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Antrag auf Gründung eines Marine-Archivs

Fast genau vor 140 Jahren stellte der provisorische Seebezirkskommandant von Triest, Linienschiffskapitän Johann Carl Pauer von Budahegy, am 7. August 1879 einen Antrag auf Gründung eines Marine-Archivs. Obzwar es danach noch 4 ½ Jahre dauern sollte bis die Marinesektion die Einrichtung eines solchen per Erlass verfügte, kann diese Initiative als Ausgangspunkt einer Diskussion gesehen werden, die aus heutiger Sicht einen glücklichen Ausgang fand.

Antrag an das k.k. Reichs Kriegs Ministerium, Section Marine © OeStA

Intentionen zur Aufbewahrung alter Akten hatten sich schon nach der zweiten Übernahme der venezianischen Marine im Jahr 1814 bemerkbar gemacht. Damals ordnete das Marinekommando die Transferierung von die Marine betreffendes Material aus Mailand nach Venedig an. Die übernehmende Sammelstelle war jedoch wenig mehr als eine erweiterte Registratur für den Dienstgebrauch. Daran änderte sich auch nach der Verlegung des Marineoberkommandositzes von Venedig nach Triest 1849 nicht viel, wenngleich die Altregistratur bis 1866 zurückblieb. Weitere Sammelstellen von altem Aktenmaterial entstanden dann in den 1860er Jahren in Pola und Fiume.

Selbst als ab 1864 immer intensivere historische Arbeiten mit diesen Beständen einsetzten, konnte man sich weder dazu durchringen diese dem Kriegsarchiv in Wien zur zentralen Verwahrung anzuvertrauen, noch eine eigene Institution ins Leben zu rufen. Pauers Antrag machte nun nicht nur konkrete Vorschläge, sondern rückte auch das historische Interesse als einen Aspekt in den Mittelpunkt. Er ließ, wie in seinem Schreiben angekündigt, im September desselben Jahres noch einen Bericht mit einem konkreten Unterbringungsvorschlag sowie einen Statutenentwurf folgen.

Die Marinesektion antwortete allerdings erst nach neuerlichem Urgieren seitens des Seebezirkskommandos Mitte März 1880. Trotz einer positiven Stellungnahme durch den Leiter der Präsidialkanzlei, Linienschiffskapitän Maximilian Ritter von Pitner, entschied sich der Chef der Marinesektion, Vizeadmiral Friedrich Freiherr von Pöck, für die Beibehaltung von Provisorien. Pitner setzte sich in der Folge aber wiederholt für eine geeignete Marinearchivlösung ein. Diese wurde schließlich 1884 genehmigt, wobei man auf wesentliche Elemente aus Pauers Anregungen zurückgriff.

Für die heutige Forschung ergibt sich daraus eine überaus positive Wirkung. Trotz der kurzen Zeitspanne während derer Österreich über eine „richtige“ Marine verfügte und den Folgen zweier Weltkriege, beherbergt das Kriegsarchiv einen beachtlichen Schatz an maritimen Wissensquellen. Dieser speist sich neben den Materialien der Zentralstellen auch aus vielen Akten der Unter- und Mittelbehörden und steht dem Interessierten auch heute noch offen.

Harald Fiedler

Signatur: ÖSTA/KA, Kriegsmarine, Zentralstellen, MS/PK, 1883, Kt. 185, IX-6/1 Nr. 2264 (beigelegt)

Rainer Egger, Das Kriegsarchiv Wien. In: Militärgeschichtliche Mitteilungen (H.1, Wien 1972) 127-135

Walter Wagner, Das Archiv der k.u.k. Kriegsmarine im Kriegsarchiv Wien. In: Österreich zu See (Schriften des Heeresgeschichtlichen Museums-Militärwissenschaftlichen Instituts 8, Wien 1980) 91-107

Walter Wagner, Die Gründung des Marine-Zentralarchivs in Triest. In: Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 28 (Wien 1975) 319-337

Publikationen des Österreichischen Staatsarchivs hg. von der Generaldirektion, Inventare Österreichischer Archive. II. Serie. VIII. Inventar des Kriegsarchivs Wien, in 2 Bde., 2. Bd. (Wien 1953) 52-68