Inhalt

Familienforschung: Kriegsarchiv

Militärische Zentralbehörden (Hofkriegsrat, Kriegsministerium) – Mittelbehörden – Territorialkommanden – Militärgerichtsarchiv – Militärerziehungs- und Bildungsanstalten – Kriegsmarine – Bildersammlung.

Unmittelbar personenbezogenes Archivgut

  • Musterlisten nach Truppenkörpern (1740–1820)
  • Grundbuchblätter nach Truppenkörpern (1820–1868)
  • Grundbuchblätter nach Ergänzungsbezirken oder Ländern (1868–1918)
  • Militärmatriken
  • Verlustübersichten 1. Weltkrieg (Totenkartei, phonetischer Kataster)
  • Kriegsgefangenenübersichten 1. Weltkrieg
  • Kriegsgräberevidenz 1. Weltkrieg
  • Stellungslisten und Assentprotokolle
  • Conduitelisten (Beschreibungen) der Offiziere (ab ca. 1820)
  • Qualifikationslisten der Offiziere (1869–1918)
  • Rang- und Einteilungslisten 1914–1918, Stabs- und Pensionsprotokolle; "Versorgungsakten" 1919 ff.
  • Belohnungsakten (Tapferkeitsmedaille usw., "Alte" und "Neue" Belohnungsakten)
  • Archiv des Militär-Maria-Theresien-Ordens
  • Judicium delegatum des Generalkommandos Wien
  • militärische Nachlässe

Personenforschung (Familienforschung) ist zeitaufwändig

Das Kriegsarchiv verwahrt keineswegs alle militärischen Personalunterlagen aus der Zeit vor 1918. Die Evidenzführung war seit 1868 dezentralisiert, so dass beim Zusammenbruch der Monarchie die entsprechenden Unterlagen in den Ländern beziehungsweise in den Nachfolgestaaten zurückblieben:

Salzburg: Stellungslisten und Assentprotokolle, Verlustlisten Infanterieregiment 59, Grundbuchblätter Geburtsjahrgänge 1865-1900; 
Wehrevidenzstelle Salzburg 
Salzburger Landesarchiv
Michael-Pacher-Straße 40
A-5010 Salzburg

Tirol: Registraturen der Kaiserjägerregimenter, Grundbücher der Kaiserjäger 1816–1884, Grundbuchblätter Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol ca. 1850–1900, Stellungslisten- und Assentprotokolle, Wehrstammbücher und Gebührniskarten etc. 1938–1945;
Tiroler Landesarchiv
Michael-Gaismair-Straße 1
A-6010 Innsbruck

Vorarlberg: Evidenzprotokolle für Heer und Landwehr 1872–1915, Landsturmrollen 1862–1898, Grundbuchblätter Geburtsjahrgänge 1865–1898, Wehrstammbücher und Wehrstammblätter 1938–1945, Heimkehrerstelle 1945 ff. usw.;
Vorarlberger Landesarchiv
Kirchstraße 28
A-6900 Bregenz

Südtirol: Grundbuchblätter/Personalevidenzblätter Geburtsjahrgänge 1876–1924 (spätere italienische Formulare), Matrikelbücher Geburtsjahrgänge 1877 ff., Stellungslisten und Sturmrollen 1859–1885;
Archivio di Stato di Bolzano
Armando-Diaz-Straße 8
I-39100 Bozen

Triest-Küstenland (Teile Kärntens): Grundbuchblätter und Spitalsvormerkblätter Geburtsjahrgänge 1860–1900, Stellungslisten und Assentprotokolle Geburtsjahrgänge 1856–1897, Landsturmrollen Geburtsjahrgänge 1862–1900;
Archivio di Stato di Trieste
Via Lamarmora 17
I-34139 Trieste

Ungarn: Militärmatriken (Feldsuperiorat Ofen/Budapest 1762–1922 sowie verschiedener Anstalten und Regimenter). Auf Grund des Badener Abkommens von 1926 wurden Personaldokumente wie Qualifikationslisten, Grundbuchblätter (im 2. Weltkrieg vernichtet) und Belohnungsanträge an das Ungarische Kriegsarchiv abgegeben;
Hadtörténelmi Levéltár
Kapisztrán tér 2-4
H-1014 Budapest

Böhmen, Mähren und Österreichisch Schlesien: Grundbuchblätter Geburtsjahrgänge 1865–1886 (bis 1864 fragmentarisch, 1887–1898 großteils skartiert!), Militärinvalidenhaus Prag, Militärmatriken;
Vojenský Ustředni Archiv v Praze/Vojenský Historický Archiv 
Sokolovská 136
CR-18600 Praha 8

