Baden bei WienIm Visier der Geheimpolizei - Spionage, Alltagsfrust und Badelust vor 200 Jahren
von Dr. Friedrich Schembor
am Mittwoch, den 25. November 2009um 17:00 Uhrim Österreichischen StaatsarchivNottendorfer Gasse 21030 Wien
Programm
BegrüßungHon.-Prof. Dr. Lorenz MikoletzkyGeneraldirektor des Österreichischen Staatsarchivs
Einleitende WorteDr. Rudolf MaurerLeiter des Stadtarchivs Baden
VortragDr. Friedrich Schembor
Anmeldung bis spätestens 23. November 2009 erbeten unterTel.: 01/79540-115 oder Mail: stabpost@oesta.gv.at
Im 19. Jahrhundert war Baden bei Wien eine Kurstadt von europäischem Rang, die mit Vorliebe vom in- und ausländischen Hochadel frequentiert wurde, auch wenn eine Badekur aus medizinischer Sicht nicht geboten schien. Polnische und russische Fürsten und Grafen ergingen sich in Planspielen über revolutionäre Staatsveränderungen in ihren Heimatländern. Vor allem aber genoss man den gesellschaftlichen Umgang unter Seinesgleichen in der Kurstadt mit all ihren Annehmlichkeiten.
In der vorliegenden Arbeit wird sowohl den einfachen Bewohnern als auch den illustren Kurgästen Gehör verschafft und dies aus Sicht der Polizei oder genauer gesagt der entsandten Überwachungsorgane, welche die Aufgabe hatten, darauf zu sehen, dass Kuraufenthalte nicht zu politischen Zwecken missbraucht wurden. Der zur geheimen Beobachtung der Kurgäste nach Baden abgeordnete Inspektionskommissär wurde mit den Problemen der Kurstadt konfrontiert und musste sich mehr als es seiner vorgesetzten Dienststelle lieb war, mit den vielfältigen Alltagssorgen der Kurgäste und Bewohner beschäftigen.
Damit wird ein überaus lebendiges Bild der Stadt Baden vermittelt. Der Leser kann das Geschehen in der überaus bewegten Napoleonischen Zeit an Hand der Polizeiberichte der Jahre 1806 bis 1813 miterleben, lernt die Praktiken der geheimen Polizei bei der Überwachung der Kurgäste kennen und wird Zeuge, wie die Stadt Baden eine eigene Polizei bekommt. Er erhält damit aber auch Einblick in die Art der Entscheidungsfindung durch die Polizeibehörde und den Kaiser.
Als Quelle diente jener Teil der Akten der k. k. Obersten Polizei- und Zensurhofstelle, der den Brand des Justizpalastes im Jahre 1927 überlebt hat. Von den einzelnen Akten sind oft nur mehr Teile vorhanden, deren Lesbarkeit durch Brand- und Löschwasserschäden stark beeinträchtigt ist. Heute sind die Akten der Polizeihofstelle Bestandteil des Allgemeinen Verwaltungsarchivs im Österreichischen Staatsarchiv.