Die Geburt des Seearsenals Pola als strategische Neuausrichtung

Archivale des Monats August 2026

Pola Seite 1

Die Revolution des Jahres 1848/1849 setzte für die Kriegsmarine die Stunde null. Aus einer venezianischen Marine als fast schon ungeliebtes Anhängsel der Landstreitkräfte wurde eine österreichische Marine als eigenständige Waffe. Obschon im Jahr 1848 und 1849 Gedanken zum Ausbau des kleinen Seehafens von Pola – bis dahin nicht viel mehr als ein besseres Lager der k.k. Kriegsmarine – erörtert worden waren, kam es erst im Jahr 1852 zum Beginn großangelegter Bauarbeiten.

Diese waren vor allem durch die Schwergewichtsetzung auf Verteidigungs- und Befestigungsanlagen geprägt, doch sahen sie auch den Bau eines großen Arsenals vor, um den Schwerpunkt vom bestehenden Arsenal in Venedig weg und hin zu einem an der Ostküste der Adria gelegenen zu setzen. Pola war zu diesem Zeitpunkt noch ein weit abgelegener, kleiner Ort. Ohne Infrastruktur, größeren Handel und die nötigen Lieferketten war er nicht nur aus versorgungstechnischer Hinsicht isoliert, sondern auch geografisch vom Herzen der Monarchie weit entfernt und wegen seines malariahaften Klimas ungünstig.

Umso bemerkenswerter maßt es daher an, dass ausgerechnet dieser Platz in den 1850er-Jahren zum künftigen Hauptkriegshafen der Monarchie auserkoren wurde. Mit dem Antritt von Erzherzog Ferdinand Max, dem jüngeren Bruder Kaiser Franz Josephs, zum Marineoberkommandanten im Jahr 1854, erhielt die Marine nicht nur einen energischen, sondern vor allem visionären Chef. Konsequent betrieb er den Aufbau dieser nun jungen, österreichischen Marine, indem er diese aus der Oberhoheit der Landstreitkräfte herauslöste, ihre budgetären Bedürfnisse Verstand weitgehend zu decken und alles dafür tat, um sie zu einer der Größten dieser Zeit werden zu lassen.

Unterschriftenseite

Dazu gehörte auch die Revision des 1856 seit mittlerweile vier Jahren im Bau begriffenen Arsenals. Mit dem vorliegenden Dokument schlug der Erzherzog seinem Bruder in erster Hinsicht eine Verkleinerung des ohnehin schon aus Geld- und Arbeitskräftemangel ins Stocken geratenen Projekts vor. So sollte das an der Südküste der Bucht von Pola vorgesehene Arsenal auf 1/3 seiner veranschlagten Größe reduziert werden. Dies, weil es vor allem die Aus- und Abrüstung der Schiffe zu bewerkstelligen hätte, während auf der Oliveninsel das Konstruktionsarsenal angelegt werden sollte. Die damals zu errichtenden kostenintensiven Trockendocks gedachte er gegen innovative, aber vor allem vergleichsweise billig auszuführende sogenannte Balancedocks eines nordamerikanischen Ingenieurs auszutauschen.

Dass der Kaiser diese Änderungen in der schon vor dem Krieg von 1859 prekären Finanzlage annahm, ist verständlich. Viel entscheidender als die Details der Umgestaltung war jedoch der letztendliche Schluss und somit Zweck des Marineoberkommandanten: Die eingesparten Kosten wollte er nämlich als extraordinäre Marinezuwendungen in den schon verstärkten Flottenausbau stecken. Damit setzte er eine Abkehr von der bis dahin geltenden Grundstrategie, nämlich die Küste durch starke Befestigungen zu verteidigen, während eine kleine Flotte als schnelle Eingreiftruppe punktuell zum Einsatz kommen sollte. Vielmehr folgert sich aus seiner eingeschlagenen Richtung, dass eine überwältigende Seemacht – wenn es denn zum Kampf kommen sollte – diesen bereits auf hoher See aufnehmen sollte.

Damit markierte die eigentliche Geburt des Seearsenals auch gleichzeitig die strategische Neuausrichtung der österreichischen Kriegsmarine. Dieser Neuorientierung sollte auch ihr mehr als ein Jahrzehnt später folgender Oberkommandant, Vizeadmiral Wilhelm von Tegetthoff, treu bleiben, wenn er statt dem Festungsausbau wiederholt auf eine Vergrößerung der Seemacht insistierte. Freilich blieb dieses Bestreben ein erklärtes Ziel, denn dem österreichischen Kaiserstaat ermangelte es zusehends an finanzieller Potenz, all die an ihn herangetragenen militärischen Anliegen auch tatsächlich zu bedienen.

Harald Fiedler

Signatur: AT-OeStA/KA, AhOB, MKSM, HR, Akten, K. 160, Beilage zu Zl. 2876 ex. 1856, Begleitschreiben des Marineoberkommandos – respektive Erzherzog Ferdinand Max – an seinen Bruder, Kaiser Franz Joseph, Triest 17.04.1856.

Literatur:

  • Renate Basch-Ritter, Österreich auf allen Meeren. Geschichte der k.(u.)k. Marine 1382–1918 (Styria Verlag, Graz 2000).
  • Rudolf Otto von Ottenfeld und Oscar Teuber, Die österreichische Armee von 1700–1867, Bd. 1 (Berté Verlag, Wien 1895).
  • Hans Hugo Sokol, Des Kaisers Seemacht. 1848–1914. Die k.k. österreichische Kriegsmarine (Amalthea Verlag, Wien/München 2002).
  • Walter Wagner, Die obersten Behörden der k.u.k. Kriegsmarine 1856–1918 (Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs. Ergänzungsband 6 / Berger Verlag, Wien 1961).