Inhalt

Zuwächse im Kriegsarchiv

Zwei neue wertvolle Quellen im Kriegsarchiv: Autobiographie Timotheus Woinovich und Kriegstagebuch Leo Schmidt

hlass Timotheus Woinovich © OeSTA

Mit dem Erwerb der Autobiographie des Militärbaudirekors Timotheus Woinovich wurde der bereits im Besitz des Kriegsarchivs befindliche Bestand komplettiert. Sein Sohn sollte später ein bedeutender Kriegsarchiv-Direktor und General werden. Die Handschrift beginnt mit einer allgemeinen Genealogie der aus der Vojvodina (heute: Serbien) stammenden Familie und setzt mit Kurzbiographien diverser Familienmitglieder fort. Schon der Vater von Thimotheus war in napoleonischer Zeit in Temesvar in Garnison gelegen, während Timotheus in Weißkirchen und Belobreska aufwuchs und in Caransebeș Mathematik studierte (aus dieser Zeit ist auch ein mit 1816 datiertes Arithmetik- und Geometrieskriptum im Nachlass erhalten), um ab 1818 als Grenzbaudirektor in Pancsova (Pančevo) ebenfalls die Militärlaufbahn einzuschlagen.

Über den Vater erfahren wir aus der Handschrift folgendes: „Er stürzte nämlich mit dem Pferde über einen steilen Felsenabhang herab und bekam einen Leistenbruch. Gleichwohl machte er mit diesem Leibschaden die Feldzüge vom Jahre 1813, 1814 und 1815 mit, wurde in der Schlacht von Dresden durch die Explosion einer Granate derart beschädigt, daß er fast des Augenlichts beraubt wurde, nichtsdestoweniger blieb er bei seiner Truppe und wohnte der Schlacht von Leipzig bei, wo er zum Lieutenant befördert wurde. Beim Uibergang des Rheins wurde mein Vater von einem Handpferde geschlagen und am rechten Schienbein schwer beschädigt, so daß er in Dijon mehrere Wochen zubringen mußte.“

Georg Woinovich erlebte den Feldzug von 1866 gegen Preußen folgendermaßen: „Ich lag neben Oberlieutenant Weber, wir machten gegenseitig mündlich unser Testament – schrieben uns die Adressen unserer Eltern, Verwandten auf und schliefen die ganze Nacht nicht, man wußte sehr genau, daß wir ins Feuer kommen.“

Zwölf Jahre später nahm er am Feldzug zur Besetzung von Bosnien teil.

Der Nachlass ist unter der Archivsignatur KA, Nl, B/472:3 einsehbar.

Das (Kriegs-)Tagebuch von Leo Schmidt, Feldwebel beim Landwehrinfanterieregiment „Troppau“ Nr. 15, wurde neu übernommen. Bereits der Holzeinband mit seinen Schnitzarbeiten ist eine Besonderheit. Der Band enthält nebst Kalender auch statistische Daten über europäische Staaten, eine Auflistung österreichisch-ungarischer Verbände, Anmerkungen zum Kriegsbeginn 1914, technische Aufzeichnungen über Geschütze und eben ein, nach der am 21. Dezember 1914 erfolgten Gefangennahme, angelegtes Tagebuch, in dem die verschiedenen per Bahn und Schiff passierten Stationen angegeben sind, bis am 30. Oktober 1915 Dauria in Sibirien erreicht wurde. Der Alltag des Lagerlebens bzw. die Eindrücke dieser erzwungenen Reise sind anschaulich in der Handschrift vermerkt: „Sehr brutaler russischer Feldwebel, welcher noch durch unsere polnischen Feldwebel gegen die Deutschen aufgehetzt wird. Ohrfeigen sind an der Tagesordnung, ‚Habt acht‘ stehen mit einem Sack Steinen oder einem Baumstamm.“

Aber auch andere Eindrücke werden wiedergegeben: „Die Reichsdeutschen spielen täglich Theater und so kommen wir über die langen Stunden schneller hinweg…Unter den Gefangenen befindet sich auch ein Zuckerbäcker, der im Walde bei offenem Feuer tadellose Palatschinken bäckt…Die Fahrt durch das Uralgebirge ist herrlich. Man glaubt sich in den Alpen zu befinden.“

Das Tagebuch, das mit dem Posteingang vom 19. August 1917 endet, wurde mit der Signatur KA, Nl, B/2442 inventarisiert.