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Eine Taufe als Mittel kaiserlicher Propaganda in Rom 1718

Im Jahr 1718 war die politische Situation zwischen Kaiser Karl VI., dem spanischen König Philipp V. und Papst Klemens XI., der von Wien als bourbonenfreundlich eingestuft wurde, trotz der Beendigung des Spanischen Erbfolgekrieges, weiterhin angespannt. Der kaiserlichen diplomatischen Vertretung beim Heiligen Stuhl kam daher eine besondere Bedeutung. Sie war zu diesem Zeitpunkt mit Botschafter Johann Wenzel Graf Gallas besetzt. Die kaiserlichen Botschafter dieser Zeit nutzten alle ihnen zur Verfügung stehenden Mittel für Propaganda im Sinne der österreichischen Habsburger und setzten dafür auch ihre Gattinnen oder, wie im folgenden Fall detaillierter beschrieben, auch ihre in Rom während der Mission geborenen Kinder ein, deren Taufen sie in der deutschen Nationalkirche in Rom, Santa Maria dell'Anima, als prunkvolle Feste inszenierten.

 Im Falle der am 17. Jänner 1718 geborenen Maria Elisabeth Gräfin Gallas wäre es aber fast nicht dazu gekommen: aus dem hier ausgestellten Taufschein ersichtlich wird, dass sofort nach ihrer Geburt eine Nottaufe vorgenommen wurde, da man um ihr Leben fürchtete. Doch im Mai 1718 hatte sie sich soweit erholt, dass eine weitaus prunkvollere Tauffeier in Santa Maria dell'Anima stattfinden konnte, die ihre Eltern Johann Wenzel Graf Gallas und Maria Ernestine, geborene Gräfin Dietrichstein, dazu nützten ein glanzvolles Bild der kaiserlichen Herrschaft zu vermitteln.

Taufschein © OESTA

Man hatte zu diesem Zweck illustre Taufpaten gewählt: den regierenden Papst Klemens XI. Albani und die Kaiserin Elisabeth Christine. Beide nahmen an der Zeremonie nicht teil und ließen sich vertreten, der Papst durch seinen Kardinalnepoten und die Kaiserin durch Flaminia principessa Borghese Odescalchi, eine Tochter des früheren österreichischen Vizekönigs von Neapel Marcantonio principe Borghese und damit Mitglied eines der führenden römischen Adelsgeschlechter. Beide Elternteile des Täuflings blickten bereits auf eine Karriere am Wiener Hof und in der Diplomatie zurück. Der Vater Johann Wenzel Graf Gallas hatte Botschafterposten in London und Den Haag bekleidet und war Obersthofmeister bei der Schwester des Kaisers, Erzherzogin Maria Elisabeth, der späteren Statthalterin der Österreichischen Niederlande. Die Mutter Maria Ernestine Gräfin Gallas stand in vertrauter Beziehung zur Kaiserin, in deren Hofstaat sie vor der Eheschließung „Kammerfräulein“ gewesen war. Der hier ausgestellte eigenhändige Brief von Elisabeth Christine, gibt Zeugnis davon, denn die Kaiserin wünschte ihrer […] lieben Gallaschin […] im November 1717 eine glückliche Niederkunft und einen männlichen Nachkommen: […] und wünsche […] glücklich niederkommen und ein buben […]. Auch wenn sich dieser Wunsch nicht erfüllte, wurde durch die Tauffeier ein deutliches Signal im Sinne der kaiserlichen Italienpolitik der österreichischen Habsburger gesetzt.

Brief Elisabeth Christine © OESTA

Signatur: AT-OeStA/AVA FA Harrach Fam. in spec. 780.51: Kaiserin Elisabeth Christine an Maria Ernestine Gräfin Gallas; Wien, 27.November 1717
AT-OeStA/AVA FA Harrach Fam. in spec. 780.53: Taufschein von Maria Elisabeth Gräfin Gallas; Rom, 24. Mai 1719

Pia Wallnig