Grüße aus dem großen Krieg

Archivale des Monats Februar 2025

Brief von Faistauer
Der private Brief Faistauers aus seiner Militärdienstzeit. Die Transkription finden Sie unterhalb des Textes.

Der am 14. Februar 1887 auf dem Grubhof in Sankt Martin bei Lofer in Salzburg geborene Künstler Anton Faistauer zählt zu den bedeutendsten Repräsentanten der österreichischen Moderne. Ursprünglich war der aus einem Pinzgauer Bauerngeschlecht stammende spätere Maler von seinen Eltern Josef und Anna (geb. Dick) Faistauer für eine geistliche Laufbahn vorgesehen gewesen. Während der Schulzeit regte sich bei ihm jedoch das Interesse für die Malerei, weshalb er zwischen 1906 und 1909 an der Wiener Akademie der bildenden Künste studierte. Dort war er u. a. Schüler von Christian Griepenkerl.

Noch vor seinem Abschluss kam es zum Zerwürfnis mit der Akademie, weshalb Faistauer – wie andere namhafte Künstler auch – die universitäre Lehre aus Protest gegen die zu engen Vorgaben verließ. Dies führte noch im Juni desselben Jahres zur Gründung der Neukunstgruppe, deren Präsident Egon Schiele wurde und zu dessen Gründerkreis neben Faistauer u. a. Franz Wiegele, Anton Peschka und Robin Christian Andersen zählten. Letzterer wurde 1913 der Schwager Faistauers, als dieser dessen Schwester Ida Anderson ehelichte, mit der er seinen ersten Sohn Peter Paul hatte. Über die Ausstellungen der Neukunstgruppe in Wien, Prag und Budapest wurde Faistauer bereits vor dem 1. Weltkrieg bekannt. 1914 erhielt er den Reininghaus-Preis, worauf ein Studienaufenthalt in Berlin folgte.

Während des 1. Weltkriegs blieb Faistauer zunächst vom Militärdienst unbehelligt, erst 1916 zog man ihn zum k.u.k. Infanterieregiment Nr. 59 Erzherzog Rainer ein, bevor er im Juli 1917 in das k.u.k. Heeresmuseum am Wiener Arsenal versetzt wurde, um gemeinsam mit Egon Schiele Ausstellungen von Kriegsbildern zu organisieren. Im Jahr 1917 richtete er auch eine Kunstausstellung in Stockholm ein.

Nach seiner Rückkehr nach Salzburg gründete er Anfang Jänner 1919 gemeinsam mit dem Portrait- und Landschaftsmaler Felix Albrecht Harta und dem Kunstmaler Oskar Rudolf Vonwiller die Künstlervereinigung „Wassermann“, deren erste Ausstellung noch im selben Jahr im Salzburger Künstlerhaus stattfinden konnte. Es folgten weitere Ausstellungen Faistauers in Wien, München, Bern, Genf und Winterthur.

1919 verstarb Faistauers Frau Ida Andersen. Seine 1921 geschlossene zweite Ehe mit Emilie Ehrenberger, mit der er seinen zweiten Sohn Thomas hatte, verlief unglücklich und wurde 1926 geschieden. Dafür erfuhr sein künstlerisches Schaffen weitere Anerkennung. Ab 1922 malte er sein erstes Fresko in der Pfarrkirche Morzg bei Salzburg. Es folgten Aufenthalte in der Schweiz und Oberitalien bzw. 1925/1926 eine ausgedehnte Reise nach Frankreich.

1926 kann als eines seiner erfolgreichsten Jahre angesehen werden: Faistauer übernahm nicht nur den Auftrag zur Ausführung der Wandbilder im Stift St. Peter, sondern begann im Foyer des Salzburger Festspielhauses mit den Arbeiten an einem seiner größten Werke. Ebenfalls 1926 wurde er mit den „Goldenen Palmen“ ausgezeichnet, erhielt mit seiner Übersiedlung nach Wien die Titulatur eines „Professors“ und beteiligte sich an internationalen Ausstellungen in Dresden und London. Weitere bedeutende Arbeiten vollbrachte er mit den Fresken im Bamberger Priesterseminar 1928 und in Schloss Weidlingau 1929. Nach seiner letzten Italienreise erlitt er Anfang 1930 eine Magenblutung, an deren Folgen er am 13. Februar verstarb.

