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Familienforschung: Archiv der Republik

Wehrstammkarte 1938–1945

Oberste Organe und alle Fachministerien der 1. und 2. Republik (Unterricht und Justiz erst ab 1945!) – Behörden und Dienststellen der NS-Zeit.

Unmittelbar personenbezogenes Schriftgut z. B.: Berufstitel- und Ehrenzeichenverleihungen durch den Bundespräsidenten; Gaupersonalamt des Gaues Wien ("Gauakten"); Schriftgut zu während der NS-Zeit enteignetem jüdischem Vermögen ("Vermögensverkehrsstelle") und Entschädigungen ab 1955 (Hilfsfonds); Personalia für an Wiener Universitäten bzw. Hochschulen beschäftigte Personen während der NS-Zeit ("Kurator"); Personalsachen der Bundestheaterverwaltung sowie des Burgtheaters und der Staatsoper ab 1920; Personalunterlagen des 1. Österreichischen Bundesheeres (1918–1938); Personalunterlagen betreffend Österreicher in der Deutschen Wehrmacht (Personalunterlagen, Wehrstammbücher, Gebührniskarten, Reichsarbeitsdienst, Wehrmachtsgerichtsakten, Lazarettunterlagen usw.); Personalakten des 2. Österreichischen Bundesheeres (1956 ff.); Pensionsakten von Bundesbediensteten (Zentralbesoldungsamt bzw. Bundespensionsamt).

Ein großer Teil der Personalakten der Deutschen Wehrmacht, auch österreichischer Angehöriger, war bis 2005 im Deutschen Bundesarchiv, Zentralnachweisstelle, in Aachen-Kornelimünster zu suchen. Nunmehr ist für Verwaltung und Auskunfterteilung bundesarchivseitig die Abteilung Militärarchiv zuständig (Wiesentalstraße 10, D-79115 Freiburg, militaerarchiv@barch.bund.de), das vom Schriftgut der Zentralnachweisstelle u.a. die Personalakten der Offiziere von Heer und Luftwaffe sowie der Wehrmachtsbeamten und Militärgerichtsakten übernommen hat. In Freiburg wird auch das für die allgemeine Militärgeschichte des 2. Weltkriegs relevante Archivgut verwahrt. Ein hoher Prozentsatz der personenbezogenen Wehrmachtsmaterialien ist noch im Krieg der Vernichtung zum Opfer gefallen. Sehr wichtiges Material, darunter auch ehemaliges Schriftgut der Zentralnachweisstelle (Wehrstammbücher von Unteroffizieren und Mannschaften), befindet sich bei der Deutschen Dienststelle (WASt) und dem so genannten Krankenbuchlager, beides Behörden des Landes Berlin. Vgl. im Detail Dillgard, Georg: Die Zentralnachweisstelle des Bundesarchivs und die Abwicklung wehr- und militärrechtlicher personeller Angelegenheiten aus der Zeit bis 8. Mai 1945. In: Friedrich Kahlenberg (hrsg.), Aus der Arbeit der Archive. Beiträge zum Archivwesen, zur Quellenkunde und zur Geschichte. Festschrift für Hans Booms. Boppard 1989, S. 257-269; Büttner, Edgar: Personenbezogene Unterlagen militärischer Provenienz im Bundesarchiv. In: Der Archivar 59 (2006), S. 143-146.

Das Archiv der Republik verwahrt keine Gestapo- oder SD-Akten, keine Akten von NSDAP-Stellen (außer den "Gauakten") und auch – außer gegebenenfalls in Personalakten – keine Ahnenpässe, Ariernachweise usw. Im Archiv der Republik befinden sich auch keine "Entnazifizierungsakten" (Registrierungsakten) im engeren Sinne, KZ-Unterlagen oder Schriftgut der "Zentralstelle für jüdische Auswanderung". Zu komplementärer Überlieferung in Deutschland vgl. Stach, Babett: Personenbezogene Unterlagen aus der Zeit des Nationalsozialismus. Das Bundesarchiv in Berlin und seine Bestände, insbesondere des ehemaligen amerikanischen Berlin Document Centre BDC. In: Herold Jahrbuch NF 5 (2000), S. 147-186.

Weiterführende Literatur:

  • Steiner, Hubert/Kucsera, Christian: "Recht als Unrecht". Quellen zur wirtschaftlichen Entrechtung der Wiener Juden durch die Vermögensverkehrsstelle. Wien 1993, als Datenbank www.avotaynu.com;
  • Artl, Gerhard: Die Bestandsgruppen Landesverteidigung und Deutsche Wehrmacht im Archiv der Republik. In: Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 49 (2001) = Quellen zur Militärgeschichte 200 Jahre Kriegsarchiv, S. 221-236;
  • Jeřábek, Rudolf: Entnazifizierungsakten im Österreichischen Staatsarchiv. In: Walter Schuster, Wolfgang Weber (Hrsg.): Entnazifizierung im regionalen Vergleich. Linz 2004 (Historisches Jahrbuch der Stadt Linz 2002), S. 529-550;
  • Jeřábek, Rudolf: Personalakten. Was soll vom Individuum bleiben? Archivische Bewertung von personenbezogenen Unterlagen. In: Scrinium 59 (2005), S. 59-68.
  • Findbuch für Opfer des Nationalsozialismus

Forschungstipps: