Curiosa aus den Opernakten des Staatsarchivs
Vortrag in der Reihe „Aus der Werkstatt der Forschung“
am Dienstag, den 13. April 2010um 16:00 Uhrim Haus-, Hof- und StaatsarchivDachfoyerMinoritenplatz 11014 Wien
Referent:Prof. Clemens Höslinger
Anmeldung bitte anstabpost@oesta.gv.at oderTel.:+43-1-79540-115
Curiosa als Nebenprodukte archivalischer Forschung - das ist das eigentliche Thema des Vortrags. Es geht um Fundstücke, denen manchmal etwas Irritierendes oder Merkwürdiges anhaftet, die sich aber unter Umständen als wichtig erweisen können. Vielen Archivbenützern ist diesen Phänomen bekannt: Man macht einen überraschenden, einen kuriosen Fund - an einer Stelle, wo man dies niemals vermutet hätte. Auf solche Art kann manchmal auch Verlorengegangenes wieder zutage gebracht werden. Daß „curiosa“ im Aktenmaterial der Wiener Hof- und Staatsoper oftmals auftauchen, hängt nicht zuletzt mit der Theaterwelt und ihrem reichhaltigen Fundus für Ungewöhnliches, Abseitiges, oft auch Absurdes zusammen. Der Vortrag befasst sich in erster Linie mit einem speziellen Bestand des Haus-, Hof- und Staatsarchivs, der - außerhalb des Komplexes der Opern- und General-Intendanz-Akten - unter dem Signum „Sonderreihe Oper“ verwahrt wird. Diese Sonderreihe ist sehr umfangreich, umfasst 161 Aktenkartons und enthält eine kaum überschaubare Fülle von Dokumenten, vieles aus dem Neunzehnten Jahrhundert, aber auch Material aus den Zwanziger-, Dreißigerjahren des Zwanzigsten Jahrhunderts. Es befindet sich darin u. a. ein Teilnachlaß des Wiener Operndirektors Clemens Krauss. Die Dokumentensammlung reicht sogar bis in die Nazizeit, alles in kunterbuntem Durcheinander. „Diverses“ - damit könnte man diese nahezu uferlose Sammlung am ehesten benennen. Die Dokumente haben alle eine Nähe zur Wiener Operngeschichte, reichen darüber hinaus aber auch in die Sphäre der Wiener Philharmoniker und ihre Auslandsreisen hinein, ebenso zu den Salzburger Festspielen usw. Abgesehen von diesem Kapitel „Diverses“ wird in dem Vortrag auch auf die unbekannten Musikerhandschriften (Donizetti, Liszt) hingewiesen, die in dem neu erworbenen Familiennachlass Taaffe aufgetaucht sind, ebenso auf das inhaltsreiche Aktenmaterial aus den Direktionszeiten Wilhelm Jahns (1881-1897) und Gustav Mahlers (1897 bis 1907).
Clemens Höslinger ist am 15. März 1933 in Wien geboren, Er ist Absolvent der Wiener Musikakademie und war von 1959 bis 1993 Bibliothekar im Österreichischen Staatsarchiv. Als Musikkritiker ist Höslinger in deutschen und österreichischen Zeitschriften und in der Tagespresse tätig und er ist Mitarbeiter an zahlreichen Rundfunkstationen und dabei vorwiegend mit Präsentation historischer Tonaufnahmen beschäftigt. Clemens Höslinger publizierte zur Wiener Musik- und Theatergeschichte und nahm an Symposien in Österreich, Italien und den USA teil. Derzeit ist er mit einer Arbeit über die Direktionszeit Wilhelm Jahns an der Wiener Hofoper (1881-1897) auf Grundlage des Aktenmaterials im Staatsarchiv befasst.
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