Die vorliegende Archivalie konnte das Österreichische Staatsarchiv Ende 2024 erwerben. Es handelt sich um einen seltenen privaten Brief Faistauers aus seiner Militärdienstzeit beim k.u.k. Infanterieregiment Nr. 59, in dem er sich für seinen Sohn Peter mit einem Selbstportrait verewigte.

Harald Fiedler
Signatur: AT-OeStA-KA, NL, B/2497 FAISTAUER Anton.

Literatur:
- Heinrich Fuchs, Die österreichischen Maler der Geburtenjahrgänge 1881–1900, 1. Band A–L (Selbstverlag, Wien 1976)
- Franz Fuhrmann, Anton Faistauer 1887–1930 (Residenz-Verlag, Salzburg 1972)
- Neue Deutsche Biographie (NDB), 4. Band (Berlin 1959), S. 748
- Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (Hg.), Österreichisches Biographisches Lexikon 1815–1950 (ÖBL), 1. Band (Wien 1957), S. 282
- Arthur Roessler, Der Maler Anton Faistauer. Beiträge zur Lebens- und Schaffensgeschichte eines österreichischen Künstlers (Wiener Volksbuch-Verlag, Wien 1947)

Transkription:

Liebste Mama u. Peter Paul,

Ich habe deine beiden Zigaretten-

Sendungen u. auch augenblicklich das

Paket erhalten u freue mich daß du

so fürsorglich für mich bist. Ich bin

gestern in die Barake eingezogen

bekam aber die definitive Erlaubnis heraußen zu

schlafen u. hoffe desweitern die definitive Erlaubnis

hiezu zu bekommen. Am meisten wohl ists mir recht wegen

des Ungeziefer das mich nicht schlafen läßt.

Somit geht es mir gar nicht so schlecht mehr. Heute bin

ich schon uniformiert worden u fühle mich gar nicht

so schlecht in den Soldatenkleidern. Ich habe auch hier

wieder Collegschaft gefunden.

Die Angelegenheit mit dem Pressequartier hat augen-

blicklich ein wenig Zeit. Auch möchte ich gerne

warten bis in die Kriegslage eine Klärung u gewisse

Richtung kommt. Ich bin dort nicht viel besser

dran als augenblicklich hier. Das werde ich übrigens

mit dir mündlich besprechen, wenn du Sonntag

kommst. Petzi nimm wohl nur bei gutem Wetter mit.

u fahre gleich ins Hotel Bristol. Hier wird man

dir den Weg zu den Baraken zeigen od. auch bin

ich da dich zu erwarten. Bis dahin kann ich auch schon

 

[Seitenwechsel fol. 1r auf 1v]

 

besser saludieren u. habe hoffentlich Zeit genug für

Euch. Im ganzen geht es hier in der B. bedeutend

gemütlicher zu als beim Feldheer. Brauchst dich gar

nicht sorgen um mich. Ich strecke mich nach der

Decke. so weit‘s geht. Gelegenheit zur Verbesserung

meiner Situation wird auch kommen.

Vergiß, wenn Petzi kommt den Kautschuck nicht.

Magda hat ein Kind bekommen einen – Peter!

Ich hab sie noch nicht gesehen da sie im Sanatorium

ist.

Ich muß jetzt in der (!) Barak laufen.

Da ich heraußen essen durfte.

Petzi umarme ich u sage ihm daß ihn der Papa

sehr lieb hat u sich freut wenn er mitkommt.

Ich küsse Euch beide recht herzlich.

Wenn du an Frau Reichel Arenbergschlössel,

Arenbergstrasse 1 Kilo Mehl u. 1/2 Butter

schicken kannst, so tu‘s, wenn nicht geht dann

nicht. Ich hab nichts versprochen, aber schon

2 mal dort gegessen.

Lebt wohl auf Wiedersehen.

Brief Hotel od.

Einj Freiw. Inf. Reg 59 Ersatzkomp. 9 Barake 11

Euer treuer Papa