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System Arad – ein eigenständiger Weg österreichischer Festungsarchitektur

Die alte Festung Arad lag am westlichen Ufer der Marosch, gegenüber der späteren, berühmteren Musterfestung. Deutlich erkennt man den traditionellen viereckigen Grundriss der Festungsstadt, obwohl die oktogonale Anlage damals bereits üblich war. Die relativ langen Kurtinen sind noch typisch für die Zeit vor Vauban. Man kann auch noch eher von Basteien als von Bastionen sprechen: Die Schussrichtung ist umfassend, aber kaum zur Deckung der eigenen Anlage geeignet. Ohne weiteres sind die Ravelins noch als verstärkte Tortürme anzusprechen. Der gesamte Grundriss erinnert fast an eine erweiterte mittelalterliche Anlage.

Festung Arad © OESTA

Diese italienische Manier war zu Beginn des 18. Jahrhunderts durch Marschall Sébastien Le Prestre, Seigneur de Vauban, entschieden weiterentwickelt und später durch dessen Schüler Louis de Cormontaigne verfeinert worden ("Schule von Mézières").

In einem einzigen Fall brachen österreichische Festungsarchitekten jedoch richtungsweisend mit dieser Tradition und verwirklichten ein neues, eigenes System. Es handelt sich um den 1763 bis 1790 durchgeführten Neubau der Festung Arad, mit dem Feldzeugmeister Ferdinand Philipp Graf Harsch die französische Manier zu überwinden trachtete. Allerdings verlor diese Festung nach Beendigung des letzten Türkenkrieges ihre strategische Bedeutung und wurde (vor 1848) nie belagert. Die Tauglichkeit dieses "Systems Arad" wurde daher niemals praktisch erprobt.

Arad © OESTA

Auch der schematisierte Grundriss des Einreichplans von Neu-Arad lässt einige Unterschiede zu den Vorgaben Vaubans erahnen: Die Kurtinen sind in einem tenaillierten System angelegt, das heißt, die Polygonseiten sind einwärts gebrochen. Die Hauptumfassung verfügt über schwach tenaillierte Fronten, vor deren Flanken sich kasemattierte Ravelins befinden, die die gleiche Höhe wie die Kurtinen aufweisen. Ravelins und Hauptumfassung sind von Enveloppes umgeben, weitere Vorwerke befinden sich außerhalb. Die Kommunikation erfolgt ausschließlich über bombensichere, gedeckte Verteidigungsgänge. Erstmals gelang es hier, dem Angreifer eine überlegene Geschützzahl im Verhältnis von 296 zu 140 gegenüberzustellen.

Robert Rill

Signatur:
ÖSTA, KA, GPA, Inland C V alpha Arad 7 (von 1715)
ÖSTA, KA, GPA, Inland C V alpha Arad 11 (von 1751)