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27.11.2009
Aus der Werkstatt der Forschung

Das Archiv der Israelitischen Kultusgemeinde Wien

Vortrag in der Reihe „Aus der Werkstatt der Forschung“

am Dienstag, den 15. Dezember 2009
um 16:00 Uhr
im Haus-, Hof- und Staatsarchiv
Dachfoyer
Minoritenplatz 1
1010 Wien

Referent:
Dr. Ingo Zechner

Anmeldung bitte an
stabpost@oesta.gv.at oder
01-79540-115

„Ordnung muss sein“ war der Titel einer Ausstellung, mit der das Archiv der Israelitischen Kultusgemeinde Wien 2007 einer breiteren Öffentlichkeit vorgestellt wurde, „Achtung Baustelle!“ der Titel eines im Ausstellungskatalog publizierten Werkstattberichts. Die beiden Titel umreißen die (Re-)Konstruktion eines Archivs, dessen Bestände heute auf Österreich, Israel, Russland und Polen verteilt sind.

Von Adolf Eichmann 1938 beschlagnahmt, hat das 1816 gegründete Archiv die Shoa in Wien überdauert. Ergänzt durch das administrative Schriftgut aus der Zeit des NS-Terrors wurde es in den 1950er Jahren großteils nach Jerusalem gebracht. Umfangreiche Reste, vermischt mit jüngerem Material, wurden 2000 in Wien wiederentdeckt. Das Archiv dokumentiert die Geschichte der jüdischen Gemeinde Wiens und ist selbst signifikanter Teil dieser Geschichte.

Der Vortrag wird den Umfang, Inhalt und die Geschichte der Archivbestände skizzieren. Strategien der Ordnung, Erschließung und Zugänglichmachung werden ebenso Thema sein wie Fragen der Aufbewahrung und Sicherung durch Reproduktionen.

Trotz limitierten Zugangs war das Archivgut auch in der jüngeren Vergangenheit Quelle historischer Forschung: für die tägliche Arbeit im Bereich Restitution und Entschädigung, für Studien zur NS-Herrschaft, aber auch für andere Themen. Welches Potential für die Forschung in den Beständen schlummert, wird zentrale Frage des Vortrags sein.

Ausgangspunkt ist die These, dass ein Archiv stets aus dem Archivgut und dem Wissen um seine Verwendung besteht. Die nötige Ordnung und Infrastruktur ist paradoxerweise Voraussetzung und Folge dieses Wissens.

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