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Familienforschung: Haus-, Hof- und Staatsarchiv

Oberste Behörden des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation (bis 1806), Reichshofrat und Reichskanzlei – oberste Hofbehörden (Obersthofmeisteramt, Obersthofmarschallamt, Oberstkämmereramt, Oberst-Stallmeisteramt) – die für die Leitung der habsburgischen Außenpolitik zuständigen Behörden (Staatskanzlei ab 1741, Ministerium des kaiserlichen Hauses und des Äußern) – Diplomatischer Dienst – oberste Verwaltungsbehörden für die belgischen und italienischen Provinzen (ca. 1714–1797).

Unmittelbar personenbezogenes Archivgut

  • Reichsregister; Gratialia und Feudalia der Reichshofkanzlei
  • Prozessakten des Reichshofrats; Kämmererstammbäume und Ahnenproben
  • Ordensarchive (Franz-Joseph-Orden, Orden der Eisernen Krone, Leopold Orden, Ehrenzeichen für Kunst und Wissenschaft, Geistliches Verdienstkreuz, Militärverdienstkreuz, Goldenes Vlies)
  • Personalsachen der Bediensteten der Hoftheater; Testamente und Verlassenschaftsakten von Personal der obersten Reichsbehörden und Rechtsunterworfenen des Obersthofmarschallamts
  • Familienarchive
  • Nachlässe

Weiterführende Literatur:

  • Grill, Heinz: Die familiengeschichtlichen Quellen des Haus-, Hof- und Staatsarchivs. In: Jahrbuch Adler 3 (1947–1950), Seite 19-24;
  • Hochedlinger, Michael: Archivarischer Vandalismus? Zur Überlieferungsgeschichte frühneuzeitlicher Testamente und Verlassenschaftsabhandlungen in Österreich. In: Archivalische Zeitschrift 84 (2001), Seite 289-364;
  • Hochedlinger, Michael: Militärhistorisch relevantes Archivgut im Haus-, Hof- und Staatsarchiv. In: Quellen zur Militärgeschichte. 200 Jahre Kriegsarchiv. Wien 2001 (Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 49), Seite 257-284.

Die Wiener Hofgesellschaft während der Regierungszeit Kaiser Leopolds I. (1657-1705)

Die Wiener Hofgesellschaft und die Mitglieder der Hofstaatsverwaltungen während der Regierung Kaiser Leopolds I. (1657/58-1705) sind in ihrer sozialen Gesamtheit und Komplexität von der Geschichtsforschung bisher nicht behandelt worden. Dieser Aufgabe hat sich ein vom Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung bewilligtes und in den Jahren 2001-2005 durchgeführtes Projekt (Nr. P 15209) angenommen, das durch eine detaillierte prosopographische Erfassung aller Angehörigen des Hofes Personenstruktur und Zuständigkeitsbereiche der Hofämter und ihrer Mitglieder erfassen und in ihren Funktionen sowie in ihrer Vernetzung analysieren sollte. Es ordnete sich damit in aktuelle Aktivitäten der Hof- und Residenzforschung ein, die in Österreich nicht zuletzt durch die Arbeitsgruppe "Die Höfe des Hauses Österreich" bei der Historischen Kommission der Österreichischen Akademie der Wissenschaften nachhaltig gefördert wird. Die Regierungszeit Leopolds I. wurde wegen ihrer sich fast über ein halbes Jahrhundert erstreckenden Dauer bewusst ausgewählt; um das gesamte Gefüge des Hofes berücksichtigen zu können, wurden neben dem Hofstaat des Kaisers jener der Kaiserinwitwe Eleonore von Gonzaga, der 3 Gattinnen Leopolds I. sowie seiner Kinder in die Untersuchung miteinbezogen.

Ausgewertet wurden dazu Hofstaatsverzeichnisse, Hofzahlamtsbücher, Adelsakten, Totenbeschauprotokolle und Ehematriken aus dem Haus-, Hof- und Staatsarchiv, dem Hofkammerarchiv, dem Allgemeinen Verwaltungsarchiv, dem Wiener Stadt- und Landesarchiv sowie aus den Archiven der Pfarren von St. Stephan und St. Michael. Das Ergebnis wird im folgenden in 3 großen Datenblöcken präsentiert. Ein erster Teil enthält die Angaben aus allen erfaßten Hofstaatsverzeichnissen und Schematismen, ein zweiter das umfangreiche Material aus den in Jahresbänden überlieferten Hofzahlamtsbüchern, während der dritte Teil persönliche Daten aus Adelsakten, Ehematriken und Totenbeschauprotokollen umfaßt. Mit diesen Datenblöcken wird der Forschung ein umfangreiches Material zugänglich gemacht, das nicht nur für Abfragen nach einzelnen Personen verwendet werden kann sondern auch zu jenen zukünftigen Analysen anregen soll, die im Rahmen des Projekts aus Zeitmangel nicht möglich waren.

Das Projekt kam auf Anregung von Dr. Stefan Sienell (Archiv der Österreichischen Akademie der Wissenschaften) zustande, der auch einen wesentlichen Anteil am Projektantrag hatte, und wurde von Hon.- Prof. Dr. Leopold Auer geleitet. Mitarbeiter waren - in der chronologischen Folge ihrer Beteiligung - Dr. Sigrid Freisleben, Dr. Johannes Werfring, Mag. Ulrike Denk und Dr. Katharina Arnegger.

Literatur

  • Stefan Sienell, Die Wiener Hofstaate zur Zeit Leopolds I., in: Klaus Malettke, Chantal Grell unter Mitwirkung von Petra Holz (Herausgeber), Hofgesellschaft und Höflinge an europäischen Fürstenhöfen in der Frühen Neuzeit (15.-18. Jahrhundert) Münster 2001 Seite 91-111
  • Sigrid Freisleben, Elisabeth Hilscher, Christine Ottner, Stefan Sienell, Die Wiener Hofgesellschaft während der Regierungszeit Kaiser Leopolds I. (1657-1705). Eine Projektvorschau, in: Mitteilungen der Residenzen-Kommission der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen 12 (2002), Seite 30-39

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