Inhalt

Neuübernahme des Nachlasses Hussarek durch das Haus-, Hof- und Staatsarchiv

Im Dezember 2018 übergab die Familie Hussarek den Nachlass des Ministerpräsidenten Max Hussarek-Heinlein der Abteilung Haus-, Hof- und Staatsarchiv des Österreichischen Staatsarchivs.

Max Hussarek-Heinlein begann 1892 seine Karriere im Ministerium für Unterricht, seit 1895 war er (überdies) an der Universität Wien als außerordentlicher Professor für Kirchenrecht tätig. 1911 wurde er Unterrichtsminister, diese Funktion erfüllte er bis 1917. Von 25. Juli bis 27. Oktober 1918 amtierte Hussarek als (vorletzter) k.k. Ministerpräsident. Ihm folgte Heinrich Lammasch für die letzten Tage der Monarchie. Die beiden waren die Urheber des so genannten Völkermanifests, welches am 16. Oktober 1918 von Kaiser Karl verkündet wurde und föderalistische Reformen beinhaltete.

Max Hussarek-Heinlein © OESTA

Von besonderer Bedeutung sind in diesem Nachlass die tagebuchartigen Aufzeichnungen aus Hussareks Tätigkeit als Unterrichtsminister und schließlich als Ministerpräsident. Sie beleuchten die letzten Monate der Monarchie und den Beginn der Ersten Republik aus der Sicht eines führenden Politikers.

Ergänzt wird der Nachlass durch einige Manuskripte und Aufsätze. Wie in vielen Nachlässen sind eine Sammlung an Zeitungsausschnitten, ein Foto und ein Doktordiplom beigelegt. Der Bestand ist bereits erschlossen und über die Archivdatenbank des Österreichischen Staatsarchivs abrufbar.

Viele Familien – nicht nur solche mit adeligen Vorfahren – besitzen Archive, Nachlässe bedeutender Vorfahren und ähnliche, ohne zu wissen, was darin wirklich enthalten ist, welchen Wert dieselben heute haben und wie die Dokumente richtig gelagert, vor Schäden bewahrt und gegebenenfalls restauriert werden sollten. In vielen Kommoden und Kellern liegen Tagebücher und Briefe, ohne dass jemand den Inhalt kennt. Das gleiche gilt für viele traditionsreiche Unternehmen, die gar nicht wissen, was an verborgenen Schätzen und wie viel an Wissen in ihren Archiven schlummert.

Das Österreichische Staatsarchiv freut sich, als Partner für die Eigentümer von Familienarchiven und Nachlässen zur Verfügung zu stehen, durch fachkundige Beratung deren Erhalt zu sichern und – wenn gewünscht – diese auch zu übernehmen. Als Archivarinnen und Archivare sehen wir es als besondere Bereicherung unserer Tätigkeit an, solche Schriftquellen in unserem Haus verwahren und unseren Forscherinnen und Forschern zugänglich machen zu können.

Zdislava Röhsner