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Neu übernommenes Archivgut 2017

Das Österreichische Staatsarchiv konnte im Dezember 2017 über Vermittlung des Wiener Stadt- und Landesarchives große Teile des Archivs der ehemaligen "Niederösterreichischen Escompte-Gesellschaft" aus Privatbesitz erwerben.

Im September 1853 als Aktiengesellschaft unter Mitwirkung vieler wichtiger Bankiers und Industrieller, zum Beispiel Brandeis-Weikersheim, Eskeles, Hornbostel und Löwenthal, gegründet, übte sie eine Pionierfunktion im österreichischen Mobilbankwesen aus. Sie war zweifelsohne ein bedeutender Finanzier von Industrieunternehmungen und in den letzten Jahren der Donaumonarchie mehrfach bei der Umwandlung von Personenunternehmen in Aktiengesellschaften tätig. Um 1910 zählte sie zu den sieben größten Wiener Banken und beherrschte als Alleineigentümer die Böhmische Escompte-Bank und Kreditanstalt (Bebca), eine der drei größten deutschböhmischen Geschäftsbanken. Infolge der Bankenkrise der 1930er Jahre wurden ihre Mobilbankaktivitäten schließlich 1934 mit der eben sanierten Kreditanstalt fusioniert, während die umfangreichen Industriebeteiligungen in die "Österreichische Industriekredit AG" eingebracht wurden.

Das Archiv umfasst zirka 220 Protokollbände der Sitzungen des Verwaltungsrates, des Kreditnehmerkomitees sowie des Vorstandes aus dem Zeitraum September 1853 bis 1934 und einige Pakete mit Korrespondenz, unter anderem aus dem Jahr 1938. Dazu kommen zirka 70 Rechnungsbücher der "Österreichischen Industriekredit AG" aus dem Zeitraum 1934 bis 1955. Sie alle bilden einen eigenen Bestand im Allgemeinen Verwaltungs-, Finanz- und Hofkammerarchiv, in Ergänzung zu den Akten des k.k. Finanzministeriums. Das Archiv der "Niederösterreichischen Escompte-Gesellschaft" wird zurzeit gesichtet und verzeichnet.

Mit der Freigabe für die Forschung ist ab Februar 2018 zu rechnen.