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03.05.2010
Archivale des Monats (Mai 2010)

Korneuburger Eid

Korneuburger Eid

Die Heimwehr(en), ein zusammenfassender Name für die Selbstschutzverbände in den Bundesländern, welche aus den Bauern- und Bürgerwehren nach dem Ersten Weltkrieg hervorgingen, waren zunächst ein lose organisiertes, überparteiliches Organ zum inneren Schutz der österreichischen Bevölkerung. Sie verfügten, da von Industriellen und Banken (primär aus Italien und Ungarn) unterstützt, über ein beträchtliches Waffenpotential, veranstalteten öffentliche Aufmärsche und Versammlungen und trugen stolz die jeweiligen Landesfarben und -trachten als Uniformen.

Dennoch wohnte den Bundesländerorganisationen von Beginn an eine strukturelle Uneinigkeit inne. Es gab immer wieder terminologische, ideologische sowie personelle Differenzen und Rivalitäten. Bis 1930 stritten vor allem Walter Pfrimer (Obersteiermark) und Richard Steidle (Innsbruck) um die Vorherrschaft in der gesamtösterreichischen Heimwehrbewegung. Weitere Exponenten waren Ernst Rüdiger Fürst Starhemberg (Oberösterreich), Emil Fey (Wien) und Julius Raab (Niederösterreich).

Letzterer war den übrigen ein Dorn im Auge, da er ihres Erachtens nach zuviel politische Rücksicht auf den Bauernbund und die Christlichsoziale Partei nahm. Um dem entgegen zu wirken, ergriff Richard Steidle am 18. Mai 1930 während der Generalversammlung des Heimatschutzverbandes Niederösterreich in Korneuburg das Wort und verlas ein Grundsatzprogramm, auf das er die rund 800 anwesenden Delegierten schwören ließ. Diese als „Korneuburger Gelöbnis“ oder „Korneuburger Eid“ in die Geschichte eingegangenen Worte sind eine Kampfansage an den demokratischen Parteienstaat und die Sozialdemokratie sowie ein offenes Bekenntnis zu Ständestaat und Faschismus.

Verfasst wurde der vorliegende Text von Walter Heinrich, geboren 1902 in Haida/Böhmen, verstorben 1984 in Graz. Er war Nationalökonom und Soziologe, Begründer der Volkswirtschaftlichen Gesellschaft und des Instituts für Gewerbeforschung sowie Rektor der Wiener Hochschule für Welthandel. Sein Werk "Staat und Wirtschaft" (1929) war theoretische Grundlage für den Ständestaat.

Zitat: AdR, Österreichische Land- und Forstwirtschaftsgesellschaft, G713/1931

Susanne Fröhlich

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