Archiv Kaiser Maximilian von Mexiko - Abschlussbericht
Vom Oktober 2022 bis Jänner 2026 wurde der Bestand „Archiv Kaiser Maximilian von Mexiko“ neu verzeichnet. Es waren umfangreiche Ordnungsarbeiten notwendig, da dieser Archivbestand im Zweiten Weltkrieg ausgelagert werden musste, wobei erhebliche Unordnung entstand und Teile des kaiserlichen Nachlasses verloren gingen.
Zu Beginn der Neuverzeichnung wurde der Archivbehelf X/9/3, ein etwa 2300 Einträge umfassendes Einzelstückverzeichnis, in die Datenbank übertragen. Die weiteren Arbeiten stützten sich dann auf den Archivbehelf X/9/2, der von dem Archivar Paul Wocher im Jahr 1868 als Verzeichnis angelegt wurde. Es wurde bei den nun stattfindenden Arbeiten versucht diese Ordnung beizubehalten bzw. soweit wie möglich wiederherzustellen. Im Laufe der Bearbeitung wurde klar, dass viele Konvolute und Einzelstücke existieren, deren genaue Zugehörigkeit nicht mehr festgestellt werden kann. Dieses Aktenmaterial wurde dann als Varia aufgenommen oder bei thematisch verwandten Konvoluten nachgereiht. Es war ein Anliegen, die Neuordnung des Archivbestands durch die Aufnahme der Altsignaturen sowie der im Archivbehelf X/9/2 vergebenen Nummern so gut wie möglich zu dokumentieren. Tatsächlich wurden Archivalien aus dem „Archiv Kaiser Maximilian von Mexiko“ schon sehr oft in der Fachliteratur zitiert. Leider mussten viele Dokumente als „fehlend“ vermerkt werden und einige der vorgefundenen Archivschachteln waren mit vollkommen falschem Material befüllt.
Der Bestand „Archiv Kaiser Maximilian von Mexiko“ war ursprünglich in das „Mexikanische Archiv“ und das „Miramare-Archiv“ aufgeteilt, wobei ersteres aus den alten Faszikeln 1 bis 34 bestand, letzteres aus den Faszikeln I bis XXXIXb. Die Anfänge dieser Ordnungsarbeiten wurden noch zu Lebzeiten des Kaisers Maximilian von Mexiko durchgeführt, der seit 1866 den Gedanken hegte, Mexiko aufgrund der politischen Lage zu verlassen und daher Teile seines persönlichen Archivs nach Europa zurückbringen ließ. Nachdem Kaiser Maximilian von Mexiko am 19. Juni 1867 bei Querétaro hingerichtet worden war, übergab der Präfekt von Miramar, Eduard Radonetz, das „Mexikanische Archiv“ und das „Miramar-Archiv“ dem Haus-, Hof- und Staatsarchiv, wo es von Archivaren wie u. a. Paul Wocher und Alfred Ritter von Arneth weiter geordnet und verzeichnet wurde. Im Laufe des 19. und frühen 20. Jahrhunderts wurden weitere Akten u. a. von ehemaligen Bediensteten des mexikanischen Kaisers nachgesendet und einige wenige Archivalien wieder an das Obersthofmeisteramt, das Kriegsministerium sowie an Italien abgetreten.
Nach Abschluss der Ordnungs- und Verzeichnungsarbeiten ist nun zu berichten, dass der Bestand „Archiv Kaiser Maximilian von Mexiko“ selbstverständlich eine wertvolle Quelle zur Geschichte Mexikos von 1864 bis 1867 darstellt. Innenpolitik, Außenpolitik, Schulwesen, Militärisches, Wirtschaft, Religion und Soziales – es gibt wohl kaum ein Thema, das sich nicht in den Akten des „Archivs Kaiser Maximilian von Mexiko“ widerspiegelt.
Weiters finden sich immer wieder Schreiben, die den amerikanischen Bürgerkrieg thematisieren. Natürlich war es für Mexiko von großem Interesse, wer bald das Nachbarland USA regieren würde und wie die Regierung gegenüber Mexiko eingestellt sein würde. Auch mit Belgien, Frankreich, England, dem Kirchenstaat, Österreich sowie weiteren Staaten, Fürstentümern, Ministerien und adeligen und nichtadeligen Einzelpersonen wurde rege Korrespondenz geführt.
Da Erzherzog Ferdinand Maximilian, wie Kaiser Maximilian von Mexiko vor der Krönung im Jahr 1864 genannt wurde, ab 1854 der Kommandant der k. k. Kriegsmarine und ab 1857 Generalgouverneur von Lombardo-Venetien war, befindet sich auch umfangreiches Material zur Marineorganisation und Schiffstechnik, zum Hafenbau sowie zur Verwaltung Lombardo-Venetiens in dem Bestand. Weiters findet man auch Material zum Bau des Suezkanals, da Erzherzog Ferdinand Maximilian das Projekt interessiert verfolgte und förderte. Erzherzog Ferdinand Maximilian erscheint in den Akten auch als Förderer von Kunst und Literatur. Wie viele andere Mitglieder des Hauses Habsburg zeichnete er selbst, verfasste Gedichte und führte rege Korrespondenz mit Autoren und Künstlern.
Der Bestand „Kaiser Maximilian von Mexiko“ enthält schlussendlich auch Dokumente, die erst nach dem Tod des Kaisers von Mexiko verfasst wurden. Es handelt sich hier um Berichte verschiedener Personen, die Organisation der Verlassenschaft von Maximilian von Mexiko und Akten zur Rückstellung des Besitzes und Vermögens des mexikanischen Kaisers nach Österreich.
Weblink: https://www.archivinformationssystem.at/detail.aspx?id=901
Jasmin Oberleitner