Slowakei: Militärinvalidenhaus Tyrnau/Trnava 1793–1921, Kriegsgräber und Militärfriedhöfe 1914–1919, Militärmatriken 1621–1950;
Vojenský Historický Archiv v Trnave
Univerzitné námestie 1
SK-91700 Trnava

Galizien: Grundbuchblätter von Offizieren, die nach 1918 in die polnische Armee eingetreten sind. Die Masse der Grundbuchblätter der Wehrpflichtigen aus Galizien (Südpolen, Westukraine) ist vernichtet;
Centralne Archivwum Wojskowe 
PL-00910 Warszawa-Rembertów

Das Kriegsarchiv verfügt leider über kein Gesamtnamensverzeichnis aller Soldaten des k. k./k. u. k. Heeres, in dem einfach nach dem gesuchten Namen nachgeschlagen werden kann. Lediglich bei Offizieren und höheren Beamten kann man die jahrgangsweise publizierten Militär-Schematismen heranziehen, die ab 1819 ein alphabetisches Namensverzeichnis beinhalten.

Sie benötigen für genealogische beziehungsweise biographische Forschungen im Kriegsarchiv Grunddaten, wie Familienname, Vorname und Geburtsjahr, Geburtsort und/oder Heimatort (zumindest aber Heimatbezirk beziehungsweise nach 1868/69 Kronland - Beschreibung zu Kronländern weiter unten) sowie von 1740-1869 die Kenntnis des Truppenkörpers (des Regiments).

Die in unserem Archiv verwahrten Personalakten sind großteils nicht alphabetisch, sondern nach Kronländern geordnet oder nach Truppenkörpern (Regimentern) abgelegt, die sich aus diesen Kronländern ergänzten.

Eine weitere Voraussetzung für einschlägige Forschungen bildet die Kenntnis der deutschen Sprache sowie der deutschen Kurrentschrift, die die allgemeine Verkehrsschrift im gesamten deutschen Sprachraum bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts war.

Im Folgenden finden Sie eine Übersicht, welche Bestände für Forschungen in den jeweiligen Zeitabschnitten herangezogen werden können, abschließend weitere Informationen und Links zur Personenforschung im Kriegsarchiv, die laufend ergänzt werden.

Übersicht

vor 1740 1740-1820 1820-1869 1869-1918v
Zentralbehörden (Hofkriegsrat) Musterlisten und Standestabellen
(nach Truppenkörpern geordnet)
Grundbuchsblätter (nach Truppenkörpern geordnet)
Conduitelisten (für Offiziere)
Grundbuchsblätter (nach Kronländern geordnet)
Qualifikationslisten (für Offiziere)

Es gab in der Habsburgermonarchie vor 1869 keine allgemeine Wehrpflicht - weite Schichten der Bevölkerung waren vom Wehrdienst befreit (unter anderem auch die Besitzer von größeren Landwirtschaften).

Die Habsburger Monarchie (Österreich-Ungarn) umfasste während der letzten Jahre ihres Bestehens folgende Kronländer:
Niederösterreich, Oberösterreich, Salzburg, Tirol, Vorarlberg, Steiermark, Kärnten, Krain, Görz, Gradiska, Küstenland (Istrien), Dalmatien, Lombardei, Venetien, Böhmen, Mähren, Schlesien, Galizien, die Bukowina, Ungarn [inklusive dem heutigen Burgenland und der heutigen Slowakei], Siebenbürgen, Kroatien und Slawonien sowie Bosnien-Herzegowina.

Diese Kronländer lagen auf den Territorien folgender heutiger Staaten:
Republik Österreich, Republik Slowenien, Republik Kroatien, Italien, Tschechische Republik, Slowakische Republik, Republik Polen, Republik Ukraine, Rumänien, Ungarn sowie Bosnien-Herzegowina.

Vor 1740

Für die Zeit vor 1740 bilden die Archive der Zentralbehörden (Hofkriegsrat) hier die einzige Forschungsmöglichkeit. Die Erfolgsaussichten bei der Suche nach einfachen Soldaten sind jedoch denkbar gering.

1740-1820

Die ältesten Personalevidenzen der k. k. Armee sind die Musterlisten und Standestabellen (= Monatstabellen, Assent- und Transferierungslisten) von zirka 1740 bis 1820.

