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Josephinische Landesaufnahme von Ostgalizien

Die Josephinische Landesaufnahme – auch als Erste Landesaufnahme, Kriegs - oder Militärkarte bezeichnet – wurde in den Jahren 1763 bis 1787 in knapp über 4000 Einzelsektionen erstellt. Nach dem Siebenjährigen Krieg, im Verlauf dessen Maria Theresia erfolglos versucht hatte, das von Preußen usurpierte Schlesien zurückzugewinnen, war man in Wien zur Überzeugung gelangt, dass der Mangel an aktuellen und genauen Landkarten eine zügige Truppenbewegung der kaiserlichen Armee verhindert habe. Deshalb erteilte Maria Theresia 1764 an den Hofkriegsratspräsidenten Leopold Graf Daun den Befehl zur umfassenden Vermessung und kartografischen Darstellung des gesamten habsburgischen Herrschaftskomplexes. Bald setzte sich im Sprachgebrauch der Begriff "Josephinische" Landesaufnahme durch, da ihr Sohn Joseph II. die Aufnahmearbeiten persönlich energisch vorantrieb. In knapp über zwei Jahrzehnten wurde somit ein großer Teil Europas, im Westen inklusive den Österreichischen Niederlanden (dem heutigen Belgien), im Süden bis weit nach Italien und im Osten bis in heute ukrainisches Gebiet reichend, meist im Maßstab 1 : 28 800 – ein Wiener Zoll (=26 mm) auf der Karte entsprach 400 Wiener Klaftern (758,6 m) – durch Ingenieuroffiziere des Generalquartiermeisterstabes unter Assistenz lokaler Garnisonen vermessen, beschrieben und kartografisch dargestellt.

Von Anfang an lagen die fertiggestellten Originalblätter in der eigens eingerichteten Kartensammlung des Kriegsarchivs in Wien. Ab Mitte der 1960er-Jahre wurden die Blätter der Ferraris-Karte, die die Erste Landesaufnahme Belgiens darstellt, ediert; ab 1995 begann man die Edition der "Josephinischen Landesaufnahme für das Gebiet der Republik Slowenien" – eine äußerst akribische Arbeit mit Ortsnamenskonkordanzen für slowenische, ungarische, italienische und deutsche Schreibweisen. Es folgte ein ähnliches Werk für das Territorium der Republik Kroatien. Parallel dazu edierte das historische Institut der Firma Benetton die Erste Landesaufnahme Venetiens, die insofern eine Besonderheit darstellt, als diese Provinz erst 1797 in den Verband der österreichischen Monarchie gelangte, so dass die um 1800 erstellten Kartenwerke als "Nachzügler" betrachtet werden. Ähnliches gilt für die sogenannte Schmitt’sche Karte von Südwestdeutschland, deren Einzelblätter teilweise um 1990 von deutschen Landesvermessungsämtern lose herausgegeben wurden. Das quantitativ umfangreichste Werk stellt die Edition der (Ost-) Galizien – und somit auch Teile der Ukraine – betreffenden Sektionen dar, womit 2012 von mehreren polnischen Universitäten begonnenen wurde: http://www.iaepan.vot.pl/. Eine Edition der allerdings bereits im 19. Jahrhundert gezeichneten Blätter von Westgalizien ist in Planung. Darüber hinaus sind alle Blätter der Josephinischen Landesaufnahme sowie der Franziszeischen und Franzisco-Josephinischen–Landesaufnahme unter dem Titel "Mapire" von der Homepage des Österreichischen Staatsarchivs elektronisch abrufbar: https://mapire.eu/de/