Attentat auf Kaiser Franz JosephKaiser Napoleon III. von Frankreich beglückwünscht Kaiser Franz Joseph zum glimpflichen Ausgang des Attentats vom 18. Februar 1853
Am 18. Februar 1853 spazierte der junge Kaiser Franz Joseph mittags gegen halb eins, nur in Begleitung seines Adjutanten O´Donell, über die Wiener Kärntnerbastei. Gerade als er sich über die Brüstung beugte, um unten im Stadtgraben exerzierenden Truppen zuzusehen, sprang der 21jährige ungarische Schneidergeselle János Libényi von hinten auf ihn los und stieß ihm ein langes Küchenmesser in den Nacken. Da Franz Joseph auf den erschrockenen Aufschrei einer Passantin hin noch den Kopf drehte, glitt die Klinge am dicken Kragen seiner Dragoneruniform ab und verursachte bloß eine relativ kleine, allerdings stark blutende Wunde am Hinterkopf.
Ehe Libényi ein zweites Mal zustechen konnte, fiel ihm O´Donell in den Arm; im folgenden Handgemenge stürzten beide zu Boden. Den Ausschlag gab schließlich der mutige Einsatz des vorbeikommenden Fleischhauermeisters Joseph Ettenreich. Er eilte hinzu und hielt den verzweifelt kämpfenden Attentäter bis zum Eintreffen der Wache fest. Unterdessen geleitete O´Donell den verwundeten Kaiser vorbei an der zusammenströmenden Menge ins benachbarte Albrechtspalais (Albertina). Eingedenk der kurz zuvor in Mailand von italienischen Nationalisten ermordeten österreichischen Offiziere lautete Franz Josephs klarsichtige erste Reaktion: „Jetzt hat man die Mailänder Geschichte auch an mir probiert.“
Tatsächlich war er als höchstes Symbol der erst 1848/49 erfolgten blutigen Niederschlagung der Revolution für viele auch erstes Ziel ihres Hasses. Aus Napoleons Zeilen spricht neben Schmeichelei auch echte Betroffenheit: Einem politischen Hasardeur wie ihm musste für sich selbst umso schmerzlicher bewusst werden, wie schnell alle Herrlichkeit durch die Tat eines einzelnen, unbedeutenden Mannes zu Ende sein konnte.
Signatur: HHStA Kabinettsarchiv Geheimakten 4
Gerhard Gonsa
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