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Allgemein zu Familienforschung (Personenforschung)

Familienforschung (genealogische Forschung) ist zeitaufwendig. Entgegen einer weit verbreiteten Hoffnung gibt es auch im Österreichischen Staatsarchiv leider keine "Personenzentralkartei", in der einfach unter dem Namen des/der Gesuchten nachgeschlagen werden könnte.

Gruppenfoto aus dem Ersten Weltkrieg

Im Folgenden geben wir Ihnen einige allgemeine Informationen über Möglichkeiten genealogischer Forschung in den Beständen des Österreichischen Staatsarchivs.

Abteilungsspezifische Detailangaben finden Sie teilweise auch bei den einzelnen Abteilungen unter dem Menüpunkt "Forschungstipps". Die über die Bereitstellung von Material hinausgehenden kostenpflichtigen Serviceangebote des Staatsarchivs werden unter Anfragen erläutert.

Basisdaten und Vorkenntnisse

Sie benötigen für erfolgreiche genealogische (biographische) Recherchen im Österreichischen Staatsarchiv einerseits Grunddaten (Geburts- und Sterbedaten, Laufbahnangaben usw.) über die gesuchte(n) Person(en), die sich oft aus Familienpapieren gewinnen lassen, andererseits bestimmte Vorkenntnisse (etwa der deutschen Sprache und der deutschen Schreibschrift).

Brauchbare praxisbezogene Einstiegshilfen bieten insbesondere:

  • Henning, Eckart/Ribbe, Wolfgang (Hrsg.): Taschenbuch für Familiengeschichtsforschung. 13. Aufl. Insingen 2006, für Österreich speziell Hederer, Kerstin/Kluger, Rupert: Tipps für Familienforscher in Österreich. Salzburg 2005 (Schriftenreihe der Diözesanarchive Österreichs 1);
  • Riepl, Reinhard: Wörterbuch zur Familien- und Heimatforschung in Österreich. Waldkraiburg 2. Aufl. 2004.
  • Mit regionalem Schwerpunkt Mayrhofer, Willibald: Quellenerläuterungen für Haus- und Familienforscher in Oberösterreich. 2. Aufl. Linz 1992.
  • Für den Großraum Wien: Geyer, Rudolf: Familiengeschichtliche Quellen in Wiener Archiven. In: Familiengeschichtliche Blätter 28 (1930), Sp. 1-22;
  • Gall, Franz: Biographische Forschungsmöglichkeiten in Wiener Archiven. In: Anzeiger der phil.-hist. Klasse der Österreichischen Akademie der Wissenschaften 1962, S. 155-165.

Vorbereitendes Literaturstudium

Schriftproben aus verschiedenen Jahrhunderten

Handelt es sich um historische Persönlichkeiten von Rang, so empfiehlt es sich zunächst, einschlägige biographische Nachschlagewerke einzusehen. Einige sind bereits über das Internet konsultierbar (vgl. unsere Linksammlung).

Ansonsten stehen Ihnen immerhin – zum Beispiel in der Bibliothek des Österreichischen Staatsarchivs – Behördenschematismen, Hof- und Staatskalender und Amtskalender etc. zur Verfügung.

Die so gewonnenen Erkenntnisse bieten Ihnen bereits entweder einen Teil der gesuchten Informationen oder aber doch zumindest wichtige Anhalte für die Weiterarbeit.

Zuständigkeit des Österreichischen Staatsarchivs

Der geographische Einzugsbereich erstreckt sich, der territorialen Ausdehnung der Monarchie über die Jahrhunderte entsprechend, vom heutigen Belgien bis nach Sizilien, vom Elsaß bis in die Ukraine.

Historischer Stammbaum

Natur und Aufbau des Archivguts erfordern spezielle Suchtechniken. Die in den einzelnen Abteilungen des Österreichischen Staatsarchivs verwahrten Archivbestände sind in der Regel nach Behörden und damit nach (Sach-)Zuständigkeiten gegliedert.

Das Österreichische Staatsarchiv archiviert im wesentlichen das Schriftgut der obersten Organe und der Zentralbehörden (Ministerien) der Habsburgermonarchie und der Republik Österreich ab 1526.

Das Österreichische Staatsarchiv verwahrt daher in personengeschichtlicher Hinsicht hauptsächlich Material über die Bediensteten dieser Zentralstellen (meist in den Teilbeständen "Präsidium") und nachgeordneter Dienststellen sowie über Personen, die mit diesen Behörden in irgendeiner Weise als Bitt- oder Antragsteller, Beschwerdeführer oder Prozessgegner in Kontakt getreten sind oder für die diese Behörde Gerichtsstand in Zivilrechtssachen und Abhandlungsinstanz im Nachlassverfahren gewesen ist.

Bitte bedenken Sie, dass Personalakten in unserem modernen Verständnis frühestens eine Entwicklung des (späten) 19. Jahrhunderts sind und für die Zeit davor Personaldaten meist nicht kompakt gesammelt vorliegen.