Die Musterlisten sind nach Regimentern (Truppenkörpern) abgelegt und innerhalb eines Regiments nach Jahren (Halbjahren) geordnet, innerhalb der Jahre (Halbjahre) nach Unterabteilungen (Kompanien, Eskadronen etc.) in eigenen Heften abgelegt und innerhalb dieser nach dem militärischen Rang geordnet.

Lediglich bei der Suche nach Offizieren können Karteien und Namenslisten zu Hilfe genommen werden. Da der Bestand Musterlisten zum Teil sehr lückenhaft erhalten geblieben ist, sind auch diese Behelfe unvollständig.

Sollte Ihnen der Truppenkörper (das Regiment) nicht bekannt sein, können Sie versuchen, den Truppenkörper (das Regiment) anhand folgender Tabelle herauszufinden: Übersichtstabelle der Werb- (Ergänzungs-) Bezirks-Einteilung 1781-1889 (JPG 1350 kB) (aus: Wrede, Geschichte der k. und k. Wehrmacht, Band 1)

Musterlisten bieten keinen kompletten Lebenslauf und enthalten keine näheren Angaben zur Familie.

Eine genaue Beschreibung zum Bestand Musterlisten können Sie unserem Archivinformationssystem (AIS) entnehmen (Kriegsarchiv – Personalunterlagen)

1820-1869

Die ab 1820 bis 1869 geführten Grundbuchsblätter, die Auskunft über die Militärdienstzeit geben (also auch Veränderungen während der Militärdienstzeit, wie Heirat/Kinder), sind nach Truppenkörpern abgelegt. Die Grundbuchsblätter sind nach Heft-Nummern und Seiten geordnet, die den jeweils zugehörigen Namensindexbänden zu entnehmen sind.

Demnach sind zuerst die Namensindexbände heranzuziehen und nach Auffinden des gesuchten Namens wäre das entsprechende Heft zu bestellen, welches neben dem Namen ausgewiesen ist (Heftseite notieren!). Eine genaue Anleitung zur Suche in diesem Bestand finden Sie hier in der Militärischen Grundbuchsevidenz (GB) 1820-1869.

Grundbuchsblatt angelegt im Jahre 1849
Beispiel für ein Grundbuchsblatt angelegt im Jahre 1849

Sollte Ihnen das Regiment nicht bekannt sein, können Sie versuchen, den Truppenkörper (das Regiment) anhand folgender Tabelle herauszufinden: Übersichtstabelle der Werb- (Ergänzungs-) Bezirks-Einteilung 1781-1889 (JPG 1350 kB) (aus: Wrede, Geschichte der k. und k. Wehrmacht, Band 1)

Zusätzliche Unterlagen für Offiziere (vorwiegend von 1823–1868): Conduitelisten, Individualbeschreibungen (nach Truppenkörpern, Anstalten, Branchen geordnet).

Die Namen der Eltern sind in diesen Unterlagen nicht zu finden.

Eine genaue Beschreibung zu den Beständen können Sie unserem Archivinformationssystem (AIS) entnehmen (Kriegsarchiv – Personalunterlagen)

1869-1918

Für die Suche nach Personen, die im Zeitraum 1869-1918 gedient haben, ist neben dem Geburtsjahr die Kenntnis der Heimatzuständigkeit (muss nicht mit dem Geburtsort übereinstimmen) erforderlich.

Die Grundbuchsblätter, die Auskunft über die Militärdienstzeit geben (also auch Veränderungen während der Militärdienstzeit, wie Heirat/Kinder), sind nach den Bundesländern Wien, Niederösterreich, Oberösterreich, Steiermark, Kärnten, Burgenland bis Geburtsjahrgang 1900 geordnet.

Grundbuchsblatt angelegt im Jahre 1901
Beispiel für ein Grundbuchsblatt angelegt im Jahre 1901

Die Grundbuchsblätter Salzburg, Tirol und Vorarlberg werden im Kriegsarchiv nur bis Geburtsjahrgang 1864 verwahrt, ab 1865 in den jeweiligen Landesarchiven.

Weiters verwahrt das Kriegsarchiv alphabetische Reihen der Grundbuchsblätter der Kronländer Böhmen, Mähren und Österreichisch-Schlesien, bis Geburtsjahrgang 1864.

Ebenso unvollständige Grundbuchsblätter-Serien:

  • Sudeten I (Geburtsjahrgänge 1865-1875),
  • Sudeten II (Geburtsjahrgänge 1865-1900),
  • Fremde (alte Reihe bis Geburtsjahrgang 1864) von K-Z,
  • Fremde (Geburtsjahrgänge 1870-1900),
  • Neue Alphabetische Reihe (enthält vorwiegend Grundbuchsblätter von Personen aus den Kronländern Galizien und Ungarn, aber auch aus allen anderen Kronländern der Monarchie und auch von Ausländern, die in der k.k./k. u. k. Armee gedient haben.)

