Zwischen Front und HeimatÖsterreich-Ungarn als Besatzungsmacht im Ersten Weltkrieg
Vortrag in der Reihe "Aus der Werkstatt der Forschung"
am Dienstag, den 9. Februar 2010um 16:00 Uhrim Haus-, Hof- und StaatsarchivDachfoyerMinoritenplatz 11014 Wien
Referentin:Mag. Dr. Tamara Scheer
Anmeldung bitte anstabpost@oesta.gv.at oderTel.: 01-79540-115
Im Zuge des Ersten Weltkriegs gelang es Österreich-Ungarn gleich mehrere Länder und Gebiete zu besetzen: Polen, Serbien, Montenegro, Albanien, Italien, Rumänien und die Ukraine.
Teilweise musste die Administration ganzer Staatswesen vom Militär übernommen werden. Die zivilen Herausforderungen waren die „Regierung“ eines Landes, der Bau und der Betrieb von Schulen, Krankenhäusern und Apotheken, sowie die Durchführung hygienischer, landwirtschaftlicher und sozialpolitischer Maßnahmen.
Gleichzeitig aber standen die Aufgaben einer Etappe an vorderster Stelle: Durchsetzung und Aufrechterhaltung von Ruhe und Ordnung im Rücken der kämpfenden Armee, Ausnutzung sämtlicher kriegsnotwendiger Landesressourcen sowie die Aufrechterhaltung der Kommunikationswege.
Die besetzten Gebiete konnten ihren Voraussetzungen nach unterschiedlicher nicht sein. Sie divergierten sowohl hinsichtlich ihrer Wirtschaftskraft, der bisherigen Beziehungen zu Österreich-Ungarn, als auch in Landesgröße und Zusammensetzung der Bevölkerung.
Die Ziele, welche die Donaumonarchie verfolgte, waren je nach Territorium ebenfalls unterschiedlich und hingen auch davon ab, ob die Besatzung allein oder gemeinsam mit einem oder mehreren Verbündeten (dies waren das Deutsche Reich in Polen, Rumänien und Italien sowie Bulgarien in Serbien) durchgeführt wurde. Der Umgang mit der jeweiligen Bevölkerung war in der Praxis oft vom Grad der Zu- oder Abneigung der Besatzungssoldaten – selbst von Nationalität und Religion nicht homogen – abhängig, was sich wiederum auf den Faktor Gewalt im Besatzungsalltag auswirkte.
Das Vorgehen Österreich-Ungarns in den besetzten Gebieten war zwar in vielen Fällen von Gewalt und Überheblichkeit gegenüber der Bevölkerung geprägt, kann aber nicht mit jenen Maßnahmen verglichen werden, welche die Besatzungen des Zweiten Weltkriegs charakterisierten; jedoch waren die Handelnden teilweise dieselben, und ließen sich von ihren Erfahrungen aus dem ersten Großen Krieg leiten.
Die Vortragende – Oberassistentin an der Andrássy Gyula Universität Budapest und externe Lektorin am Institut für Zeitgeschichte der Universität Wien; derzeit Forschungsprojekt zum Thema: Mitteleuropa im „europäischen Orient“: Österreichisch-Ungarische Militärpräsenz im Sandžak Novi Pazar/Plevlje (1879-1908) - hat zum Vortragsthema ein Buch verfaßt. Es ist in der Reihe "Neue Forschungen zur ostmittel- und südosteuropäischen Geschichte" erschienen und kann am Vortragsabend zum Präsentationspreis von 31,- € (Buchhandel: 44,- €) käuflich erworben werden.
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