Kaiserin Claudia Felicitas (1653–1676): 350 Jahre Grablege in der Wiener Dominikanerkirche

Archivale des Monats September 2026

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Eigenhändiges Schreiben Leopolds I., 13. Juni 1676 (Wiener Neudorf)
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Spezifikation der Kosten für die verwendeten Metalle (darunter Verweis auf die 16 Rosen)
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Beschreibung der Marmorbodenplatte, Inschrift mit Nennung der Lebensstationen der Kaiserin

Claudia Felicitas wurde 1653 als Tochter von Erzherzog Ferdinand von Tirol (1628–1662) und Anna de’ Medici geboren. Sie heiratete ihren Verwandten Kaiser Leopold I. am 15. Oktober 1673 in Graz, dessen erste Ehefrau, seine Cousine Margarita Teresa von Spanien, im April verstorben war. Es war dies für das Haus Habsburg eine prekäre Situation: Der junge spanische König Karl II. hatte noch keinen Sohn, ebenso sein österreichischer Verwandter Leopold. Daher war die nunmehrige Verbindung mit der Hoffnung auf die Geburt eines Nachfolgers verknüpft. Die aus Innsbruck anreisende Braut war mit ihrer Mutter zunächst im Schloss Eggenberg untergebracht, das dessen Besitzer Fürst Johann Seyfried von Eggenberg aufwendig ausstatten ließ. Die Hochzeit wurde mit entsprechendem Prunk begangen: Eine pompöse Hochzeitstafel wurde in der Grazer Burg abgehalten. Die damals bereits 100 Jahre in Graz wirkenden Jesuiten veranstalteten das kostspielige Barocktheaterstück „Cyrus, felix et gloriosus“.

Beide Töchter des Paares starben jedoch jung und ebenso die erst 22-jährige Kaiserin am 8. April 1676 an Tuberkulose. Entsprach die Bestattung der Eingeweide in der Herzogsgruft im Stephansdom der Tradition, setzte man in der Kapuzinergruft hingegen allein ihr Herz bei. Claudia Felicitas wollte nämlich bei ihrer Mutter Anna de’ Medici bei den seit 1226, also mittlerweile 800 Jahre in Wien wirkenden Dominikanern bestattet werden. Claudia wurde als Terziarierin, also als Laienmitglied, im Ordenshabit beigesetzt.

Leopold stiftete in der Folge am 12. September 1676 für seine verstorbene Gemahlin aufgrund ihres letzten Willens eine tägliche Messe um 9 Uhr (außer am Gründonnerstag, Karfreitag und Ostersamstag) sowie eine alljährliche Vigil und ein Amt mit Prozession am Jahrtag. Der Akt enthält zudem Informationen zur Ausgestaltung des Begräbnisortes, darunter Angaben zu den Inschriften oder eine Spezifikation zu den Kosten für den Dominikusaltar, die sich auf knapp 6000 Gulden beliefen. Dort wird „bey denen Dominicanern zue Wien ein Stein von Marmel und hierauff der doppelte Adler und darinnen das jenige Österreichische Wappen von Bronze gemacht, welches Eu. Maj. die Kaiserin auch gebraucht haben.“ Danach wird der Chronograph um den Adler angeführt sowie die anschließende Marmorbodenplatte über der Gruft mit deren Ausführung (16 eingelassene metallene Rosen!) sowie Inschrift genannt, die heute bis in die Hauptaltarinsel reicht. Auf dem Stein wurde im unteren Abschnitt das österreichische und Tiroler Wappen angebracht. Zu den Maßnahmen für die verstorbene Gemahlin hielt Leopold am Ende seines eigenhändigen Schreibens fest: „Dann ich verlange es gar sehr“.

Die Dominikanerkirche war ein Ort adeliger Bestattungen und Repräsentation, die aber zum Teil für die kaiserliche Familie weichen musste (Abensberg-Traun, Liechtensteiner Wappen). Prior und Konvent verwiesen in Bezug auf die Einrichtung einer Messstiftung auf eine solche durch Graf Abensberg-Traun und der Kaiser wird, „wo nicht mehr, doch nicht weniger allergn(ä)d(ig)st auf uns vergünen werdten“. Das Kaiserhaus sollte also aus Sicht des Konvents in der Höhe der Dotierung den adeligen Familien jedenfalls nicht nachstehen. Von der dann jährlich gestifteten Summe von 240 Gulden sollte die eine Hälfte vom niederösterreichischen Salzamt, die andere vom Handgrafenamtsgefälle quartalsweise bestritten werden. In den Akten der Hofkammer sind dennoch in den folgenden Jahren Klagen der Dominikaner wegen ausgebliebenen Zahlungen fassbar.

Stefan Seitschek

Signatur:
ÖStA, FHKA, Niederösterreichische Kammer, Kt. 1308 (r.Nr. 423), 12. September 1676

Literatur:
Viliam Štefan Dóci OP, Thomas Prügl, Armand Tif (†), Wortgewandt, kunstsinnig und standhaft – 800 Jahre Dominikaner in Wien. Münster 2026.

 

Transkription des eigenhändigen Schreibens Leopolds I.:

Lieber praesidendt. Ich habe euch hiemit dise 3 beylagen einschikhen,

wollen. Die erste ist, das die hinderlaßnen damas dises quartal

zue haben verlangen. Weillen nun die meisten in anfang dises monatth

Junij noch zue hov gewest, also vermeine ich, seye dises ihr begeren

billich. Wollet also dises 4tal ihnen anschaffen vnd bezhalen lassen.

In der anderdten beylag sein begriffen die schulden, so mein gemahlin

seel[ige] hinderlassen hatt. Wollet sie also auff darinn begriffne waiß

bezhalen. Allain erindere ich, das ich den vorschlag, die 15.000 mitt gewissen

clenodien zue bezhalen, nitt aprobire, in deme ich alle clenodien beysamm

haldten will. Die 3 Vnd weillen ich endtschlossen, wegen der kayserin

begrebniß ein gewisse fundation bey den PP. dominicani[s] zue stiff

stiften, also waisset die 3te beylag, wieß disfal zue beobachten ist.

Vnd konnet ihr euch vber alles dises mitt dem fürsten von

Dietrichstein vernehmen vnd darob sein, damitt alles baldt effectuirdt

werde, dann ich verlange es gar sehr. Verbleibe eüch anbey

mitt beharlichen kay[serlichen] hulden vnd genaden gewogen

Leopoldt

Neydorff, den 13. Junij 1676

ÖStA, FHKA, Niederösterreichische Kammer, Kt. 1308 (r.Nr. 423): Leopold I., 13. Juni 1676 (Wiener Neudorf), bearb. v. Petr Maťa und Stefan Seitschek.