Die Stellungslisten (1865-1918 – Stellungspflicht = Verpflichtung zwecks Entscheidung über die Wehrfähigkeit vor einer Stellungskommission, vergleichbar mit der heutigen Musterung) sind nach politischen Bezirken beziehungsweise Städten, jahrgangsweise geordnet.

Zusätzliche Unterlagen für Offiziere:

  • Qualifikationslisten (1869–1918, Beschreibung der Offiziere)
  • Rangprotokolle (zirka 1900-1918)
  • Rang- und Einteilungslisten (1914-1918)
  • Gedruckte Ranglisten der Regimenter (1834-1918)

Die Namen der Eltern sind in diesen Unterlagen nicht zu finden.

Eine genaue Beschreibung zu den Beständen können Sie unserem Archivinformationssystem (AIS) entnehmen (Kriegsarchiv – Personalunterlagen)

Es ist zu beachten, dass die Grundbuchsblätter und Stellungslisten für die Geburtsjahrgänge von zirka 1850 bis 1900, sofern sie Personen betreffen, die ihr Heimatrecht außerhalb der Grenzen der heutigen Republik Österreich besessen hatten, nach dem Zerfall der Habsburger Monarchie (1918) nicht in das Wiener Kriegsarchiv gelangt sind.

Sie sind gemäß den Friedensbestimmungen von Saint-Germain (1919) in den Nachfolgestaaten verblieben, wo sie zum Großteil vernichtet wurden.

Auszeichnungen und Kriegsverluste

Das Kriegsarchiv verwahrt weiters subsidiäre Unterlagen über Auszeichnungen und Kriegsverluste des Ersten Weltkrieges 1914-1918:

Weitere Informationen und Links zur Personenforschung im Kriegsarchiv

Das Werk "Geschichte der k. u. k. Wehrmacht – Die Regimenter, Corps, Branchen und Anstalten von 1618 bis Ende des XIX. Jahrhunderts" von Alphons Freiherrn von Wrede (5 Bände, Wien 1898-1905) ist ein gutes Hilfsmittel zur Feststellung, welcher Truppenkörper in Frage kommen könnte, zumal hier unter anderem die Errichtungen, Ergänzungen, Feldzüge und Friedens-Garnisonen der Truppenkörper dokumentiert werden.

In unserer Linksammlung finden Sie unter anderem biographische Nachschlagewerke und Datenbanken.

Weiters können bei fehlenden Basisinformationen die jeweils zuständigen Landesarchive kontaktiert werden. Sie finden im Archivregister die Kontaktdaten der österreichischen Bundes-, Landes-, Kommunal- und Privatarchive.

Forschungsmöglichkeiten

Viele Personalunterlagen der k. k./ k. u. k. Armee und Suchbehelfe wurden von der Genealogical Society of Utah (Mormonen) auf Mikrofilm aufgenommen, welche Ihnen Anleitungen zur Familienforschung und wertvolle Hinweise auf genealogische Quellen und Kontakte geben kann.
So könnten Sie diese Akten und Suchbehelfe gegen geringes Entgelt vor Ort in der für Sie nächst gelegenen Forschungsstelle auf Mikrofilm studieren. Sie erfahren aus der Internet-Seite der Genealogical Society of Utah, welche Forschungsstelle für Sie in Frage kommt
familysearch.
Weitere wertvolle Hinweise zur genealogischen Forschung finden Sie außerdem auf Cyndis List of Genealogy:
cyndis list.

Sie können einen Privatgenealogen für Forschungen in Wiener Archiven beauftragen (gegen Honorar). Internetressourcen für Genealogen

Häufig gestellte Fragen

Weiterführende Literatur

  • Egger, Rainer: Das Kriegsarchiv und seine genealogischen Quellen. In: Scrinium 5/1971, Seite 20-32;
  • Tepperberg, Christoph: The Austrian War Archives in Vienna (Kriegsarchiv Wien) and its Records Pertaining to Personnel. In: East European Genealogical Society 8 (2000), Seite 9-24;
  • Domnanich, Renate: Die Militärmatriken und andere Bestände des Kriegsarchivs als Quellen der genealogischen Forschung. In: Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 49 (2001) = Quellen zur Militärgeschichte. 200 Jahre Kriegsarchiv, Seite 97-107.