Die in der Regel depotweise hinterlegten Familienarchive, die persönlichen Schriftennachlässe und die in das Österreichische Staatsarchiv gelangten Herrschaftsarchive (überwiegend Kameralherrschaften und Privatherrschaften der Familie Habsburg-Lothringen) erweitern den Einzugsbereich in wesentlichen Punkten.

Details zu relevanten Bestandsgruppen und Beständen der einzelnen Abteilungen des Österreichischen Staatsarchivs finden Sie in den entsprechenden Unterpunkten dieses Menüpunktes.

Ansatzpunkte

Gipsbüste aus der Sammlung des Kriegsarchivs

Grundvoraussetzung Ihrer genealogischen Forschung im Staatsarchiv ist die Ermittlung von Berührungspunkten, die es zwischen dem Lebensweg der von Ihnen bearbeiteten Person und kaiserlichen, kaiserlich-königlichen, k. u. k., österreichischen oder NS-Stellen gegeben haben kann.

Sind Berührungspunkte nicht anzunehmen, sollten Sie Ihre Forschungen auf andere Archive wie ein möglicherweise zuständiges Stadt- oder Landesarchiv konzentrieren, im Großraum Wien etwa das Wiener Stadt- und Landesarchiv, auf dessen Website sie Wien-spezifische Tipps für Genealogen finden.

Das Österreichische Staatsarchiv verwahrt mit Ausnahme der Militärkirchenbücher (17.-20. Jahrhundert) keine Pfarrmatriken (Tauf-, Trauungs- und Begräbnisbücher, bis 1938) oder Personenstandsbücher (ab 1939, in Gebieten unter französischer Herrschaft schon kurzfristig Anfang des 19. Jahrhunderts).

Matriken und Personenstandsbücher sind in den Pfarren, den Diözesanarchiven, bei den zuständigen staatlich anerkannten Religionsgemeinschaften und schließlich bei den Standesämtern zu suchen, in Wien bei der Magistratsabteilung für Staatsbürgerschafts- und Personenstandsangelegenheiten (MA 35). In anderen Nachfolgestaaten wurden die kirchlichen Matriken vielfach in staatliche Archive überführt.

Vgl. Geyer, Rudolf: Handbuch der Wiener Matriken. Ein Hilfswerk für Matrikenführer und Familienforscher. Wien 1928–29 oder Beimrohr, Wilfried: Die Matriken (Personenstandsbücher) der Diözese Innsbruck und des Tiroler Anteils der Erzdiözese Salzburg. Innsbruck 1987 (Tiroler Geschichtsquellen 17). Eine Gesamtübersicht für den Bereich der Habsburgermonarchie mit nützlichen Tipps unter www.ihff.at.

Melde- und Heimatrechtsunterlagen befinden sich in Verwahrung der zuständigen Kommunalarchive beziehungsweise bei den Meldeämtern, für Wien zum Beispiel im Wiener Stadt- und Landesarchiv (1911–1975).

Voranmeldung

In jedem Fall empfiehlt es sich, einen geplanten Besuch im Österreichischen Staatsarchiv rechtzeitig schriftlich anzumelden und das Forschungsanliegen kurz darzulegen.

Auf diese Weise geben Sie uns die Möglichkeit, Sie schon vorab über konkrete Recherchemöglichkeiten aufzuklären oder Sie gegebenenfalls auch auf die Aussichtslosigkeit geplanter Nachforschungen aufmerksam zu machen.

Weitere nützliche Kontakte

Heraldisch-Genealogische Gesellschaft Adler 
Universitätsstraße 6 
1096 Wien 
Telefon: +43 1 409 25 78
E-Mail: office@adler-wien.at 
Web: www.adler-wien.at
Angebot: große genealogische Fachbibliothek, Herausgeber der Zeitschrift und des Jahrbuchs ADLER

Herold. Verein für Heraldik, Genealogie und verwandte Wissenschaften zu Berlin 
Archivstraße 12-14
D-14195 Berlin-Dahlem 
Telefon: +49 30 83901 100
Web: www.vereine.genealogy.net/herold
Angebot: Bibliothek, genealogischer Auskunftsdienst, Herausgeber des Herold-Jahrbuchs

Genealogical Society of Utah
50 East North Temple
Salt Lake City, UT 84150
 USA
Telefon: +1 801 538 2978
Fax: 1-801-240-1448 
E-Mail: society@gensocietyofutah.org
Web: www.familysearch.org/archives
Angebot: Zweig- und Informationsstellen in vielen Ländern der Welt (größte genealogisch-familiengeschichtliche Bibliothek weltweit, Mikroverfilmungen und Digitalisierungen von Kirchenbüchern und personenbezogenem Schriftgut)

Weitere nützliche Internetadressen finden Sie in unserer Linksammlung "Internetressourcen für Genealogen".