schriften des Heeresgeschichtlichen Museums Bd. 4, 1968, S. 85-126, mit Skizzen und FaksimilesDie politische Lage 1917/18, in: Anton Wagner: Der Erste Weltkrieg. Ein Blick zurück (= Truppendienst Taschenbücher, Band 7), 1. Auflage, Wien 1968, S. 258-277, 2. Auflage, Wien 1983, S. 263-283)Briefe an eine Freundin. Zu den Briefen des Feldmarschalls Conrad von Hötzendorf an Frau Walburga von Sonnleithner während der Jahre 1905 bis 1918, in: MÖStA Bd. 25, 1972, S. 492-503Die Friedensverträge von 1918/19 In: Die Nachkriegszeit 1918-1922 Kämpfe, Staaten und Armeen nach dem Ersten Weltkrieg (=Truppendienst Taschenbücher, Bd. 22, Herausgegeben von der Arbeitsgemeinschaft Truppendienst, Wien 1972), S. 9-30, mit AbbildungenDie Befestigungen Wiens (mit Walter Hummelberger) (= Wiener Geschchtsbücher, Bd.14), Wien-Hamburg 1974, 130 Seiten, mit Abbildungen und SkizzenDie Kämpfe in Wien im Februar 1934 (= Militärhistorische Schriftenreihe 25, Wien 1974), 78 Seiten, mit zwei Abbildungen und SkizzenDie Kämpfe in Österreich im Februar 1934, in: Das Jahr 1934, 12. Februar. Protokolle des Symposions in Wien am 5. Februar 1974 (= Veröffentlichungen der Wissenschaftlichen Kommission des Theodor Körner-Stiftungsfonds und des Leopold Kunschaks-Preises, Band 2), Wien 1975, 25-33 und 127-1411866 - Der Krieg und seine historische Symptomatik, in: Militärgeschichte, Militärwissenschaft und Konfliktforschung. Eine Festschrift für Werner Hahlweg, Professor für Militärgeschichte und Wehrwissenschaft an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster zur Vollendung seines 65. Lebensjahres am 29. April 1977, Hrsg. von Detlef Bradley und Uve Marvedel (= Studien zur Miltärgeschichte, Militärwissenschaft und Konfliktforschung 15), Osnabrück 1977, 325-358Conrad von Hötzendorf: Private Aufzeichnungen. Erste Veröffentlichungen aus den Papieren des k.u.k. Generalstabschefs, Wien-München 1977, 352 SeitenGeorg Friedrich von Tempelhof: Geschichte des Siebenjährigen Krieges. Neudruck der Ausgabe Berlin 1783-1801 (Einführung mit Sachkommentar, Band 1, S.V-XLVIII), 6 Bände, Osnabrück 1977 (= Bibliotheca Rerum Militarium XXIX)Führungsfragen der österreichisch-ungarischen Südtiroloffensive im Jahre 1916, in: In: MÖStA 31, 1978, 418-433Conrad von Hötzendorf: Legende-Mythos-Tradition, in: Vorträge zur Militärgeschichte, Band 1: Einzelprobleme politischer und militärischer Führung, mit Beiträgen von Johann Christoph Allmayer-Beck, Horst Boog, Andreas Kraus, Manfred Messerschmidt, Eckhardt Opitz, Kurt Peball, Hrsg. vom Militärgeschichtlichen Forschungsamt, Herford/Bonn 1981, 68-87Aspekte der Forschung zum Kriegswesen der Zeit Maria Theresias und Josephs II., in: Österreich im Europa der Aufklärung. Kontinuitär und Zäsur in Europa zur Zeit Maria Theresias und Josephs II. Internationales Symposion in Wien 20.-25. Oktober 1980, 2 Bände, Wien 1985, Band 1, 695-616Der Neubau des Staatsarchivs, in: Scrinium. Zeitschrift des Verbandes Österreichischer Archivare 34, 1986, 135-145Das Österreichische Staatsarchiv. Geschichte-Leistung-Aufgabe, in: Das Österreichische Staatsarchiv. Geschichte-Leistung-Aufgabe. Eine Dokumentation anlässlich der Eröffnung des Neubaus am 28. April 1988. Herausgegeben vom Bundeskanzleramt und der Generaldirektion des Österreichischen Staatsarchivs, Wien 1988, 9-18.Geschichte der österreichischen Militärhistoriographie (mit Peter Broucek), Köln-Weimar-Wien 2000, 720 Seiten, 20 Tafeln mit schwarz-weiß Abbildungen