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01.07.2010
Archivale des Monats (August 2010)

„Freimaurerreliquien“ im Familienarchiv Harrach

Freimaurer-Diplom

Die moderne Freimaurerei wurde am 24. Juni 1717 begründet, als sich vier Werkmaurerlogen zur ersten Großloge von England zusammenschlossen. 1723 folgte die Abfassung einer Konstitution durch den Prediger James Anderson, die das Miteinander der Logenmitglieder sowie das Verhältnis zu Religion und Politik regeln sollte, aber nicht unwidersprochen blieb. Nicht alle fühlten sich der Großloge von England verpflichtet, daneben entwickelten sich weitere Mutterlogen. Die religiöse Toleranz, die in den meisten Fällen immerhin den Glauben an ein höchstes Wesen vorsah, bedeutete einen steten Konflikt mit der katholischen Kirche. Päpstliche Bannbullen verurteilten die Freimaurer. So wurde die erst 1742 gegründete erste Loge in Wien bereits nach einem Jahr wieder aufgelöst. 1785 organisierte Joseph II. im Freimaurerpatent die zwischenzeitlich entstandenen Logen neu, worin dieser u. a. regelmäßig die Namen der Mitglieder einforderte. Das freimaurerische Gedankengut mit den fünf Grundidealen der Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, Toleranz und Humanität bedeutete 1795 aufgrund der Nähe zu den Forderungen der französischen Revolution das Verbot. Wenig verwunderlich ist die Verurteilung der Freimaurerei durch den Nationalsozialismus, etwa wegen deren Streben nach kosmopolitischer Humanität.

In den Logen gibt es grundsätzlich drei Grade: Lehrling, Geselle und Meister. Zudem existieren unterschiedliche Hochgrade, die je nach System zahlreiche Bezeichnungen aufweisen. Karl Harrach (1761-1829) wird in dem gezeigten Diplom vom 14. Oktober des Jahres 5786 der Freimaurerei (=1786) der Meistergrad verliehen. Er gehörte der Loge „Wahrheit und Einigkeit im Orient von Prag“ an.

Zaubergürtel

Besonders interessant sind die Freimaurerutensilien: Eines der bekanntesten Symbole stellt die Kelle dar, die als Sinnbild der verbindenden Arbeit der Bruderschaft oder für die Vollendung von Arbeit gilt und hier als Anhänger an einem hellblauen Stoffband getragen wurde. Diese typische Farbe verbindet die Stücke des Konvoluts. Ein weiteres, v. a. im 18. Jahrhundert beliebtes Symbol ist der ebenso als Anhänger getragene Schlüssel aus Elfenbein, Zeichen für die Zunge, die das Passwort zum Einlass in die Loge sprach, somit gleichsam der Schlüssel zur Loge. Zu den Symbolen ist anzumerken, dass diese auch Zeichen eines bestimmten Grades sein können. Eine Medaille zeigt auf der Vorderseite Kaiser Franz I. im Profil und die gezeigte Rückseite bekundet nicht nur die Loyalität gegenüber den Kaiser in der Umschrift, sondern weist im oberen Abschnitt ein weiteres bekanntes Freimaurersymbol auf: Das Auge Gottes, das an dessen ewige Wachsamkeit erinnern soll. Vorhanden sind auch Handschuhe und der Meisterschurz, der von einem hellblauen, dünnen Textilstreifen umrahmt wird und zwei gleichseitige Dreiecke zeigt. Beide Stücke sind aus konservatorischen Gründen nicht ausgestellt.

Außergewöhnlich ist das als Zaubergürtel (Cingulum Salomonis) bezeichnete Stück, dessen Medaillons mit Symbolen, lateinischer Umschrift und hebräischen Zeichen „Zauberformeln“ versehen sind. Dieser endet in einem Porträt eines bärtigen Mannes, wohl Salomon selbst, Bauherr des ersten Tempels.

Signatur: AT-OeStA/AVA FA Harrach, Karton V 10

Stefan Seitschek

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