Leopoldine von Brasilien. Österreichische Erzherzogin, brasilianische Kaiserin und unglückliche Ehefrau

Archivale des Monats März 2026

Maria Leopoldine beklagt sich in diesem Exzerpt bei Marie Louise über das schwierige Verhältnis zu ihrem Ehemann Dom Pedro.
Der hier gezeigte Brief stammt aus dem Bestand „Archiv Montenuovo“, der vor allem Korrespondenz zwischen der Schwester von Maria Leopoldine von Österreich-Este, Marie Louise (Ehefrau von Napoleon Bonaparte), ihrem Vater Franz II. sowie Maria Leopoldine enthält.

Erzherzogin Maria Leopoldine (1797–1826) wurde als fünftes Kind von Kaiser Franz II. (1768–1835) geboren. Sie wuchs gemeinsam mit ihren Geschwistern in der Hofburg, in Schönbrunn und in Laxenburg auf. Dort erhielt sie eine sorgfältige Erziehung sowie eine umfassende Ausbildung. Zeitgenossen beschrieben Maria Leopoldine als still, schüchtern, religiös und pflichtbewusst. Dem Wunsch ihres Vaters, sie mit dem späteren Kaiser Pedro I. von Brasilien (1798–1834) zu verheiraten, fügte sie sich, auch wenn der Abschied vom Wiener Hof und von ihrer Familie für sie mit Bedauern verbunden war.

Die Eheschließung mit dem damals portugiesischen Prinzen Pedro von Bragança erfolgte aus dynastischen Gründen. Kaiser Franz II. stand dieser Verbindung zunächst ablehnend gegenüber. Als Gründe führte er den als unmoralisch geltenden Lebenswandel des Prinzen sowie dessen Epilepsie an. Erst nach Intervention von Staatskanzler Metternich gab der Kaiser seine Zustimmung.

Nach einer etwa dreimonatigen Schiffsreise traf Maria Leopoldine im November 1817 in Brasilien ein und wurde in Rio de Janeiro offiziell empfangen. Wenige Tage später fand im Stadtpalast von Rio de Janeiro die Trauung mit Prinz Pedro statt. Bereits vor ihrer Abreise hatte Maria Leopoldine den Prinzen per Stellvertreter in der Wiener Augustinerkirche geheiratet.

Die Ehe mit dem portugiesischen Prinzen Pedro, Dom Pedro, wie man ihn auch heute noch auf Portugiesisch nennt, begann harmonisch. Leopoldine bezeichnete ihren Mann als „schön wie Adonis“. Maria Leopoldine gewann rasch Einfluss über ihren Gatten, der anfangs in allen Regierungsangelegenheiten ihren Rat einholte. Ihm war nämlich klar, dass Maria Leopoldine eine viel höhere Bildung als er genossen hatte. Eines der Anliegen des jungen Paares war die Vorbereitung der Autonomie Brasiliens. 1822 erreichten Sie dieses Ziel und Brasilien erklärte sich unabhängig von Portugal. Maria Leopoldine wurde an der Seite ihres Mannes am 1. Dezember 1822 zur Kaiserin von Brasilien gekrönt.

In Brasilien wird Maria Leopoldine bis heute für ihren Beitrag zur Unabhängigkeit des Landes gewürdigt. In Rio de Janeiro sind unter anderem ein Stadtviertel, ein Bahnhof sowie die Sambaschule „Imperatriz Leopoldinense“ nach ihr benannt.

Maria Leopoldine und Dom Pedro hatten insgesamt sieben Kinder, darunter Maria da Gloria (1819–1853), die als Maria II. Königin von Portugal wurde, und den einzigen überlebenden Sohn Pedro (1825–1891), der als Pedro II. seinem Vater auf den brasilianischen Thron nachfolgte. Pedro II. war wie seine Mutter ein hochgebildeter Förderer der Naturwissenschaften. Der zweite Kaiser Brasiliens war auch ein großer Anhänger der Sklavenbefreiung, die aber erst 1888 erreicht werden konnte. Dieses Ideal wurde von beiden seiner Eltern vertreten, die dafür wichtige Vorarbeiten leisteten.

Nach der Kaiserkrönung verschlechterte sich das Verhältnis des Ehepaares deutlich. Zeitgenössische Beschreibungen charakterisieren Dom Pedro einerseits als intelligent, schlagfertig, sportlich und großzügig, andererseits aber auch als impulsiv, herrschsüchtig, ungebildet und aufbrausend. Er war Maria Leopoldine wiederholt untreu, und die ehelichen Konflikte nahmen an Intensität zu und mündeten schließlich auch in körperliche Gewalt.

Nach dem Tod Maria Leopoldines im Jahr 1826 infolge einer Fehlgeburt kursierten Gerüchte, wonach diese durch eine Gewalteinwirkung Dom Pedros verursacht worden sei. Eine 2012 durchgeführte Autopsie konnte hierfür jedoch keine Belege erbringen. Nach dem Tod seiner ersten Ehefrau zeigte sich Kaiser Pedro I. von Reue geprägt. In seiner zweiten Ehe mit Amelie von Leuchtenberg blieb er treu. Zuvor hatten zahlreiche europäische Prinzessinnen eine Verbindung mit ihm aufgrund seines Rufes abgelehnt.

Der hier gezeigte Brief ist Teil des Bestands „Archiv Montenuovo“, das zu einem großen Teil Korrespondenz der Schwester von Maria Leopoldine, Erzherzogin Marie Louise (Ehefrau von Napoleon Bonaparte), dem Vater, Kaiser Franz II./I., und der eben kurz vorgestellten Maria Leopoldine enthält. Maria Leopoldine beklagt sich in diesem Exzerpt bei Marie Louise über das schwierige Verhältnis zu ihrem Ehemann Dom Pedro:

„ … imer seinen willen auszuführen gewöhnt, muß sich alles an ihn gewöhnen, selbst ich muß mir einige grobheiten gefallen laßen. Jedoch sieht er, daß sie mich schmerzen, so weint er selbst mit mir. Überdieß bin ich samt aller seiner heftigkeit und eigenen denckungsart überzeugt, daß er mich iniglich liebt, obwohl er durch viele unglückliche begebenheiten in seiner famillie sehr zurückhaltend und verstheift ist, so bleibt mir jeder seiner gedancken bekannt ...“

Jasmin Oberleitner

Signatur: AT-OeStA/HHStA HausA Archiv Montenuovo 4-17, 18. April 1818, fol. 36 bis 37, Auschnitt ab fol. 36r., Zeile 11

Quellen:

  • Ursula PRUTSCH, Leopoldine von Habsburg. Kaiserin von Brasilien – Naturforscherin – Ikone der Unabhängigkeit. Wien – Graz 2022.
  • Robert WAGNER, Brasilianische Reisen. Die Hochzeitsreise der Erzherzogin Leopoldine nach Rio de Janeiro. Forscher, Künstler, Diplomaten und der erste Kaiser von Brasilien. Weitra 2021.
  • Gloria KAISER, Dona Leopoldina. Die Habsburgerin auf Brasiliens Thron. Wien 2015.
  • Neill MACAULAY, The Struggle for Liberty in Brazil and Portugal (1798-1834). Durham 1986.
  • Helga FUCHS. Leopoldine. Erzherzogin von Österreich. Kaiserin von Brasilien. Ihr Beitrag zum Unabhängigwerden Brasiliens, zur Emanzipation vom Kolonialgebiet zum selbstständigen Staat. Ungedr. Diplomarbeit. Wien 1999.