Drei Juristenportraits aus der Ersten RepublikGeorg Froehlich, Robert Bartsch und Georg Fleischer
Vortrag in der Reihe „Aus der Werkstatt der Forschung“
am Dienstag, den 15. Februar 2011um 16:00 Uhrim Haus-, Hof- und StaatsarchivDachfoyerMinoritenplatz 11014 Wien
Referent:Univ.-Prof. Dr. Clemens JablonerPräsident des Verwaltungsgerichtshofes
Anmeldung bitte anstabpost@oesta.gv.at oderTel.:+43-1-79540-115
Georg Froehlich, geb. 1872, war ein maßgebender Verfassungslegist der Jahre 1918 – 1929 (Mitautor des ersten Kommentars zur Bundesverfassung von 1920, dem “Kelsen/Froehlich/Merkl“), Leiter des legistischen Dienstes des Bundeskanzleramtes, 1930 Vizepraesident des Verfassungsgerichtshofes, 1934 a.o. Mitglied des Bundesgerichtshofes - ein Mann der Verfassungsnovelle 1929, nicht mehr der Verfassung 1934.Nach dem Anschluss wegen seiner jüdischen Herkunft verfolgt, erlebte er den Zusammenbruch seiner Welt.
Bartsch, geb. 1874, war Beamter im Sozial- und Justizministerium, habilitierter Universitätslehrer (“Bartsch/Pollak, Konkursrecht“), ab 1922 Mitglied des Verwaltungs-, später des Bundesgerichtshofes. Er verstand sich als Nationalsozialist, lavierte gleichwohl zwischen den politischen Lagern und hatte vielfältige Verbindungen. Bartsch war eine interessante Persönlichkeit, die umfangreiche Selbstzeugnisse hinterlassen hat.
Fleischer, geb. 1904, war ein von Haus aus begüterter Sozialdemokrat, der dem Kreis um Hans Kelsen angehörte. In Verbindung mit Ernst Karl Winter 1933 suchte er 1933 einen Weg zurück zur parlamentarischen Demokratie und beeinflusste eine Aktion Karl Renners. In der „Systemzeit“ unterhielt er einen wissenschaftlichen Salon und führte die Tradition der Wiener Moderne fort. Er emigriert 1938 in die USA.
An den Biographien dieser drei Juristen können individuelle Reaktionen auf das Zeitgeschehen beleuchtet werden.